Das Münnerstädter Berufsbildungszentrum, das Johann-Philipp-von-Schönborn-Gymnasium und die evangelische Kirchengemeinde in Münnerstadt wollen gemeinsam ein Zeichen gegen Rassismus und für Offenheit und Toleranz setzen. Sie organisieren eine interkulturelle Woche, in der sowohl Schüler, als auch die Öffentlichkeit für diese Themen sensibilisiert werden sollen, erläutert Harry Koch, Vertrauensmann und Mitglied im Kirchenvorstand. Unter anderem werden junge Leute lernen, wie sie dem Rassismus im Netz Paroli bieten können.

Die christlichen Kirchen rufen jährlich im September zur interkulturellen Woche auf. "#offengeht" lautet in diesem Jahr das Motto. Margot Dörr und Harry Koch vom evangelischen Kirchenvorstand fanden am Gymnasium und am Berufsbildungszentrum begeisterte Mitstreiter für diese Idee. Am Gymnasium sind es die Lehrerinnen Margot Dörr und Renée Liening-Ewert und am BBZ Laura Schmidt und Anastasia Mun, die die Aktionen federführend begleiten.

Gottesdienst zum Auftakt

Mit einem Gottesdienst in der evangelischen Kirche beginnt die interkulturelle Woche am Sonntag, 26. September, um 9.30 Uhr. Die Gestaltung übernehmen die Kirchengemeinde und die deutsch-türkische Hausgemeinschaft; diese trifft sich seit einigen Monaten in der Auferstehungskirche sonntags. Den kirchlichen Auftakt begleiten die Lobpreisband und der Gospelchor. Pfarrer Martin Hild betont, dass der Gottesdienst im Freien gehalten wird, damit mehr Menschen daran teilnehmen können. Am 3. Oktober wird es dann noch einen Abschlussgottesdienst geben, dem sich ein kleines Gemeindefest anschließt. Auch Flüchtlinge seien eingeladen, mitzufeiern, erklärte Pfarrer Hild. Die evangelische Kirchengemeinde engagiere sich seit Jahren im interkulturellen Bereich. Um so mehr freut es ihn, dass es jetzt wieder Deutschkurse gibt, die im Gemeindehaus angeboten werden.

Am 19. und 20. Oktober gestalten Gymnasium und Berufsbildungszentrum zwei gemeinsame Aktionstage für ihre Schülerinnen und Schüler. Im Mittelpunkt steht, wie junge Leute im Netz positive Akzente gegen Hasskommentare und Rassismus setzen können. Als Referent hat man den Politikwissenschaftler, Journalisten und Blogger Said Rezek gewonnen. Er kommt nach Münnerstadt, um den jungen Leuten zu erklären, was sie selbst gegen Rassismus tun können.

Medienkompetenz üben

Der Vormittag beginnt jeweils mit einer Lesung und Diskussion. Der Referent liest dazu aus seinem Buch "Bloggen gegen Rassismus - Holen wir uns das Netz zurück." Am Nachmittag treffen sich die Schüler und Schülerinnen sowie Studierenden beider Schulen - sofern es die Corona-Situation zulässt - zu gemischten Workshops. Dort sollen sie ihre Medienkompetenz üben und lernen, couragiert im Netz gegen Hasssprache und Rassismus zu bloggen.

"Der Umgang mit dem Netz spricht junge Menschen an", betont Margot Dörr. Deshalb verspricht sie sich, eine gute Resonanz und hofft, dass das Angebot ankommt. Laura Schmidt ist überzeugt: "Junge Leute wollen wissen, wie Fake News funktionieren."

Dankbar zeigt sich das Organisationsteam, dass die Schulen ihre Unterstützung sofort zugesagt hatten. "Da rennen sie völlig offene Türen bei uns ein", betonte der Leiter des BBZ, Georg Gißler. "Wir wissen, wie sehr die Medienkompetenz gefördert werden muss." Erleichtert wird die interkulturelle Woche auch durch die neue Nachbarschaft beider Schulen. Georg Gißler freut sich auf die Begegnung der Schulen, die in den vergangenen eineinhalb Jahren durch die Pandemie viel zu kurz gekommen sei.

Beim letzten Programmpunkt der interkulturellen Woche ist die gesamte Bevölkerung eingeladen, dabei zu sein. In der Mehrzweckhalle wird der preisgekrönte Dokumentarfilm "Für Sama" zu sehen sein. Der Film läuft am Freitag, 22. Oktober, in der Mehrzweckhalle. Beginn ist um 18.30 Uhr. Die Stadt habe sich spontan bereit erklärt, die Halle zur Verfügung zu stellen. Großleinwand und moderne Tontechnik stehen zur Verfügung. "Das Engagement müssen wir unterstützen", betont Klimamanager Stefan Richter, der jetzt auch mit im Boot ist. Den Film hat eine junge syrische Mutter und Ehefrau über einen Zeitraum von fünf Jahren gedreht; sie hat in emotionalen Bildern das Leben in vom Bürgerkrieg zerstörten Aleppo dokumentiert. Für Laura Schmidt ist der Film ein sehenswertes Zeugnis für ein Miteinander der Menschen und für Toleranz sowie die Liebeserklärung einer Mutter und Ehefrau an ihre Familie. Er erkläre aber auch, weshalb sich das Ehepaar entschlossen hat, trotz des Krieges in Aleppo zu bleiben.

Sponsoren helfen mit

Anastasia Mun betont, dass die interkulturelle Woche einen nachhaltigen Effekt auf alle Beteiligten ausüben soll. So wünscht man sich, dass die jungen Leute, die am Workshop teilgenommen haben, ihr Wissen in die Schulen hineintragen. Am BBZ soll dies durch Arbeitsgruppen erfolgen, am Gymnasium kann dies über ein P-Seminar erfolgen. Der Film soll die Menschen sensibilisieren für Themen wie Migration und Flucht.

Außerdem wünscht sich das Organisationsteam, dass sich in Münnerstadt eine jährliche interkulturelle Woche dauerhaft etabliert. Pfarrer Martin Hild würde es freuen, wenn im nächsten Jahr die katholische Kirche oder auch die Mittelschule mit in diesem Kreis dabei sind.

Möglich wurde diese erste interkulturelle Woche in Münnerstadt jedoch nur, weil sich Sponsoren gefunden haben. Der Lions Club Bad Kissingen, der Förderverein des BBZ und die Freunde des Schönborn-Gymnasiums sowie der Elternbeirat des Gymnasiums hätten die Durchführung großzügig unterstützt, so Harry Koch.