Ölpumperfest: Gemeinde feiert für ein Denkmal

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Die Schauspieler präsentierten ein stimmungsvolles Theaterstück über John Weberpals und seine Bedeutung für Redwitz. Thomas Micheel
Die Schauspieler präsentierten ein stimmungsvolles Theaterstück über John Weberpals und seine Bedeutung für Redwitz. Thomas Micheel

Viele Redwitzer Vereine haben auch dieses Jahr an einem Strang gezogen, um mit dem Ölpumperfest gemeinsam eine Veranstaltung auf die Beine zu stellen, die Tradition und Gemeinschaftssinn vereint. Umso mehr gewinnt das Fest an Bedeutung, da der Erlös wiederum zu 100 Prozent der Gemeinde zugute kommt. Das erste große Ziel ist mit der Errichtung einer Ölpumper-statue als bleibendes Denkmal für die Geschichte von Redwitz bereits gesteckt.

Am Nachmittag ging es im Bürgerhaus mit Kaffee und Kuchen los. Zugleich wurden auf dem Marktplatz für die kleinen Besucher Kinderspiele angeboten.

Später gab es vom Rost die begehrten Bratwürste und Ölpumper-Steaks von Alfred Kalis sowie Pommes als auch weißen Käs .

Das diesjährige Theaterstück widmete sich einem außergewöhnlichen Menschen: John Weberpals. Thilo Hanft erzählte vorab in einem Vortrag von dessen Leben und seinen Verdiensten für die Gemeinde Redwitz.

Johann Weberpals (Jahrgang 1885) wuchs in ärmlichen Verhältnissen auf. Er erlernte schon in jungen Jahren das harte Handwerk des Korbmachens. Wie viele andere junge Leute sah er seine Zukunft nicht in Redwitz. Kurz nach der Jahrhundertwende packte er seinen Koffer und verließ sein Heimatdorf Redwitz für immer und geht nach New York.

Nach vielen Stationen wohnte John Weberpals 1918 im Stadtviertel Sutton Place unweit des East River, heute eine exklusive Wohngegend Manhattans und arbeitete dort als Kellner.

Während der Weltwirtschaftskrise Anfang der 1930er Jahre legte er einen Teil seiner Ersparnisse in Aktien an, die in der Folgezeit im Kurs stiegen und ihn zu einem wohlhabenden Mann machten.

Doch trotz seines Vermögens führte Johann Weberpals ein sparsames und bescheidenes Leben. Er arbeitete weiterhin als Kellner und war in den 1930er Jahren in die US-Hauptstadt Washington D.C. umgezogen.

1940 setzte er sich zur Ruhe. Da er weder Frau noch Kinder hatte, beschäftigte er sich schon frühzeitig mit seinem Nachlass und verfasste schließlich im Oktober 1958 sein Testament .

Johann Weberpals genoss seinen Lebensabend ca. 100 Kilometer von Washington entfernt in einem kleinen, selbstgebauten Holzhaus in Cove Point Beach - unweit einer der schönsten Sandstrände der Chesapeake Bay. Hier starb er am 1. März 1967 im Alter von 82 Jahren.

Den Ort seiner Kindheit – Redwitz - hatte er dabei nie vergessen. Zu stark waren die Erinnerungen an die Eltern und die Armut, in der die Familie lebte. Dies mag ihn dazu bewogen haben, den Großteil seines Vermögens seiner Heimatgemeinde Redwitz zu hinterlassen. Die einzige Bedingung: Das Geld müsse dem Bau eines Altenheims dienen.

Insgesamt wurde der Gemeinde im Zeitraum von 1969 bis 1972 in Teilbeträgen die stolze Summe von rund 1,5 Millionen D-Mark angewiesen.

Nach einer längeren Planungsphase konnte am 16. Juli 1976 in Redwitz - ganz im Sinne des Erblassers - der Grundstein für die John-Weberpals-Wohnanlage gelegt werden. Die Fertigstellung erfolgte im Juni 1978.

Zum Dank für diese außergewöhnlich hohe Spende wurde eine Straße nach John Weberpals benannt, die noch heute an den Gönner erinnert.

Welche Freude mit dieser Erbschaft verbunden war, ganz besonders als die frohe Botschaft Redwitz erreichte, zeigte das Theaterstück, geschrieben und inszeniert vom Redwitzer Liedermacher Franz Wachter. Dieses war gespickt mit Anekdoten und was in Redwitz geschehen ist - oder auch nicht. Denn wie ein Lauffeuer hatte sich das Vermächtnis in der Gemeinde herumgesprochen, viele wollten daran Anteil haben.

Altbekannte Redwitzer Persönlichkeiten zu dieser Zeit wurden in Szene gesetzt und ließen bei den Zuschauern Erinnerungen aufkommen. Gekleidet waren die Schauspieler wie in den 1970er Jahren. Beifall bestätigte immer wieder die Leistung der Schauspieler . Wachter stellte diese nach der Aufführung namentlich vor.

Mit stimmungsvoller Live-Musik heizte die Band „Ölpumper-Trio“ anschließend den Besuchern ein.

Bis in die Nacht hinein saßen die Gäste beisammen und genossen die harmonische Atmosphäre.  che