Ekkehard Roepert Forchheim — Mitten im Sommer beginnt die Stadt um ihren Weihnachtsmarkt zu ringen. Dabei ist Nico Cieslar mit "zwei Herausforderungen" konfrontiert. Der Leiter der Tourist-Information arbeitet an einer "digitalen Lösung" des Weihnachtskalenders. Gleichzeitig muss sich Cieslar darauf vorbereiten, dass der Markt wegen Corona komplett abgesagt werden muss.

Eine dritte Herausforderung hat das Forchheimer Bürgerforum (FBF) ins Spiel gebracht: Wegen der Covid-19-Pandemie seien die Abstandsregeln an der Kaiserpfalz und in der Innenstadt kaum einzuhalten, meint Stadtrat Manfred Mauser (FBF/CSU). "Um diesem Dilemma zu entgehen, könnte man Teile des Weihnachtsmarktes in den Kellerwald verlegen." Dort sei genug Platz für Besucher und Buden. Das Bürgerforum würde auch gerne das Annafest-Riesenrad im Winter aufbauen lassen: "Die Türchen des Adventskalenders könnten an einer Leinwand auf dem Riesenrad geöffnet werden", schlägt Manfred Mauser vor.

Dieser Vorschlag knüpft an Nico Cieslars Idee vom digitalen Adventskalender an. Der Tourist-Manager favorisiert aber folgenden Ablauf: Während der Weihnachtsengel im Pfalz-Graben auf einer Bühne agiert, wird dessen Bild zeitgleich auf eine 13 mal 7 Meter große Leinwand an der Fassade des Pfalzmuseums projiziert.

Da das Rathaus wegen der Sanierung nicht als realer Adventskalender zur Verfügung steht, soll der Rathauskalender virtuell an der Pfalz entstehen. Der Engel würde dann während einer Christkind-Animation in Erscheinung treten.

Protest gegen Bohrlöcher

Diese Idee hat die Stadträte im Kulturausschuss zwar überzeugt, aber die Umsetzung wurde kritisiert: Allen voran Thomas Werner (CSU) und Manfred Hümmer (FW) opponierten gegen die Vorstellung, 40 Löcher in die historische Pfalzfassade zu bohren, um eine Leinwand anzubringen. Keinesfalls sollte das Pfalzgebäude mit "etwas behängt" werden, ohne die Denkmalschützer zu fragen, meinte Thomas Werner.

Der momentane Stand der Markt-Planung sieht laut Nico Cieslar so aus: "Es wird die große Leinwand an der Kaiserpfalz angebracht, wenn von Seiten des Denkmalschutzes sowie des Bauunterhaltes der Stadt Forchheim keine Bedenken bestehen. Sollte es denkmalrechtlich nicht möglich sein, wird eine kleinere Leinwand direkt an der Bühne angebracht. Dass der Adventskalender digital umgesetzt wird, steht fest."

Und die teilweise Verlagerung in den Kellerwald? Als "charmant" habe Bürgermeisterin Annette Prechtel (FGL) die Idee begrüßt, freut sich Manfred Mauser; allerdings habe sie auch vor Umsatzverlusten in der Innenstädtischen Geschäftswelt gewarnt.

Das Bürgerforum hält für nächstes Jahr an seinem Vorschlag fest. Auch wegen der Rathausbaustelle, betont Manfred Mauser. Sie werde demnächst fest eingerichtet und bleibe für zwei Jahre. Der Baustellenbetrieb zwischen Rathaus und Kaiserpfalz werde dem Weihnachtsmarkt den Platz rauben, warnt Mauser.

Belebter Winter im Kellerwald

Ab 2021 dann also doch eher eine Kellerwald-Weihnacht? "Das hat aus Sicht des Tourismus Charme und Potenzial", bestätigt Nico Cieslar: "Allerdings sollte weiterhin ein Markt in der Altstadt fokussiert werden. Denn der Weihnachtsmarkt lockt zahlreiche Besucher in die Innenstadt, was unseren Einzelhandel sowie der Gastronomie zu Gute kommt."

Aber, sagt Tourist-Experte Cieslar: Eine Kellerwald-Weihnacht an einem der Advent-Wochenenden könne er sich "als ein weiteres Highlight in der Adventszeit gut vorstellen - das würde auch im Winter Leben in den Kellerwald bringen".