"Rückblickend ist es auf dem Ausbildungsmarkt besser gelaufen, als ursprünglich gedacht. Der befürchtete Einbruch ist ausgeblieben", sagt Brigitte Glos, Vorsitzende der Geschäftsführung der Agentur für Arbeit Bamberg-Coburg. Die Agentur hat jetzt die Jahresbilanz zum Ausbildungsmarkt veröffentlicht und bezieht sich auf das Beratungsjahr 2019/20. Ein Beratungsjahr bei der Agentur beginnt jeweils am 1. Oktober und endet am 30. September.

2019/20 entfielen 5382 gemeldete Berufsausbildungsstellen auf 3082 bei der Berufsberatung gemeldete Bewerber. Der Arbeitgeberservice bekam im Vergleich zum Vorjahr 497 oder 8,5 Prozent weniger Lehrstellen gemeldet. Die Zahl der Bewerber ging das vierte Jahr in Folge zurück. Sie sank um 171 oder 5,3 Prozent. 1900 Bewerber haben eine Ausbildung begonnen, 259 weniger (-12,0 Prozent) als im Vorjahr. 565 besuchen eine weiterführende Schule, studieren oder machen ein Praktikum, 36 mehr (+6,8 Prozent) als in 2018/19. Zum Ende des Berichtsjahres der Berufsberatung stehen 54 unversorgten Bewerbern (14 mehr als im Vorjahr) noch 864 unbesetzte Ausbildungsstellen (148 oder 14,6 Prozent weniger als in 2019) gegenüber.

Brigitte Glos: "Auf 100 Jugendliche kamen rein statistisch 175 gemeldete Lehrstellen. Auch wenn der Trend, weiterführende Schulen zu besuchen, durch Corona aufgrund der Ungewissheit etwas verstärkt wurde, traten viele Jugendliche im September eine Ausbildung an. Einige Abiturienten warten für den Studienstart lieber erst mal die aktuelle Entwicklung der Pandemie ab. Für sie ist der Bundesfreiwilligendienst eine attraktive Alternative zur Überbrückung."

Der strukturell bedingte rückläufige Trend, der sich bereits seit Anfang des Jahres auf dem Lehrstellenmarkt abzeichnet, sei durch die Auswirkungen der Corona-Krise kaum verstärkt worden, so Glos weiter. Im März zu Beginn der Krise seien es wie zur Jahresbilanz Ende September 8,5 Prozent weniger Lehrstellen als vor einem Jahr gewesen. Die Ausbildungsbereitschaft der Betriebe sei nach wie vor ungebrochen hoch. Sie wüssten, dass man die besten Fachkräfte von morgen am besten bereits heute selbst ausbildet. Daran ändere auch Corona nichts. Aufgrund der Pandemie habe sich der Bewerbungsprozess teilweise verzögert.

Ausbildungsstart noch möglich

Glos: "Daher investieren wir mit unseren Arbeitsmarktpartnern viel Engagement auf die Nachvermittlungsphase. Jugendliche, die bis zum 1. September noch keinen Ausbildungsplatz gefunden haben, sollten sich auch jetzt nicht entmutigen lassen. Bis Dezember ist ein Start im bereits begonnenen Ausbildungsjahr problemlos möglich." Die Agentur hoffe, dass es die Situation weiterhin erlaube, dass mit der Berufsberatung wieder mehr Orientierung für eine fundierte Berufswahlentscheidung direkt an den Schulen geboten werden könne. Ein Praktikum sei zusätzlich oftmals ein guter Wegbereiter in die Ausbildung. red