Marco Meissner Für Peter Witton (Grüne) steht fest: "Eine vernünftige Öffentlichkeitspolitik hätte viele Missverständnisse beseitigt, aber auch den veränderten, aus unserer Sicht negativen Anblick auf das malerische Tor zur Innenstadt deutlich gemacht." Er spricht damit die Planungen für eine neue Spitalbrücke an, die den Stadtrat spalten.

An Ort und Stelle zeigten Ratsmitglieder von vier Gruppierungen, Martin Panzer und Daniel Götz (beide Zukunft Kronach), Martina Zwosta (Frauenliste), Elisabeth Hoffmann (Grüne) sowie Klaus Simon (SPD) gemeinsam mit ihm Flagge, um das Konzept für das Bauwerk noch einmal auf den Prüfstand zu bringen und anpassen zu lassen.

Bürger nicht mitgenommen?

Im Kern von Wittons Kritik an der Planung stehen drei Punkte: die Größenordnung der Brücke, das Fällen zweier Bäume und vor allem die Verkehrsführung. Einen "imponierenden", ja gar "monumentalen" Eindruck habe die Brücke auf ihn gemacht, erinnert sich Witton an die ursprüngliche Planung und Fotomontagen, die zum Begriff "Monster" für das Bauwerk geführt hätten.

Die damals vorgesehene Fahrbahnerhöhung um 50 Zentimeter (plus 15 Zentimeter für die Gehsteigkante) sei nun um 15 Zentimeter nach unten korrigiert worden. Zumindest war dies der Kenntnisstand der auf der Brücke diskutierenden Ratsmitglieder zwei Tage vor der Besprechung im Rathaus. Denn Elisabeth Hoffmann prangert an, dass die bei der Stadt angeforderten, aktualisierten Pläne wieder einmal nicht rechtzeitig bei den Kritikern eingetrudelt seien. An solchen Beispielen macht Witton fest, dass die Öffentlichkeitsarbeit zum Brückenbau seiner Ansicht nach zu wünschen übrig und deshalb Raum für Spekulationen in der Bevölkerung lasse. Im Hintergrund rumore es jedenfalls. Er spricht von einem "Entsetzen in der Bevölkerung" und ernsten Sorgen der betroffenen Geschäftsleute. Sogar Anfragen nach Unterschriftenlisten gegen die Brücke seien schon an ihn gestellt worden.

Dass zwei 100 Jahre alte, prägende Kastanienbäume am Eingangstor der Innenstadt kampflos geopfert werden sollen, ist für Witton ein Unding. Schon bei der Hochwasserfreilegung habe sich gezeigt, dass in solchen Fällen mit ein wenig Kreativität durchaus Möglichkeiten für eine Rettung der Bäume gefunden werden könnten.

Dass es in Kronach generell an einer aktuellen Gesamtverkehrsplanung fehle, macht Witton daran fest, wie die Verkehrsführung über eine neue Spitalbrücke aussehen könnte. Die Befahrbarkeit bis zu 40 Tonnen - laut der Verwaltung die Voraussetzung für eine hohe Bezuschussung - sei ihm ein Dorn im Auge. An einer Verkehrsberuhigung für die Innenstadt führt für ihn kein Weg vorbei. Deshalb müsse eine Begrenzung der Tonnage vorgenommen werden. Eine "Fahrradstraße" oder auch "Spielstraße" könnte er sich gut für "einen gleichberechtigten Verkehrsstrom in die Innenstadt" vorstellen, die er gerne mit Ruhezonen ausgestattet beleben würde. Und obendrein brauche es einen durchgängigen Radweg, der das Schulzentrum, die Innenstadt und den Bahnhof miteinander verbinde.

Damit trifft er genau auf den Kopf des Nagels, den Martin Panzer in die bisherige Planung schlägt. Hunderte Studenten werden seiner Meinung nach bald in Kronach unterwegs sein - viele zu Fuß, viele mit dem Fahrrad. "Deshalb ist Verkehrsberuhigung angesagt", betont Panzer. Auch müsse in der Bauzeit das viele Monate dauernde Abschneiden der Geschäftswelt im Brückenumfeld von der Laufkundschaft berücksichtigt werden, weshalb ihm eine Behelfsbrücke sinnvoll erscheint.

Über den Tellerrand schauen

Panzer fordert, statt eines Schnellschusses noch einmal über den Tellerrand zu schauen, um "ein böses Erwachen" zu verhindern. Die Planer müssten sich fragen: "Was will ich vielleicht in 15 Jahren?" Dann könnten sich ganz andere Ansprüche an die Brücke stellen.

Wie Witton würde auch Martina Zwosta eine kleiner dimensionierte Brücke bevorzugen. "So, wie sie jetzt geplant ist, ist sie nicht notwendig", betont sie. Sie befürchtet, dass eine große Brücke auch zunehmend Schwerlastverkehr in die Innenstadt ziehen würde.

Klaus Simon sieht nach - seiner Einschätzung nach - 20 Jahren Vorlaufzeit und mit einem Verkehrskonzept, das angeblich aus dem Jahr 1991 stammt, als Basis keinen Grund, jetzt auf die Tube zu drücken. "Auf ein paar Monate kommt es da auch nicht mehr an", ist er überzeugt, dass die Planung lieber noch einmal gründlich durchgegangen werden sollte.

Was Witton einräumt: "Es gibt wohl keine vernünftige Alternative zu diesem Bau." Eine Hubbrücke gelte auf lange Sicht als wartungsintensiv und daher teuer. Eine kleine Stahlbrücke sei nicht zuschussfähig. In diesem Fall würden vermutlich Millionenkosten den Kronachern auf die Füße fallen. Doch an der Ausführung des Brückenbaus, der Gestaltung des Umfeldes und der Nutzung kann nach Ansicht der Planungskritiker durchaus noch geschraubt werden. Am Montag muss der Stadtrat dazu Stellung beziehen.