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Neustadt bei Coburg

"Bargeldloses Bezahlen ist doch kein Ding"

Die 84-jährige Margot Schulze aus Fürth am Berg verblüfft in Supermärkten die Kassiererinnen mit ihrer Apple-Watch. Überhaupt ist die rüstige Rentnerin absolut up to date. Sie steuert ihren Springbrunnen oder ihre Jalousien per Handy und zockt am Tablet zwischendurch gerne Solitär.
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"Technik-Freak" Margot Schulze präsentiert ihre Apple Watch - damit bezahlt sie beim Aldi, im Toom oder bei Edeka. Foto: Christoph Böger
"Technik-Freak" Margot Schulze präsentiert ihre Apple Watch - damit bezahlt sie beim Aldi, im Toom oder bei Edeka. Foto: Christoph Böger

Christoph Böger Locker lehnt Margot Schulze in ihrem großen Leder-Drehstuhl. Den silbernen Apple-Bildschirm vor der Nase, rechts die Ladestation für ihre Apple-Watch. Dazwischen steht ein schickes Tablet und im Hintergrund läuft direkt neben der großen Bücherwand auf einem überdimensionalen Fernseher ausgerechnet "Bares für Rares". Am linken Handgelenk trägt sie eine digitale Uhr und in der rechten Hand hält die 84-Jährige lässig ihr iPhone 11 pro. Die rüstige Rentnerin kennt sich voll aus, ist quasi up to date!

"Bargeldloses Zahlen ist doch kein Ding. Und schon gar keine Frage des Alters", lacht die reife Frau aus Fürth am Berg. Das mache sie schließlich schon eine ganze Weile. Egal, ob im Internet, in der Edeka, beim Aldi oder Sagasser. "Das funktioniert einwandfrei", sagt sie und empfiehlt jedem, davon Gebrauch zu machen: "Einfacher geht es doch gar nicht. Es ist ganz sicher und bequem. Ich brauche nur noch meine Uhr und mein Handy. Das klappt immer."

Fast immer! Denn einmal hatte Margot Schulze Probleme beim bargeldlosen Bezahlen. Das war beim allerersten Mal. Sie stand an der Kasse im Baumarkt beim Toom und wollte mit ihrer Apple-Uhr bezahlen. Doch so sehr sie ihr Handgelenk auch an das Kartengerät drehte - der Funke sprang in diesem Moment nicht über.

Apple-Fan durch und durch

Margot Schulze blieb wie immer cool und sah, dass das mit der Uhr verbundene iPhone Probleme macht. Die zuvor installierte Gesichtserkennung funktionierte plötzlich nicht mehr! "Ich wollte schon meinen Code eingeben, da bemerkte ich, dass ich ja meine Gesichtsmaske noch auf habe", lacht der Apple-Fan. Sie weiß natürlich, dass es sogar Handys gibt, die trotz Maske den Besitzer zuordnen können. Doch ihr iPhone 11 ist wie neu. "Das habe ich mir ja erst zu Weihnachten gegönnt. Zusammen mit der Uhr." Ihr Sohn Stefan will, dass sie in Corona-Zeiten wenig Kontakt hat, "schließlich bin ich wegen meinem Herz ja ein Risikopatient".

84 Jahre - so wirkt der "Technik-Freak" ganz und gar nicht. Weder optisch, noch was das Know-how betrifft. Im Gegenteil: Margot Schulze verblüfft ihr Gegenüber im Minutentakt. Egal, ob sie mit dem Handy kurzerhand ihren Springbrunnen im Garten steuert - "das Ding muss ja nicht den ganzen Tag dahinplätschern" - oder die Jalousien rauf und runter fährt, das Licht an- und ausknipst - "das kann ich auch von unterwegs regeln" - oder stolz ihre sämtlichen Chip-Karten auf dem Mobiltelefon präsentiert.

Gerade als ihr Tablet piepst und die nächste Karte beim Solitär fordert - "das spiele ich zwischendurch mal ganz gerne" -, ploppt an ihrem Computer oben rechts schon die nächste E-Mail auf. Die im kleinen Neustadter Stadtteil allseits geschätzte Pensionärin ist schließlich noch immer gefragt. Sie engagierte sich in mehreren Vereinen, organisierte noch vor ein paar Jahren den Umbau des Gemeindehauses mit und kümmerte sich viele Jahre um die Vereinskassen. Als Schatzmeisterin des Obst- und Gartenbauvereins oder im Burgverein hatte sie viele Jahre auch mit Scheinen und Münzen zu tun - bargeldloses Zahlen war da noch nicht angesagt.

Auch heute rollt der Rubel noch regelmäßig im Haus Schulze, zumindest in der Mittagspause, wenn Horst Lichters "Bares für Rares" über den Bildschirm flackert.

Bares für Rares...

Gerade zückt ein Händler sechs braune Scheine und zählt sie langsam und einzeln für eine gläserne Pralinenschale dem Verkäufer vor. Wie umständlich ...