Der Backmittelhersteller Ireks übernimmt das Anlagevermögen der Carl Mühle in Scherneck. Das bestätigten beide Unternehmen auf Anfrage unserer Zeitung. Die Mühle wird künftig Teil des Unternehmens Ireks in Kulmbach sein und unter der Firmierung Eichenmühle GmbH intern Produkte für diese international tätige Firma zuliefern.

Für Frank Carl ist die Lösung "eine Win-Situation für alle". Die Carl Mühle arbeitet seit Jahren bereits mit der Ireks zusammen. Dass sie jetzt, wenn auch unter einem anderen Namen, direkt in das Unternehmen eingebunden wird, sichert ihre Zukunft. "Ich habe in der Familie keinen Nachfolger", sagt Frank Carl. "Und in der Mühlenbranche gab es einen starken Strukturwandel. 1950 zählte man in Deutschland mehr als 17 500 Mühlen. Heute sind es kaum mehr als 500 und davon ist rund die Hälfte nicht marktbedeutend. Es werden weitere aufgeben." Für ihn war der gemeinsame Weg mit Ireks daher eine Möglichkeit, den Fortbestand der Mühle in Scherneck möglichst langfristig zu sichern.

Das gilt auch für die Arbeitsplätze, wie Ireks-Geschäftsführer Stefan Soiné bestätigt: "Alle Arbeitsplätze bleiben erhalten. Frank Carl wird als Geschäftsführer weiter tätig sein." Seine hohe Kompetenz stehe außer Frage, ebenso die der Mitarbeiter, die bereits in einer Betriebsversammlung über die Veränderung informiert wurden. Zudem habe Frank Carl kontinuierlich in die Mühle investiert. Die Ireks übernimmt also keinen Sanierungsfall.

Zurzeit sind 18 Mitarbeiter bei Carl Mühle beschäftigt, Müller, Verfahrenstechniker und Fahrer verdienen dort ihren Lebensunterhalt. Getreide aus der Region wird in der Carl Mühle zu unterschiedlichen Mehlen verarbeitet, die an Bäckereien und andere Betriebe etwa in der Lebensmittelindustrie - auch an die Kulmbacher Ireks - geliefert werden. Das 1965 gegründete Unternehmen wurde erst im Februar dieses Jahres Partner der Genussregion Coburger Land. Diese ist ein Netzwerk aus regionalen Lebensmittelhandwerkern, Gastronomen und Herstellern von Spezialitäten, das 2011 unter der Federführung des Regionalmanagements ins Leben gerufen wurde. Zu den mittlerweile über 70 Partnern zählen Bäcker, Fleischer, Brauer, Imker, Direktvermarkter und Gärtner sowie gastronomische Einrichtungen und Hotels. Ziel der Genussregion ist es, die Netzwerkpartner durch gemeinsames Marketing und den Aufbau neuer Vertriebsmöglichkeiten zu unterstützen.

Die Eichenmühle wird wohl diese Partnerschaft nicht eingehen. "In der Genussregion geht es ja um Produkte, die der Verbraucher auch kaufen kann. Die Eichenmühle wird aber nur intern für die Ireks liefern, da hat eine Partnerschaft in der Genussregion keinen Sinn", sagt Frank Carl.

Warum die Carl Mühle zur Eichenmühle wird, erklärt Stefan Soiné: "Mein Urgroßvater hat vor über 100 Jahren hier bei Kulmbach die Eichenmühle gekauft. Die musste später abgerissen und die Arbeit ins Werk verlegt werden." So bekommt die Ireks wieder eine echte Mühle, die diesen Namen weiter trägt.

Alteingesessenes Unternehmen

Ireks steht für "Johann Ruckdeschel et Söhne, Kulmbach", der die Firma 1856 gründete. Seither ist Ireks zum Global Player geworden und liefert weltweit Backzutaten und andere Produktideen in mehr als 90 Länder. Nach Unternehmensangaben hat Ireks rund 2900 Beschäftigte - darunter mehr als 500 Außendienstler aus 30 Nationen, die durchweg Bäcker- oder Konditormeister sind. Hergestellt werden Backzutaten und seit je her auch Braumalze. Dazu kamen im Lauf der Zeit die Sparten Aromen, Speiseeis-Produkte und Agrarhandel. Dass die Carl Mühle in diesem Rahmen als Eichenmühle weiter betrieben wird, lässt Frank Carl positiv in die Zukunft blicken. Er kann sich vorstellen, dass die Produktionsmengen der Mühle sogar steigen könnten. Für die Mitarbeiter könne das bedeuten, dass vielleicht sogar weitere Arbeitsplätze entstehen. Für die Landwirte, die Getreide an die Mühle liefern, bleibe die Mühle ein sicher Abnehmer. Auch hier könne möglicherweise sogar mehr Getreide angekauft werden als bisher.