Cindy Dötschel

In ihrem Brautmode-Geschäft Tüll & Träume hat Kathrin Kellner ein Glücksrad aufgestellt: "Wir wollten in diesem Jahr etwas Besonderes machen und haben deswegen eine Adventskalender-Aktion auf Facebook und Instagram gestartet." Jeden Tag wird unter allen Nutzerinnen, die den Beitrag vom Vortag kommentiert haben, ein Gutschein im Wert von 100 Euro bis 250 Euro verlost. "Das Glücksrad entscheidet über die Höhe des Gutscheins . Jeden Tag nehmen zwischen 20 und 30 zukünftige Bräute teil."

Gewinnspiel läuft eine Woche

Am 24. Dezember soll zum Abschluss ein Brautkleid verlost werden. "Die Idee kam mir in der Nacht", sagt die Lautertalerin. Ihr ist es wichtig, dass das Kleid im Wert von 1500 Euro nicht irgendjemand bekommt. "Das Brautkleid soll jemand bekommen, der durch Corona oder eine Krankheit unverschuldet in finanzielle Not geraten ist und sich kein Kleid leisten kann." Deshalb wird sie gemeinsam mit ihrer Mitarbeiterin entscheiden, wer gewinnt.

Ab dem 24. Dezember läuft das Gewinnspiel eine Woche lang. "Zukünftige Bräute, die teilnehmen möchten, können uns per Mail oder als Nachricht über die sozialen Netzwerke schreiben, warum ausgerechnet sie gewinnen sollten", erzählt Kellner. Die Gewinnerin wird am 1. Januar ausgelost und dann persönlich benachrichtigt.

Lieferzeit bis zu neun Monate

Weil die Kleider eine Lieferzeit von sechs bis neun Monaten haben, müssen außerdem die Kleidergröße und das Hochzeitsdatum mit angegeben werden. "Es ist wichtig für uns abzuwägen, dass das Kleid rechtzeitig vom Lieferanten geliefert werden kann", erklärt sie den Hintergrund. Bei einer Terminvereinbarung würden die Kleidergröße und das Hochzeitsdatum aus demselben Grund immer erfragt.

"Natürlich haben wir auch kurzfristig einige Möglichkeiten. Durch Corona bedingt versuchen die Hersteller alles möglich zu machen." Alle Gutscheine, die über den Adventskalender verlost wurden, und der Gutschein für das Brautkleid sind bis Ende 2021 gültig. "Ich hoffe, dass die Gewinnerin bereits im Januar kommen und sich ihr Kleid aussuchen kann."

Wer 2022 heiratet, sollte sein Kleid wegen der Lieferzeit 2021 aussuchen, rät Kellner. Für die Brautmodenbranche war das Corona-Jahr hart. "Die Bräute musste ihre Hochzeiten zum Teil zweimal verschieben. Viele gekaufte Kleider hängen zur Aufbewahrung noch bei uns im Lager", erzählt Kellner. Die Bräute seien in diesem Jahr angespannter und nicht so entscheidungsfreudig wie sonst gewesen. Generell sei deutlich weniger Festmode verkauft worden.

Über 100 Trauungen weniger

Jährlich finden rund 500 Trauungen im Coburger Standesamt statt, 2020 waren es knapp 350. "Vor solchen Problemen wie in diesem Jahr standen wir noch nie - aber das gilt für alle Bereiche", sagt Amtsleiter Michael Rodenburger. Während der ersten Corona-Welle im Frühjahr mussten 60 Eheschließungen abgesagt werden. "Maximal durften sechs Personen bei den Trauungen in unserem Saal sein." Wie Rodenburger berichtet, werden aktuell Trauungen angeboten. Um das Infektionsrisiko gering zu halten, würden diese nur fünf bis zehn Minuten dauern. Die zukünftigen Eheleute müssten allerdings FFP2-Masken tragen und dürfen keine weiteren Personen mitbringen. "Ich gehe davon aus, dass die aktuellen Entwicklungen sich ins nächste Jahr ziehen werden."

In seinen knapp 30 Dienstjahren hat er rund 5000 Ehepaare getraut. "Coburg gehört zu den am meisten gefragten Standesämtern in Deutschland. Einmal habe ich ein Paar aus Südafrika, das mit der ganzen Hochzeitsgesellschaft angereist ist, getraut." Der Hochzeitstourismus sei in diesem Jahr weggefallen.