So viel Distanz war noch nie bei der politischen Schlachtschüssel des Bauernverbandes am Rosenmontag. Nur virtuell trafen Landwirte mit Politikern zusammen. Doch bei aller räumlichen Entfernung schienen sich beide Seiten in ihren Meinungen oft erstaunlich nah. Es wäre für die Politik auch schwer gewesen, dem Hagel an Problemen und Beschwerden in allen Punkten Paroli zu bieten.

Viele Probleme hängen schließlich mit der aktuellen Politik zusammen. Deren Vorgaben, so BBV Kreisobmann Martin Flohrschütz, führen im Berufsstand vielfach schon zu schierer Verzweiflung. Er ist überzeugt, dass der Weg der Politik, der eine kleine Bevölkerungsschicht hofiere, grundlegend falsch ist und der Versuch, in Deutschland ein Paradies zu schaffen, zu Rodung und schonungslosen Anbaumethoden im Ausland führt.

Was die Bauern hier zurzeit verzweifeln lässt, bringen Verbandsvertreter und Praktiker abwechselnd auf den Punkt. Da wäre die Ausweisung so genannter "roter Gebiete". In ihnen darf nur eingeschränkt gewirtschaftet werden, um das Grundwasser vor Verunreinigung zu schützen. Etwa darf Dünger nur mit 20 Prozent unter dem Bedarf der Pflanzen ausgebracht werden. In Summe sind die Einschränkungen so stark, dass Landwirte nicht mehr wissen, wie sie dort wirtschaften sollen. Und: "Wir haben bei der Landesanstalt für Landwirtschaft gefragt - die wissen es auch nicht", so Martin Flohrschütz. Dabei wird den Bauern heute viel genauer auf die Finger geschaut als je zuvor. Selbst mit Satellitenüberwachung achtet die EU auf Einhaltung von Förderbedingungen. Da geht es um Quadratmeter. Die Toleranz für Abweichungen wurde stark verschärft, wie Harald Weber, der Leiter des Amtes für Ernährung, Landwirtschaft und Forsten in Coburg, erklärte. Galt etwa bisher bei einer Fläche von fünf Hektar eine Toleranz von 750 Quadratmetern, sind es jetzt nur noch 100. In Prozent also 0,2. Mit heutiger Technik, großen Pflügen und Grubbern, sei das kaum einzuhalten.

Gülle braucht Lagerraum

Die Zeiten, in denen Gülle ausgebracht werden darf, werden immer enger geregelt. In der Folge muss in kurzer Zeit viel Gülle ausgebracht werden - mehr als gebraucht wird. Gleichzeitig muss die Lagerkapazität erhöht werden. Dafür böten sich Güllelagunen an. Solche mit Folie ausgekleidete Erdbecken sind vergleichsweise kostengünstig. Doch den Bauern fehlt Planungssicherheit, weil unklar ist, ob eine - dann wieder teure - Abdeckung nötig wird oder nicht. Feste Güllebecken sind teurer und für die Materialien werden Zertifikate vorgeschrieben, die zurzeit aber keine Baustoffe erfüllen, so der Vorwurf.

Wurde beim Insektenschutzgesetz auch ein Kompromiss zwischen Umwelt- und Landwirtschaftsministerium gefunden, so fürchten die Bauern auch aus diesem vorgeschlagenen Verordnungspaket weitere Einschränkungen. Vor allem Einschränkungen, die über ihre Köpfe hinweg erlassen werden, ohne mit ihnen zu sprechen. Dabei steht für Martin Flohrschütz fest: "Wenn einer die Bienen rettet, dann wir. Wir sind auf Insekten angewiesen."

Kampf gegen Biber gefordert

So sehr die Bauern auf diese kleinen Lebewesen angewiesen sind, so viel Ärger haben sie mit größeren. Indem er sich rasch über den gesamten Landkreis ausgebreitet hat, bereitet der Biber vielerorts Probleme, weil er Anbauflächen überflutet, Obstbäume schädigt und in Kulturen räubert. Martin Flohrschütz fordert Erleichterungen für den Abschuss der Nager. Für Ebersdorfs Bürgermeister Bernd Reisenweber nicht einfach. Er ist Jäger und weiß: "Für jede Entnahme ist ein Antrag nötig, über den ein Manager irgendwann entscheidet. Wenn wir den Abschuss vereinfachen, bräuchten wir den Manager nicht mehr." Der Biber müsse weg vom "Kuscheltier-Image" und "wo er stört, muss er weg, und das muss unbürokratisch geregelt werden." Er erinnert auch an invasive Arten, die hier eigentlich gar nicht heimisch waren, wie die Nilgans, die für native Vögel zum Problem werde, den Waschbären oder den Goldschakal.

Beim Stichwort Gänse meldet sich Michael Bienlein, Kreisobmann des BBV in Lichtenfels, zu Wort. Wo Gänse sich niederlassen, fressen sie ihren Rastplatz kahl und verunreinigen die Flächen mit Unmengen Kot. "Da besteht die Gefahr der Ausbreitung der Geflügelpest", mahnt er. Und selbst Corona treibt die Bauern bei ihrer Schlachtschüssel vor den Bildschirmen um. "Wer versorgt die Tiere, wenn eine Bauernfamilie komplett erkrankt?", fragt Bienlein. Der BBV fordert daher, Landwirte bei der Impfreihenfolge vorzuziehen.

SPD-Landtagsabgeordneter Michael Busch und AfD-Landtagsabgeordneter Martin Böhm begnügten sich mit der Rolle als Zuhörer. Die Bundestagsabgeordneten Emmi Zeulner und Hans Michelbach, der Landtagsabgeordnete Martin Mittag sowie die Europa-Abgeordnete Monika Hohlmeier (alle CSU) erinnerten an politische Erfolge etwa bei der Reduzierung der roten Gebiete zum Grundwasserschutz, versprachen Unterstützung beim Versuch, das Insektenschutzgesetz in einigen Punkten abzuschwächen und sich für Entscheidungsmöglichkeiten der Bundesländer stark zu machen.