Nicole Julien-Mann

Am letzten Wochenende war es nicht wie sonst still und leer in der Maximilian-von-Welsch-Realschule. Und das lag nicht nur am dortigen Wahllokal. Die Kronacher Klassik-Akademie (KKA) probte für ihre Konzerte am kommenden Sonntag. Im Auditorium übten die ersten Geigen, von irgendwo erklangen die tiefen Töne der Bläser, darüber schwebte eine silbrig-leichte Flötenmelodie und in einem abgelegenen Raum sang sich die Sopranistin ein. Eva Friedrich aus Stockheim wird in drei Arien ihre Stimme auf unterschiedlichste Art präsentieren: als schüchternes Mädchen, ihren Mann bezirzende Ehefrau und sehnsüchtig auf Vereinigung hoffende Liebende. "Den "Morgen!" von Richard Strauß wollte ich immer mal singen", sagt sie, "aber technisch und gestalterisch bin ich jetzt erst bereit dafür".


Schon mit fünf Jahren im Chor

Im Oktober wird Eva ihren Bachelorabschluss in Gesang machen. Nach dem Masterstudium folgt hoffentlich ein Engagement auf einer Opernbühne. Das alte Sprichwort "Früh übt sich, wer ein Meister werden will" scheint sie verinnerlicht zu haben - schon mit fünf Jahren sang sie im Chor, ihren ersten Gesangsunterricht erhielt sie mit 13. Nach der Ausbildung zur Chor- und Ensembleleiterin mit Hauptfach Gesang an der Berufsfachschule für Musik in Oberfranken ergatterte sie einen der begehrten Plätze an der Universität der Künste in Berlin. Und jetzt nimmt sie zum zehnten Mal an der Klassik-Akademie teil. Ihren Stammplatz bei den Hörnern musste sie dieses Jahr für ihren Soloauftritt aufgeben: "Ein bisschen Wehmut schwingt schon mit", sagt sie, "aber beides gleichzeitig geht nicht." Beim Horn muss sie die Muskeln um den Mund anspannen, beim Singen müssen sie locker bleiben. Der Verzicht fällt ihr leicht, denn zum ersten Mal wird sie von einem großen Orchester begleitet. Vor der Probe ist sie merklich angespannt, danach spürbar erleichtert: "Ich freue mich darauf, zuhause in Kronach zu singen!".
Auch für den jungen Giovanni Antonio Gromek aus Kirchenlamitz im Landkreis Hof werden die Konzerte der KKA ein Heimspiel: Dem Kronacher Publikum ist er als virtuoser Blockflötist bekannt. Seit 2012 ist er Schüler von Andreas Wolf, dem Leiter der Berufsfachschule für Musik. Jetzt zeigt er sein Können am Klavier mit Mozarts Konzertrondo in D-Dur. Sein bisher größter Erfolg war der zweite Platz im Bundeswettbewerb von Jugend musiziert 2014. Den ersten Klavierunterricht erhielt er mit fünf Jahren, bald wurde er von Professoren unterwiesen. Derzeit absolviert er ein Gaststudium an der Hochschule für Kirchenmusik in Bayreuth bei Prof. Wolfgang Döberlein.
Am Dirigentenpult steht der junge Spanier Néstor Bayona, der als Pianist und Dirigent an der Universität der Künste in Berlin arbeitet.