„Norisring ist das Herz der DTM“

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DTM-Kommentator Tobias Schimon im Fahrerlager des Norisrings – dort, wo alles für ihn angefangen hat. Tobias Ebner
DTM-Kommentator Tobias Schimon im Fahrerlager des Norisrings – dort, wo alles für ihn angefangen hat. Tobias Ebner

Warum der Stadtkurs einen besonderen Stellenwert bei Kommentator Tobias Schimon genießt

Die DTM-Rennen am Nürnberger Norisring sind nicht nur für BMW-Werksfahrer Marco Wittmann und dessen Sponsor Schaeffler das Heimspiel. Auch Tobias Schimon, der die Übertragungen für TV-Partner ProSieben kommentiert, stammt aus der Metropolregion.

Für den 41-jährigen aus Nürnberg hat der Jahreshöhepunkt im DTM-Kalender einen ganz besonderen Stellenwert. Was dahinter steckt, wie er sich in seiner neuen Rolle eingefunden hat, und wie wichtig Lokalmatador Wittmann ist, erklärt er im exklusiven Interview.

Herr Schimon, Norisring ist für Sie ein ganz spezielles Rennen. Hier hat alles angefangen, nicht wahr?

Tobias Schimon: Richtig! Das war mein erster, auch arbeitstechnischer Besuch bei der DTM. Damals war ich noch Praktikant bei Sport1. Und jetzt, 17 Jahre später, hier kommentieren zu dürfen, ist einfach überragend. Das ist ein sehr besonderer Ort für mich. Ein echtes Heimspiel: Ich bin nur 20 Kilometer von hier entfernt aufgewachsen – einfach mega!

Was macht denn den Norisring so speziell – auf der Strecke als auch abseits davon?

Also erst einmal ist der Norisring das Herz der DTM. Hier kommen fast 120.000 Motorsportfans hin. Das ist ein ganz besonderer Stadtkurs. Auf dem Papier stehen zwar fünf Kurven, aber ich bleibe dabei: Eigentlich sind es nur vier. Die Strecke sieht zunächst sehr einfach aus, setzt fahrerisch aber absolute Perfektion voraus. Ich glaube, das ist auch das, was die DTM von allen anderen Rennserien unterscheidet: Es muss einfach alles bis auf das letzte Bisschen perfekt laufen, damit du hier erfolgreich sein kannst. Bei so einer kurzen Strecke wird dir kein einziger Fehler verziehen. Es kommt wirklich auf die sprichwörtliche „letzte Rille“ an, die man perfekt erwischen muss. Nur dann kann man hier erfolgreich sein.

Normalerweise kommt diese Frage immer erst ganz zum Schluss, aber um den Themenblock Norisring abzurunden: Haben Sie eine spezielle Anekdote auf Lager?

Ja, tatsächlich! Als ich damals Praktikant war, war ich noch so unerfahren, dass ich versucht habe, mich von der falschen Seite ins Fahrerlager durchzuschlagen. Ich bin quasi bei der Dutzendteichkehre angekommen. Eigentlich sind es von dort nur gefühlte 20 Meter quer durchs Fahrerlager. Da darfst du aber natürlich nicht durchgehen, wenn die Sessions laufen. Das hieß für mich: Ich musste einmal komplett auf die Gegenseite rüber, vorbei an den Schienen und den ganzen Campern, unter dem Tunnel durch und erst dann kam ich rein. Am Ende bin ich eine halbe Stunde zu spät gekommen und habe einen riesigen Einlauf von meinem Chef kassiert.

Inzwischen ist das für Sie das vierte Rennwochenende als TV-Kommentator für ProSieben. Müssen Sie sich manchmal noch kneifen oder fühlt es sich mittlerweile real an?

Inzwischen habe ich es langsam realisiert. An den ersten beiden Wochenenden musste ich mich erst einmal orientieren und schauen, wo die Tür rein- und rausgeht. Das war gar nicht so einfach. Wo bekomme ich meine Informationen her? Mit wem kann ich wann sprechen? Wie genau laufen die Prozesse ab? Ich bin jetzt schließlich Teil eines viel größeren Teams als früher. Das war anfangs durchaus eine Herausforderung. Aber im Grunde versucht mir hier jeder zu helfen – egal ob von Seiten der Fahrer, der Teams, des ADAC oder von ProSieben. Deshalb ist der Einstieg wirklich gut gelungen, es macht unglaublich viel Spaß und seit dem Saisonauftakt kann ich es auch so richtig genießen.

Hat sich durch die neue Rolle auch Ihr Standing intern ein bisschen verändert?

Ja, schon. Ich merke einfach, dass ich jetzt ein fester Teil dieses Hauptteams bin. Das ist eine coole Geschichte, weil mir jeder unter die Arme greift, mir hilft und Türen öffnet. Es macht großen Spaß, das mitzuerleben und noch enger mit Andrea Kaiser und Matthias Killing zusammenzuarbeiten. Das sind zwei absolute Vollprofis, von denen ich enorm viel lernen kann. Ich glaube aber auch, dass ich im Gegenzug manchmal etwas tiefer bohre als früher. Aber genau das ist unser Anspruch sein: Wir wollen den Zuschauern nicht nur sagen, wer als Erster ins Ziel kommt, sondern auch warum.

Mit Marco Wittmann ist natürlich wieder der „Local Hero“ am Start. Was trauen Sie ihm noch zu? Er liegt als Gesamtvierter ja aktuell ziemlich gut im Rennen …

Marco ist ein echtes Phänomen. Egal, was in der Vergangenheit beim BMW vielleicht mal nicht so optimal geklappt hat – er war trotzdem immer stark. Diese Konstanz kann man nicht lernen, das ist reine Erfahrung und schieres Können. Und ich glaube, speziell hier vor diesem Heimpublikum hat er definitiv noch eine Rechnung offen.

Nach seinem letzten Sieg hier im Jahr 2018 hat er ja selbst gesagt, dass er diesen Erfolg fast höher einschätzt als seine beiden Meistertitel. Ich traue ihm an diesem Wochenende extrem viel zu – und auch für den Rest der Saison. Er wird bis zum Ende strategisch und schlau mitmischen, um am Finalwochenende vielleicht um den Titel zu kämpfen.

Sie kommen ja selbst aus Nürnberg. Wie wichtig ist es für die Fans aus der Stadt und aus der Metropolregion, hier so einen starken Lokalmatador anfeuern zu können?

Das ist natürlich Gold wert! Wenn die Tribüne aufgemacht wird, steht da sofort wieder die „Green Wall“. Er hat seinen eigenen Fanclub hier, der MCN (Motorsport Club Nürnberg; Anm. d. Red.) drückt ihm fest die Daumen und die ganze Region fiebert mit. Es ist extrem wichtig, die Menschen aus der Region an die Strecke zu holen, damit sie mitfiebern und Spaß haben.

Das Interview

führte Tobias Ebner.