Wenn Andreas Dreitz am Sonntag bei der Challenge Roth in den Main-Donau-Kanal springt, ist das der Anfang seines letzten Kapitels, das der Triathlon-Profi schreibt. Der 37-jährige aus dem oberfränkischen Michelau stammende Dreikämpfer misst sich noch einmal mit der Weltelite, die zahlreich in das mittelfränkische Mekka des Triathlons kommt.
Angesagt hat sich ein Weltklassefeld. Das sind neben dem Dänen Magnus Ditlev, der sich am vergangenen Sonntag beim verkürzten Ironman Frankfurt sein WM-Ticket für Hawaii gesichert hat, Kristian Blummenfelt, Patrick Lange, Sam Laidlow, Jonas Schomburg und viele weitere Topstars.
Dass er bei dieser Konkurrenz noch um einen Treppchenplatz kämpfen kann, glaubt Dreitz selbst nicht. „Ich glaube aber, dass ich stark sein kann, ein gutes Rennen abliefern und schneller sein kann, als ich jemals in Roth gewesen war“, sagte der 37-Jährige wenige Tage vor seinem Heimrennen. Der inzwischen in Nürnberg lebende Profi bekommt in Franken natürlich Unterstützung von seiner Verlobten Isabel und dem eineinhalbjährigen Sohn Moritz sowie von vielen Verwandten und Freunden an der Strecke. „Das gibt eine ganz andere Motivation“, weiß der Michelauer.
Den Heimvorteil nutzt Dreitz und wird in der Nacht zum Renntag noch im eigenen Bett schlafen. „Die halbe Stunde Fahrt zum Start ist nichts“, meint er. Zwar wird er für den Start um 6.30 Uhr in Hilpoltstein kurz nach 3 Uhr aufstehen müssen, doch das nimmt er gerne in Kauf.
Dreitz macht wenige Tage vor seinem letzten Langdistanz-Rennen einen extrem gechillten Eindruck. Anspannung, Kribbeln oder gar Wehmut komme bei ihm nicht auf. „Entspannung, Dankbarkeit und Vorfreude, auf alles was kommt“, nennt er auf die Frage, wie es ihm gehe. „Ich hatte eine erfüllte Karriere mit Höhen und Tiefen“, blickt er schon ein wenig zurück. Sein Fokus gilt indes dem Rennen am Sonntag, auf das er sich im letzten Trainingsblock in den Bergen ohne Familie vorbereitet hat.
Die Strecke in Roth hat er schon frühzeitig besichtigt und abgefahren. Er kennt sie bei seiner sechsten Teilnahme in Mittelfranken zwar aus dem Effeff, doch der akribische Profi weiß, dass er die Route mit allen Bike-Service- und Versorgungsstationen im Kopf haben muss, und will auf alle Eventualitäten wie Defekte vorbereitet sein.
Dreitz hatte in den vergangenen Tagen noch Sponsoren-Termine auf der Triathlon-Messe am Donnerstag und Freitag und den Check-in für das Rad und die persönliche Verpflegung. Ob es bei seinem Abschiedsrennen in Roth noch besondere Ehrungen für ihn geben wird – Dreitz siegte 2019 in Roth –, wisse er nicht. „Ein bisschen was wird wohl gehen“, meint er mit fränkischer Gelassenheit. Im Tri-Rating ist Dreitz, der an der Startnummer 10 und am blauen Rennanzug erkennbar ist, zwar nur auf Platz 13 eingestuft, doch mit der Unterstützung der Fans könnte ein Top-Ten-Rang herausspringen.