Die Bewohner von Steinfeld wurden in einer Bürgerversammlung über die Zukunft der Wasserversorgung des Ortes informiert und nutzten anschließend in großer Zahl die Möglichkeit, Kritik zu üben und Fragen an die Experten und Behördenvertreter zu stellen. Wegen Corona stellte die Stadt Scheßlitz ihre Dreifachturnhalle für die Versammlung zur Verfügung. Persönlich eingeladen waren 125 Grundstückseigentümer, weil nach Mitteilung der Gemeinde Stadelhofen, zu der auch Steinfeld gehört, für die Finanzierung der Maßnahmen Beiträge erhoben werden sollen. Doch auch weitere interessierte Bürger waren willkommen.

Bürgermeister Volker Will (ÜWG) informierte am Anfang der Versammlung, dass der Gemeinderat im letzten Jahr ein Sanierungskonzept beim Ingenieurbüro Weyrauther, Bamberg, in Auftrag gegeben habe, um eine wirtschaftliche Variante zur Sicherstellung der Trinkwassersversorgung für den Gemeindeteil Steinfeld zu finden. Das Sanierungskonzept sei auch vom Wasserwirtschaftsamt Kronach gefordert worden, weil die Gemeinde zur Finanzierung der Maßnahme Zuschüsse nach der RZWas beantragen möchte.

Der jetzige Brunnen ist 156 Meter tief, informierte der Bürgermeister weiter, und ist ab 1954 genutzt worden. Eine erste Regenerierung erfolgte 1993, und 2017 ist das Brunnenwerk nochmals gereinigt, aber nicht saniert worden. Die Gemeinde sei vom beauftragten Büro und der ausführenden Firma auf den schlechten baulichen Zustand des Brunnens hingewiesen worden. In den letzten Jahren habe es, so Will weiter, Probleme mit der Wassertrübung und der Wassermenge gegeben. Es habe Grenzwertüberschreitungen gegeben, so dass das Wasser zum Teil nur abgekocht genutzt werden durfte und mit Tanks Wasser von der FWO in den Hochbehälter geliefert wurde.

Die Zeit drängt

"Da ab 1. Januar 2021 die Zuschussbedingungen geändert werden, ist eine Entscheidung über die Wasserversorgung Steinfelds dringend. Der zweite Schritt ist dann später die Sanierung des 60 Jahre alten Leitungsnetzes", sagte das Gemeindeoberhaupt.

Maria Waldhäuser, Geschäftsstellenleiterin der Verwaltungsgemeinschaft Steinfeld, verlas dann die Stellungnahme des Gesundheitsamtes Bamberg. Das Amt stellt dar, dass ein dringender Sanierungsbedarf bestehe, es in den letzten Jahren große Probleme gegeben habe, eine Belieferung mit Tankwagen auf Dauer nicht erlaubt sei und die Versorgungssicherheit nötig sei.

Den wichtigsten Part der Versammlung hatte nun das Ingenieurbüro Weyrauther, vertreten durch die Ingenieure Max Brust und Jonas Pohl, nämlich die Vorstellung der verschiedenen Konzepte. Gemeinderat und Bürger sollten so über die verschiedenen Möglichkeiten und die Kosten dafür aufgeklärt werden.

Drei Varianten

Pohl stellte nun die drei Möglichkeiten für Steinfeld vor: Eigenwasser-, Mischwasser- und Fernwasserversorgung mit jeweils Untervarianten. Bei der reinen Eigenwasserversorgung müssen der bestehende Brunnen, die Aufbereitungs-, Filter-anlage, der Saugbehälter, das Pumpwerk und der Hochbehälter zum Teil erneuert oder ganz neu errichtet werden. Der jetzige Brunnen liefere maximal 1,2 Liter pro Sekunde, da das Wasser aber insgesamt nicht reiche, wäre ein neuer Brunnen noch zu bohren. Die teilweise niedrigen Druckverhältnisse und die Löschwasserversorgung seien weitere Problemfelder. Die Projektkosten auf 50 Jahre gab er mit rund vier Millionen Euro an, die Investitionskosten mit 2,8 Millionen und die jährlichen mit 23 600 Euro.

Als nächstes wurde die mögliche Mischwasserversorgung mit zehn Varianten vorgestellt. Als Möglichkeiten der zusätzlichen Lieferung von Wasser bieten sich die Fernwasserversorgung Oberfranken (FWO) und die Juragruppe-Zweckverband Wasserversorgung (Juragruppe) an. Die Projektkosten für das Mischwassersystem belaufen sich auf circa 4 bis 4,7 Millionen Euro.

Die dritte Möglichkeit ist die reine Fernwasserversorgung mit geschätzten Kosten von rund 2,3 bis 2,6 Millionen. Das Wasser der FWO kommt aus dem Stausee im Frankenwald und das der Juragruppe aus der Hollfelder Mulde. Die jährlichen Betriebskosten schwanken dabei bei den sechzehn Varianten von 21 500 bis 33 000 Euro.

Die nächsten Referenten Peter Arnold vom Wasserwirtschaftsamt Kronach und Jürgen Goppert vom Landratsamt Bamberg, Fachbereichsleiter Wasserrecht, stellten aus ihrer Sicht die Wasserversorgung Steinfelds dar. Sie wiesen auf die Aufgaben der Gemeinde hin, die Qualität und Menge des Wassers sicherzustellen. Bei Bohrung eines neuen Brunnens sei außerdem die Ausweisung eines Wasserschutzgebietes nötig, wodurch Landwirte und auch die Entwicklung der Gemeinde eingeschränkt würden.

Danach hatten die Bürger das Wort. Sebastian Linz zweifelte die Darstellungen über den Zustand und die genannten Mengen an. "Einmal ist der Hochbehälter sogar übergelaufen", sagte er, "und ein verstopftes Rohr hat lange keiner bemerkt. Das Wasser würde also ausreichen." Maria Waldhäuser, Geschäftsstellenleiterin, und Wasserwärter Werner Spörlein bestätigten den einmaligen Vorfall.

Georg Linz aus Untersteinfeld wunderte sich über die im Raum stehende Variante Fernwasser, "gegen das wir seit 30 Jahren kämpfen". Sein Fazit: "Wir haben Öko- und Biowasser!" Scheßlitz und andere Gemeinden würden auch Eigenwasser nutzen. Für sein Schlusswort "Wir haben das beste Wasser Bayerns!" erhielt er Applaus aus dem Saal. Jürgen Goppert wies seinerseits auf den hohen Eisen- und Mangangehalt des Wassers hin und dass aufgrund der Fakten die Empfehlungen entstanden seien.

Nach den Gebühren, das heißt was der Bürger zahlen müsse, fragte Martina Hübner. Laut Maria Waldhäuser entfallen von den Beitragsgebühren 40 Prozent auf die Grundstückseigentümer und 60 Prozent auf die Geschossflächen. Die Gebühren seien aber noch nicht festgelegt.

Von weiteren Rednern wurde u. a. das Fehlen eines sogenannten Gegengutachtens angemahnt. Dieses sei, so die Antwort, beim Geowissenschaftlichen Büro Hainbucher beantragt worden, aber leider noch nicht da. Zweiter Bürgermeister Frank Grasser (CSU) meinte, dass man sich wegen der hohen Kosten wahrscheinlich von der Eigenversorgung verabschieden müsse, man aber noch das Hainbucher-Gutachten abwarte.

Es ist fünf vor zwölf

Geschäftsstellenleiterin Waldhäuser fasste ihre Meinung am Schluss zusammen: "Seit 2017 ist bekannt, dass der Brunnen auf Dauer nicht mehr betrieben werden kann, was sich 2019 drastisch äußerte. Mich wundert, dass manche meinen, es sei alles in Ordnung. Es dauert, bis ein neuer Brunnen gefunden wird. Das Risiko mit möglichen Lösungen ist sehr groß. Es ist fünf vor zwölf für andere Varianten für den Brunnen."