Siegfried Sesselmann Die Geschichte der heute längst vergessenen Konservenfabrik Steinl in Stadtsteinach fing damit an, dass der junge Lehrersohn Michael Anton Steinl aus Viersberg bei Ansbach um 1920 als Steuerobersekretär an das damalige Rentamt Stadtsteinach versetzt wurde.

Etwa zur gleichen Zeit liefen hier große Anstrengungen, das kleine Städtchen als "Sommerfrische" bekanntzumachen.

"Die Sachsen" zu Gast

Und tatsächlich suchten immer mehr Urlauber, zumeist aus Sachsen, Erholung und Ruhe, so dass die Einheimischen alle Gäste pauschal als "die Sachsen" titulierten. So lernte hier der junge Anton Steinl die gleichaltrige Amalie Auguste Lisbeth Meyer aus Leipzig kennen und lieben.

Nach der Eheschließung in Leipzig 1923 wechselten die Schwiegereltern Paul und Helene Meyer ebenfalls in ihr Urlaubsstädtchen, das ihnen ans Herz gewachsen war. Vermutlich unterstützten sie Anton Steinl kurz nach der Inflation 1923 dabei, in der Alten Pressecker Straße ein stattliches Gebäude zu bauen, in das aber bereits ein Jahr später die Allgemeine Ortskrankenkasse einzog.

Landhaus mit rundem Erker

Ein Jahr später errichtete Anton Steinl in der Spitalgasse 6 ein mehrstöckiges Landhaus mit rundem Erker und Doppelwalmdach. In der Zwischenzeit waren die beiden Söhne Heinz (geboren 1924) und Anton jun. (1925) zur Welt gekommen.

Kurz danach las man Werbungen von der "Pension Meyer", die die Leipziger Schwiegereltern in diesem Haus einrichteten, 1931 wurde der Bau eines Gewächshauses in Angriff genommen, und ab 1933 florierte neben dem Haus eine Gärtnerei.

Doch der Elan des Visionärs Anton Steinl sen. war nicht zu bremsen, und so baute man die Weidenschälerei Konopka am Bahnhof 1939 zu einer Konservenfabrik um. Im beginnenden Weltkrieg wurden die lange haltbaren Lebensmittel dringend benötigt, und viele Frauen fanden im Betrieb Brot und Arbeit.

Bei Jägertreffen verliebt

1949 übernahmen die beiden Brüder Heinz und Anton Steinl jun. die Firma mit dem Namen Gartenbau und Konservenfabrik Gebr. Steinl.

Heinz heiratete 1951 Franziska Bauerschmidt, die Tochter des Fabrikaufsehers und Musikers Georg Bauerschmidt. Anton Steinl ehelichte 1953 Hedwig Lücking aus der Nähe von Paderborn, die er bei einem Jägertreffen kennengelernt hatte.

Blumenladen an der Hauptstraße

Heinz Steinl baute ab 1960 den Gartenbetrieb in seinem Elternhaus in der Spitalgasse aus, der erst 1989 abgemeldet wurde. Seine Tochter Annett führte als Floristin von 1977 bis 1989 in der Hauptstraße 2 in Stadtsteinach einen Blumenladen. Das Angebot wurde stets erweitert.

Der Schwerpunkt von Anton Steinl war ab 1960 der Ausbau der Konservenfabrik am Bahnhof. Bis 1968 waren in der Erntesaison bis zu 40 Frauen tätig. Man konzentrierte sich auf die Konservierung von Bohnen, die auf gepachteten Flächen angebaut wurden.

Auch viele Schüler verdienten sich als Ferienarbeiter ein Taschengeld, wenn sie mit Weidenkörben zum Pflücken gingen. Hauptabnehmer war die Handelskette Tengelmann, und so kamen Bohnen aus Stadtsteinach in 400 Filialen in Deutschland.

Seit Jahren befindet sich in der 1968 geschlossenen Konservenfabrik Steinl die Firma Knoll. Das Landhaus der Gärtnerei wurde verkauft, und auf dem Platz des Gewächshauses steht seit 1992 ein Gebäude mit acht Eigentumswohnungen. Von den beiden Unternehmen sind heute in Stadtsteinach keine Spuren mehr sichtbar.