Coburg — 9710 Impfungen hatte das Team des Impfzentrums in Witzmannsberg bis Montagabend verabreicht. Ungefähr 600 Impfwillige könnten täglich in dem Gebäude versorgt werden, doch von diesen Zahlen ist es laut Martin Stingl noch weit entfernt. Der SPD-Politiker ist der Verwaltungsleiter des Impfzentrums. Denn bislang stand gar nicht so viel Impfstoff zur Verfügung. Die höchste Tagesrate waren 540 Impfungen, und von denen fanden nur 348 im Impfzentrum selbst statt - die übrigen verteilten die mobilen Impfteams.

Die bayerische Staatsregierung geht davon aus, dass die Impfstoffmengen in den nächsten Wochen steigen werden. "Deshalb sollen die Impfkapazitäten vor Ort entsprechend ausgeweitet werden", heißt es in einer Mitteilung der Führungsgruppe Katastrophenschutz von Stadt und Landkreis Coburg vom Dienstag. Die ehemalige BGS-Sporthalle auf der Lauterer Höhe ist als Außenstelle des Impfzentrums für Coburg Stadt und Land ausersehen. Außenstelle deshalb, weil die Impfstoffe weiterhin nach Witzmannsberg geliefert und dort auch gelagert werden, erläutert Stingl.

Im Durchschnitt sollen laut Bayerischem Staatsministerium für Gesundheit und Pflege ab April circa 850 Impfdosen je Tag pro 100 000 Einwohner zur Verfügung stehen. Für Stadt und Landkreis Coburg würde das circa 1000 Impfdosen täglich und damit mehr als doppelt so viel Impfstoff wie bisher bedeuten.

Aufteilung nach Postleitzahl

Die Aufteilung der impfwilligen Bürger auf die beiden Impfstellen Witzmannsberg und ehemaliges BGS-Gelände erfolgt nach Postleitzahlen. Im Impfzentrum in der BGS-Halle werden dann künftig alle Bürger aus der Stadt Coburg, der Stadt Neustadt bei Coburg, der Gemeinde Weidhausen und der Gemeinde Sonnefeld geimpft.

Noch ist es nicht so weit: Stingl machte am Dienstagnachmittag mit Vertretern der Coburger Stadtverwaltung einen ersten Rundgang durch die Halle und besprach unter anderem die nötige technische Ausstattung: So benötigt jede der vorgesehenen zwölf Impfkabinen einen PC mit Monitor und leistungsfähigem Drucker. 450 Menschen sollen dann täglich hier geimpft werden können.

Die zuständigen Politiker zeigen sich erfreut über die Aussicht auf mehr Impfstoff. "So kommen wir hoffentlich dem Ziel näher, dass wir bis in den Herbst allen Impfwilligen ein Angebot zum Impfen machen können", erklärt Coburgs Oberbürgermeister Dominik Sauerteig (SPD). Landrat Sebastian Straubel (CSU) hofft, dass mehr Impfstoff "uns auf dem Weg zur Eindämmung des Virus einen sehr großen Schritt weiter" bringt. Das Verwaltungspersonal für die Außenstelle des Impfzentrums wird weiterhin vom Landratsamt Coburg angeworben. Medizinische Unterstützung stellt der kommunale Klinikverbund Regiomed.

3547 Menschen in der Region haben schon ihre Zweitimpfung erhalten, gelten also als geschützt vor einer schwer verlaufenden Covid-19-Erkrankung. 2616 Menschen hatten - Stand Montagabend - bislang nur die Erstimpfung erhalten. Normalerweise werden beide Termine auf einmal vergeben, sagt Stingl. Zu seinen Aufgaben gehört es, sicherzustellen, dass die benötigten Dosen dann auch vorhanden sind.

Vergaberichtlinien

Außerdem wollen er und der Ärztliche Leiter Jens Stüber sicherstellen, dass keine der Impfdosen unbrauchbar wird und weggeworfen werden muss. Das macht die Organisation der Impfungen manchmal kniffelig. Zum einen, weil selbst bei genauester Abfrage vorab dann plötzlich doch ein oder zwei Impflinge im Pflegeheim fehlen. Zum anderen, weil aus einem Injektionsfläschchen mehrere Impfdosen gezogen werden können - sechs sind es beim Biontech-Impfstoff. "Was mache ich aber, wenn in einem kleinen Pflegeheim nur 13 Dosen gebraucht werden?", fragt Stingl und gibt die Antwort gleich selbst: Die übrigen fünf aus der dritten Ampulle werden so verplant, dass sie entweder im Heim ans Pflegepersonal gehen oder zur nächsten Einrichtung gefahren werden, die im verbleibenden Zeitfenster erreicht werden kann. Und das ist klein: Wenn der Impfstoff erst einmal aufgezogen ist, dann muss er innerhalb von einer Stunde verabreicht werden. Ein angebrochenes Infektionsfläschchen muss innerhalb von zwei Stunden verbraucht sein.

Das hat auch im Witzmannsberger Impfzentrum dazu geführt, dass dort auch Personen unter 80 Jahren schon ihre Impfung erhalten haben. Coburgs Altoberbürgermeister Norbert Kastner zum Beispiel gehört zu denen, die aufgrund von Vorerkrankungen auf die Liste der Impfwilligen gesetzt wurde, die - bevor Impfstoff weggeworfen wird - kurzfristig ins Impfzentrum bestellt werden können. "Offensichtlich gehöre ich zur Risikogruppe", sagt Kastner. "Das entscheidet dort der Arzt."

Das Impfzentrum hat sich selbst eine Verfahrensrichtlinie gegeben, wann Menschen geimpft werden können, die zwar nicht zu den Vorranggruppen gehören, für die eine Impfung aber sinnvoll wäre. Auf die Liste können Menschen mit chronischen Erkrankungen kommen oder solche, denen eine Operation bevorsteht. Oder "ehrenamtliche Rettungsdienstmitarbeiter, zum Beispiel", sagt Stingl. Und wenn die Zeit gar zu knapp ist, kann es laut Richtlinie auch vorkommen, dass einer Begleitperson im Impfzentrum eine Dosis angeboten wird. sb