Mülldeponien, vor allem für Hausabfälle gehörten früher zu fast jedem Dorf. Viele wurden später einfach mit Erde überdeckt. Der Müll blieb wo er ist - bis heute. Den Umweltsenat des Neustadter Stadtrats beschäftigen derzeit zwei solcher Deponien intensiv. Eine davon ist die zwischen Kompostplatz und Rottenbachteich, die andere ist die an der Grenze zu Thüringen hinter Wildenheid.

Frank Röser von der Bauverwaltung erläutert den Sachstand. Demnach wurde die Deponie am Rottenbachteich, eine ehemalige Sandabbaustelle, in den Jahren zwischen 1964 und 1973 durch die Stadt Neustadt betrieben. Zu den bis dahin abgelagerten Bauschuttmengen, Hausmüll und "produktionsspezifischem" Müll, wie es die Sitzungsvorlage des Senats ausweist, kam mehr: "Nach Schließung der Deponie wurden etliche Autowracks abgeladen und ausgebrannt", informierte Frank Röser den Senat.

Später wurde bis in die 80er Jahre hinein Mutterboden und Klärschlamm aus der Flusskläranlage Wildenheid dort ausgebracht. Die Deckschicht ist allerdings nur etwa 20 Zentimeter dick. "Von einer Wasser zurückhaltenden Deckschicht kann nicht ausgegangen werden", stellte Frank Röser klar.

Auf etwa enthaltene Altlasten hin wurde das Gebiet erstmals 1997 untersucht. Der Verdacht erhärtete sich. Vertreter des Landesamtes für Umwelt und der Regierung von Oberfranken führten Ortsbegehungen durch. 2014 wurde die Stadt Neustadt schließlich zu einer Detailuntersuchung aufgefordert. 2015 und 2016 wurde diese durchgeführt. Eine Grundwassermessstelle soll zudem klären, in welche Richtung sich das Wasser in der Erde bewegt. Es wurden Bodenproben und Bodenluftproben entnommen.

Eine Gefahr für Menschen konnte nach derzeitigem Kenntnisstand nicht festgestellt werden. Anders beim Grundwasser. "Eine abschließende Gefährdungsabschätzung ist jedoch vor allem auf Grund der unvollständigen Erfassung des Grundwasserstroms derzeit nicht möglich", heißt es in Frank Rösers Bericht. Noch kann keine Belastung des Wassers im Teich nachgewiesen werden. Weitere Untersuchungen durch zusätzliche Messstellen sollen das Riskio klären. Das kostet voraussichtlich rund 32 000 Euro. Sollte sich herausstellen, dass die Deponie eine Gefahr darstellt, sind verschiedene Schutzmaßnahmen denkbar. Sie reichen von einer dichten Abdeckung bis zur Beräumung und Entsorgung des gesamten eingelagerten Materials, was mit hohen Kosten verbunden wäre. Die Untersuchungsergebnisse sind abzuwarten.

Deponie Wildenheid

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Entwarnung konnte Frank Röser auch in seinem Bericht zur Deponie Wildenheid noch nicht geben. Diese wurde erst 1991 stillgelegt. Das Untersuchungsverfahren ist bereits bis zu einer Detailuntersuchung mit Baggerschürfen, Rammkernsondierungen, Kernbohrungen und Grundwassermessstellen vorangebracht worden. Der Abschlussbericht lag im vergangenen Jahr vor.

Demnach muss von einer Ablagerungsmenge in der Größenordnung zwischen 40 000 und 60 000 Kubikmetern ausgegangen werden. "In den niedergebrachten Aufschlüssen zeigte sich eine Auffüllung aus Erdaushub mit wechselnden Anteilen an Ziegel- und Betonbruch, bituminösen und teerigen Schwarzdecken sowie Dachpappe, asbesthaltiger Welleternit, Produktionsrückstände der Porzellanherstellung wie Gipsformenbruch, Weißschlamm, Schamotte, Stoffreste, Fußbodenbeläge, Metall, Dosen, Plastik, Fliesen und Glas, Holz, Wurzelreste und Spanplattenresten", heißt es im Bericht.

Wie sich bei der Untersuchung herausstellte bewegt sich das Grundwasser in dem Gebiet in die entgegengesetzte Richtung wie das oberflächennahe Wasser, nämlich nach Nordosten. Es wurden Belastungen mit Schwermetallen festgestellt. Zudem wurden Mineralölkohlenwasserstoffe angetroffen. Nüchterne Bilanz in Frank Rösers Bericht: "Eine Ausräumung der Gefährdung des Schutzgutes Grundwassers im Abstrom der ehemaligen Deponie durch polyzyklische aromatische Kohlenwasserstoffe (PAK) und Zink ist nicht gesichert möglich, da für diese Parameter zeitweise eine erhebliche Grundwasserverunreinigung festgestellt wurde." Es sind weitere Untersuchungen nötig.

Die Verwaltung bleibt weiter in Kontakt mit der Gesellschaft für Altlastenbeseitigung (GAB), um etwa mögliche Förderung zu klären, wenn Kosten für weitere Untersuchungen und möglicherweise auch hier eine Abdichtung oder Räumung der Deponie anfallen.

Frühere Sünden

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Oberbürgermeister Frank Rebhan (SPD) zeigte sich verärgert, was die Belastung der Deponien angeht. Nicht alles, was heute dort festgestellt wurde, hätte damals dort eingelagert werden dürfen. "Es gab auch damals Regeln, was dort hin darf und was nicht", Sagte Frank Rebhan. Und: "Ich wünschte wir könnten heute noch Verantwortliche zur Rechenschaft ziehen, doch das ist nach so langer Zeit schwierig."