Blinklichter über Blinklichter - von Brücke zu Brücke - so bot sich am Dienstag Autofahrern auf der A 73 ein ungewohntes Bild. Überall standen Schlepper mit eingeschalteten Warnleuchten. Das Anliegen: Protest gegen das Insektenschutzgesetz, das vom Bundesumweltministerium auf den Weg gebracht wird. Dabei geht es den Landwirten nicht darum, den Insektenschutz zu verhindern. "Wir verlangen einfach, dass die Bemühungen gemeinsam mit uns angegangen werden, dass mit uns gesprochen wird", betont Martin Flohrschütz, der Kreisobmann des Bayerischen Bauernverbandes (BBV) in Coburg.

Gegen 17 Uhr rollten daher die Schlepper. Die Brücken, die zwischen Dörfles-Esbach und Rottenbach über die Autobahn führen, wurden besetzt. Die Coburger Bauern wollen damit ihre Berufskollegen in Berlin unterstützen, die dort seit Tagen demonstrieren. "Viele Coburger Landwirte sind besorgt um die Zukunft ihrer Familienbetriebe. Sie können als ausgebildete Landwirte die überzogenen Auflagen und Verbotspläne vom Bundesumweltministerium nicht nachvollziehen", betont Coburgs BBV-Geschäftsführer Hans Rebelein.

Gegen ordnungsgemäße Landwirtschaft

Die Auflagen widersprechen nach Ansicht des BBV der ordnungsgemäßen Landwirtschaft, um die Erzeugung von qualitativen und hochwertigen Nahrungsmitteln und Futtermitteln auch in FFH- und Vogelschutzgebieten sowie Naturschutzgebieten sicherzustellen. "Außerdem haben die Coburger Landwirte bereits durch Baumaßnahmen der letzten 25 Jahre mehr als sechs Prozent ihrer landwirtschaftlichen Fläche verloren", gibt Hans Rebelein zu bedenken. Ausgleichsflächen für Verkehrsprojekte, die meistens auch der Landwirtschaft entzogen wurden, seien da noch gar nicht mitgerechnet.

"Es steht hier viel Vertrauen auf dem Spiel, da bei der früheren Festlegung der Natura-2000-Gebietskulissen die Politik uns wiederholt erklärt hat, dass die ordnungsgemäße Landbewirtschaftung fortgesetzt werden kann", sagt Martin Flohrschütz. Wenig Verständnis hat er dafür, dass mit den Landwirten als den am meisten Betroffenen nicht geredet wird. Bis heute habe Bundesumweltministerin Schulze ihre Zusage nach einem ernsthaften Dialog mit der Landwirtschaft für praxistaugliche Lösungen, den sie mit der Ankündigung des Aktionsprogramms Insektenschutz im Herbst 2019 den Bauern versprochen hatte, nicht ernsthaft angepackt. Martin Flohrschütz: " Sorry, aber das geht nicht!"

Hans Rebelein betont: "Der Insektenschutz und auch die Biodiversität sind uns auch in unseren Betrieben wichtig." Entscheidend sei, wie die Landwirtschaft auch zusätzliche Beiträge leisten kann. Und hier stehe der kooperative Weg für ein erfolgreiches Vorgehen: "Naturschutz geht nur mit den Landwirten", so Rebelein.

Nicht nur die Bauern gefordert

Zudem sei die Bundesregierung gefordert, die Herausforderungen im Bereich Umwelt- und Naturschutz gesamtgesellschaftlich anzupacken, nicht den alleinigen Fokus auf die Landwirtschaft zu richten. "Ganz besonders muss ich die diskutierten Einschränkungen bei Herbiziden und bei sogenannten biodiversitätsschädigenden Insektiziden in FFH-, Vogelschutz- und Naturschutzgebieten ansprechen", sagt Martin Flohrschütz. Für die Erzeugung qualitativ hochwertiger Nahrungs- und Futtermittel sei ein bedarfsweiser Einsatz von Pflanzenschutzmitteln zur Gesunderhaltung von Nutzpflanzen, aber vor allem auch von heimischem Obst und Gemüse, bedeutend, um regionale Erzeugung weiterhin zu gewährleisten, ist er überzeugt.

Viele Bauernfamilien haben über Generationen Streuobstflächen erhalten und gepflegt. Statt Unterschutzstellungen sollte im Falle von Streuobstwiesen die Förderung von Unterhalt und Neuanlage in den Fokus genommen werden, so die Forderung der Landwirte. Die Folgen der von Bundesumweltministerin Schulze geplanten Unterschutzstellung von artenreichem Dauergrünland sieht Martin Flohrschütz ebenfalls kritisch. Bei der Umsetzung des Aktionsprogramms Insektenschutz müsse Leitlinie sein, dass grundsätzlich alle zur Gewinnung von hochwertigem Futter bewirtschafteten Dauergrünlandflächen - unabhängig von der Weide- und Schnitthäufigkeit - von der Einstufung als gesetzlich geschütztes Biotop ausgenommen bleiben. Auf zusätzliche Vorgaben für Gewässerrandstreifen sei zu verzichten, da hier beim Wasserhaushaltsgesetz erst Bestimmungen erlassen wurden.

Für Martin Flohrschütz ist klar: "Wir fordern die Bundesregierung auf, den Entwurf des Insektenschutzgesetzes, wie es von Bundesumweltministerin Schulze im Herbst 2020 vorgestellt wurde, vor der Befassung im Bundeskabinett am 10. Februar 2021 so zu korrigieren, dass die nachhaltige Landwirtschaft und kooperativer Naturschutz gewahrt bleiben."