Charlotte Wittnebel-Schmitz Um 60 Jahre verheiratet zu sein, muss man in jungen Jahren heiraten, gesund bleiben und mit dem Partner das ganz eigene Rezept der Liebe herausfinden, damit die Ehe lange hält.Was ist die Geheimzutat bei Christa und Gebhard Wehner aus Burkardroth, um langfristig und zufrieden miteinander zusammen zu leben?

"Wir wollten uns nie trennen und haben uns immer zusammengerauft", sagt Christa. Beide seien nicht nachtragend. "Wenn wir Streit hatten, haben wir uns gleich danach wieder vertragen." Auch die Arbeit habe die beiden zusammengehalten, sagen sie. Sie wird von der Familie als temperamentvoll und häuslich beschrieben. "Meine Frau kann sehr gut kochen", sagt Gebhard. Seine Kinder und Christa charakterisieren ihn als lustige und zugleich ruhig Person."Wir ergänzen uns gut", sagt Christa.

Beide sind in Burkardroth geboren und gingen auf die Volksschule, er in Wollbach, sie in Burkardroth.

Christas Familie hatte eine Bäckerei. Ihr Vater fiel 1945 im Krieg, sodass ihre Mutter mit drei Kindern alleine blieb und sich Hilfe suchen musste. "Das war nicht so wie heute", sagt Christa. "Meine Mutter musste sich arg plagen." Das Backen habe nur für einen Hungerlohn gereicht.

1954 bis 1955 besuchte Christa die Haushaltsschule in Schweinfurt im Theresienheim. Außerdem half sie als Jugendliche regelmäßig in der Bäckerei mit. Dort gab es immer etwas zu tun. Wenn es klingelte, trat sie nach vorne an den Tresen, erzählt sie. Dabei fiel sie wohl Gebhard ins Auge. Er kam regelmäßig und kaufte Bonbons. Wohl auch, so erzählt es Christa, weil er sie mochte. Das war 1957. Die flüchtige Bekanntschaft in der Bäckerei entwickelte sich. "Wir haben einen Tanzkurs gemacht und da sind wir uns nähergekommen", erzählt Christa. Neben dem Tanzen gingen sie auch gerne gemeinsam Fasching feiern.

Erst Prinzenpaar, dann Hochzeit

"Wir wurden vom Prinzenpaar zum Hochzeitspaar", sagt Christa. Am 18. Mai 1960 heirateten die beiden. Die Hochzeitsreise ging nach Amorbach in den bayerischen Odenwald. Ein Onkel hatte das Städtchen als Reiseziel empfohlen. "Wir sind aber nur drei Tage dort geblieben. Ich hab es nicht ausgehalten", sagt Christa. "Es gab zuhause in der Bäckerei so viel zu tun."

Etwa ein Jahr später, im August 1961, kam Sohn Jochen auf die Welt. Vier Jahre später wurde Tochter Sabine geboren. Die viele Arbeit in der Bäckerei blieb.

Arbeit in der Bäckerei

Christas Bruder Alfons lernte in der Bäckerei Schmitt in Bad Kissingen das Handwerk. Nach seiner Ausbildung übernahm er mit seiner Frau die familieneigene Bäckerei. Christa half zwar immer noch mit, dann aber etwas weniger. Sie blieb zuhause und kümmerte sich um die Kinder. 20 Jahre arbeitete sie am Wochenende in der Disko "Rhön" in der Gastwirtschaft und in der Küche mit, bis das Tanzlokal 1992 geschlossen wurden.

Gebhard lernte als junger Erwachsener Raumausstatter bei der Firma Hahn. Nach seiner Ausbildung arbeitete er zwölf Jahre lang bei der Firma Vogt. 1970 fing er als Hausmeister bei der Zahlbacher Kleiderfabrik des Unternehmers Hans Müller an. "Ich musste oft schon vor sechs Uhr die Heizung in der Firma einschalten und Dampf machen", erinnert sich Gebhard. Die Mitarbeiterinnen hätten in der Früh noch oft die Gunst der Stunde genutzt, um private Kleidung zu bügeln. Neunzehn Jahre habe er als Hausmeister alles machen müssen, was anfiel. "Ich habe einige Maschinen repariert", sagt Gebhard Wehner.

In Eschau lag das Hauptwerk der Kleiderfabrik, deshalb fuhr er auch regelmäßig dorthin, um Material, Stoffe oder fertige Hosen zu transportieren. Die Firma ging 1989 in Konkurs, erzählt Gebhard. Er arbeitete deshalb danach drei Jahre beim Krettek Heimdecor Fachmarkt in Bad Kissingen und später bei der Firma Farben Kessler in Oberthulba.

Die Urlaube verbrachte Familie Wehner an Pfingsten gerne am Gardasee mit drei anderen Familien, als die Kinder noch klein waren.

Hobbys verbinden

Theater, Fasching und Fußball - das waren die Dinge, die Gebhard in seiner Freizeit begeisterten. "Der Fußball stand für meinen Vater an erster Stelle, sein Leben lang", erzählt Tochter Sabine. "Er sieht immer noch jedes Fußballspiel." Gebhards Vater brachte ihn als neunjähriger Jungen zum Sportverein TSV Wollbach. Christa teilt diese Leidenschaft mit ihm. Entweder sehen sie gemeinsam fern oder sie gehen am Sonntag als Zuschauer auf den Fußballplatz.

Neben dem Fußball liegt Gebhard die "Theatergruppe Burkardroth" am Herzen, die er mitgründete. Dort ist er seit über 25 Jahren Mitglied. "Gebhard macht gerne Blödsinn und ist lebenslustig", sagt Sabine.

Auch in anderen Vereinen ist das Ehepaar aktiv: Jeden Dienstag gehen sie zum Seniorenturnen. Einmal im Monat ist ein Seniorennachmittag. Dort hören sie Vorträge oder sehen sich Fotoshows an.

1964 baute das Paar ein Haus am Mühlberg, wo sie bis heute wohnen. "Es geht uns gut", sagt Christa. "Wir haben einen großen Garten. Unsere Tochter und unser Schwiegersohn leben mit im Haus." Sie ist dankbar, dass ihre Kinder ein offenes Ohr für sie haben.

Jochen, ihr älterer Sohn, ist auch in der Nähe. Er wohnt mit der Familie in Poppenroth.