von unseren Redaktionsmitgliedern 
Ekkehard Roepert und Luisa Hölzel

Forchheim — Die Arme voller Pakete, stand Simone Kaiser gestern in der Warteschlange am Postamt. Wie die beiden Frauen vor ihr, hat sie darauf gewartet, dass die Sendungen endlich wieder zugestellt werden. Um Mitternacht würde der Streik enden. Sowohl privat als auch geschäftlich sei sie in den vergangenen drei Wochen betroffen gewesen: "Für die Firma ist der Streik nachteilhaft, schließlich gehen keine Rechnungen raus oder kommen an."
Wie viele, die gestern ins Postamt kamen, beweist Simone Kaiser Langmut: "Ich finde den Streik zwar nicht toll, habe aber Verständnis dafür, da meine Tante auch Mitarbeiterin der Post ist."
Kritik und zugleich Einsicht auch bei Silvia Walz: Sie habe auf ein Schreiben vom Rechtsanwalt gewartet. Die Frau aus Forchheim hält einen Brief hoch: "Dieser kam nicht an." Daher sei sie heute zu ihrem Rechtsanwalt gegangen, um sich den Brief selbst abzuholen. Trotz dieser Umstände sagte Silvia Walz gestern: "Verständnis für den Streik habe ich schon. Die Bezahlung dort ist nun mal schlecht."

Stinkendes Paket

Einen besonders unangenehmen Nebeneffekt des Streiks musste ein Mitarbeiter einer Partner-Filiale im südlichen Landkreis durchstehen. Eine Frau hatte Hundefutter im Internet bestellt. Nach der Einlieferung bei der Post war das Paket drei Wochen ohne Kühlung gelagert worden. Da die Empfängerin dann am Samstag die Annahme des nach Verwesung riechenden Paketes verweigerte, wurde es am Wochenende in besagter Partner-Filiale der Post zwischengelagert.
"Ich habe dann", berichtet der dortige Mitarbeiter, "mit verschiedenen Leuten bei der DHL telefoniert. Aber von allen wurde mir verboten, dieses Paket zu vernichten. So dass wir jetzt bis zur nächsten regulären Abholung der Post für dieses Paket und den Inhalt Verantwortung tragen." Daher wurde das verwesende Fleisch bis Montag gelagert, um es dann mit einem Fahrer in das Paket-Zentrum nach Feucht zu schicken.

Absender ist verantwortlich

Diese Geschichte sollte nicht den Eindruck erwecken, dass es in sämtlichen Filialen nach verwesendem Hundefutter riecht, sagt Erwin Nier, Pressesprecher der Post; dieser Vorfall sei die absolute Ausnahme: "Es ist das erste Mal, dass ich davon überhaupt höre."
Wer frische Lebensmittel versende, der wisse um die Verzögerung, die es geben kann - auch bei Expresssendungen. Daher, betont Erwin Nier, "trägt der Absender die Verantwortung, dass die Sachen nach Inhalt und Umfang entsprechend verpackt sind."
Ab heute wird bei der Post wieder regulär gearbeitet, und Erwin Nier ist zuversichtlich, dass die Folgen des Streiks "innerhalb der nächsten Tage aufgearbeitet" sein werden.
Auch in der ländlich strukturierten Fränkischen Schweiz mit ihren weiteren Wegen dürften sämtliche zwischengelagerte Pakete bis Ende der Woche ausgeliefert sein, meint der Pressesprecher.
Auch wenn das reibungslos klappt, werden Kunden wie Simone Kaiser auf Distanz zur Post bleiben: "Pakete schicke ich per Post, da hab ich einen Nachweis, bei einem Päckchen nicht", begründet die Geschäftsfrau. Bevor sie gestern ihre Pakete dem Mann am Schalter reichte, sagt sie: "Es geht an den Lieferanten zurück. Ich bin auch nur geschäftlich hier, sonst geh' ich zu Hermes."