Auf zehn Personen ist die Bürgermedaille der Stadt Stadtsteinach beschränkt. Deshalb werde "die Auszeichnung nicht mal so eben vergeben", sagte Bürgermeister Roland Wolfrum (SPD) bei der Verleihung der höchsten Ehrung der Stadt. Vielmehr überlege sich der Stadtrat genau, "wem diese Ehre wirklich zusteht".

Vier neue Bürgermedaillenträger hat das Gremium erkoren: Wolfgang Heiß, Siegfried Sesselmann, Josef Madl und Franz Schrepfer. An Schrepfer überreichte Landrat Klaus Peter Söllner (FW), zugleich Stadtsteinacher Ehrenbürger, zudem die kommunale Dankurkunde des bayerischen Innenministers Joachim Herrmann.

Wolfgang Heiß (CSU) gehört dem Stadtrat seit 26 Jahren und auch weiterhin an. Neben seinem Wirken in verschiedenen Gremien bringt er als Inhaber eines Fuhr- und Bauunternehmens nicht nur seine Sachkenntnis mit ein. "Unser Wolfgang ist sich auch nicht zu schade, höchstpersönlich im Bagger oder per Lkw an der einen und anderen Ecke schnell etwas zu richten. Oftmals vergisst er auch, dafür eine Rechnung zu stellen - vor allem, wenn es sich um Projekte im Rettungswesen und im sozialen Bereich handelt", lobte Bürgermeister Wolfrum. "Wolfgang Heiß ist ein Tausendsassa, hat immer ein Herz für Menschen und Organisationen, die Hilfe benötigen. Ein Mann, dessen Rat gefragt ist, ein Mann mit Gewicht in unserer Gesellschaft, ein Mann, der sich nicht zu schade ist, selbst anzupacken und mitzuwirken." Sichtlich bewegt dankte Heiß für die Auszeichnung "und meinem Herrgott, dass er mich in Stadtsteinach leben lässt". Auch lobte er die Zusammenarbeit im gesamten Stadtrat, insbesondere in der CSU-Fraktion.

Siegfried Sesselmann, Stadtsteinacher Stadtarchivar und Kreisheimatpfleger, ist das historische Gedächtnis der Region. Der gebürtige Stadtsteinacher war zuletzt Rektor der Schule in Marktleugast und beschäftigt sich nun im Ruhestand verstärkt damit, die Geschichte der Stadt und des angrenzenden Oberlands penibel zusammenzufassen. "Was du in den vergangenen paar Jahren publiziert hast, davon haben Günther Grass und Thomas Mann in der gleichen Zeit nur einen Bruchteil geschrieben", attestierte Landrat Söllner dem neuen Träger der Bürgermedaille. Er habe unter anderem "die komplette Schulgeschichte des Kulmbacher Landes bis ins letzte Detail erforscht", stellte Bürgermeister Wolfrum zudem fest. Seine Bücher seien mit einer Vielzahl von alten und neuen Fotos illustriert, "und wenn es einen Menschen gibt, der die hiesigen Familien- und Häusergeschichten in- und auswendig kennt, dann ist es unser Siegfried". Zudem sei Sesselmann Ortsvorsitzender des Colloquium Historicum Wirsbergense, organisiere Vorträge und trage auch selbst Begebenheiten direkt aus Stadtsteinach vor. In seine Ehrenämter sei er vor 20 Jahren "auf Zuruf" von Günther Heß gekommen, gab Sesselmann preis. Derzeit würden ihn vor allem Flurdenkmäler und Marterl beschäftigen.

Josef Madl "ist das Gesicht des Frankenwaldvereins", stellte Wolfrum fest; und Söllner umschrieb Madls Engagement mit der süffisanten Anmerkung: "Du machst die ganze Arbeit, und ich muss nur den Obmann machen." Am Geehrten sehe man, dass man in Franken auch mit Oberbayern zusammenarbeiten könne, wenn man sie anlerne. "Unzählige Wanderwege hat Madl schon organisiert", blickte Wolfrum zurück, "unzählige Kilometer ist er schon unterwegs gewesen, um die Wege bestmöglich auszuschildern, herzurichten und in Schuss zu halten, damit Wanderer aus nah und fern sich nicht verirren." In diesem Zusammenhang lobte das Stadtoberhaupt die selbstverständliche Partnerschaft von Frankenwaldverein, Tourismusverein und Stadt: "Alles ist gegenseitig abgestimmt. Schneidmühlenfest, Aktionen auf der Burg Nordeck, die zertifizierten Frankenwaldsteigla, Gäste- und Nachtwanderungen, Wandermarathons." Im Januar 1958 , so erinnerte sich "Sepp" Madl, sei er in Altötting am Bahnhof gestanden mit einer Fahrkarte nach Stadtsteinach und keiner Ahnung, wo und was die Stadt eigentlich sei. Sobald er aber seine Hilde in der Alten Pressecker Straße gefunden hatte, war es um seine Liebe nicht nur zur fränkischen Landschaft geschehen.

Franz Schrepfer (FW) ehrte Bürgermeister Wolfrum für sein langjähriges Engagement als Stadtrat sowie als sein Stellvertreter. In dieser Zeit habe sich ein sehr enges, vertrauensvolles Miteinander aufgebaut: "Wir konnten uns immer aufeinander verlassen. Ich kann rückblickend feststellen, dass dies immer ein ganz angenehmes und harmonisches Miteinander war." Er sei schon etwas betrübt gewesen, als er hörte, dass Schrepfer zur Kommunalwahl 2020 nicht mehr antreten wollte. Schrepfers pragmatischer, kameradschaftlicher Arbeitsstil und seine Persönlichkeit hätten die Wähler sicher wieder honoriert. "Für vieles, was hier in den vergangenen Jahrzehnten erschaffen wurde, stand Franz Schrepfer Pate", sagte Wolfrum. Er sei in seiner aktiven Zeit beim BRK Organisator, Motivator, Leitwolf, Kapitän, Arbeiter und Zusammentrommler in einem gewesen. Dergleichen auch in den weiteren Vereinen der Stadt. Insbesondere auch für dessen kommunalpolitisches aktives Engagement überreichte ihm Landrat Söllner nun auch die kommunale Dankurkunde des bayerischen Innenministers. klk