Inklusion auf dem Karussell: Kinder mit und ohne Behinderung drehen sich im Kreis und zaubern ein Lächeln in das Gesicht eines Mädchens, das an diesem Vergnügen nur im Rollstuhl sitzend teilnehmen kann. Derweil bringen sich fröhliche Knirpse auf der Pendelschaukel „Kokoswelle“ in Schwung. Oder sie trainieren logisches Denken, Empathie, ihre sozial-emotionalen Fähigkeiten auf der „Supernova“, einem großen, schräg gestellten und sich drehenden Ring mit vielen unterschiedlichen Herausforderungen. Wieder andere erobern die 3-Turm-Spielanlage mit Kletter- und Spielelementen, einer Spiralrutsche und schwankendem U-Netz. Und gleich daneben werfen Spieler mit oder ohne Handikap auf dem Street-Basketballfeld den Ball in den Korb.

Ein „Luxusangebot“

Das alles und mehr – zum Beispiel auch einen befahrbaren Gummiboden, der vor Sturzverletzungen schützt – bietet der neue inklusive Spielplatz in der Regnitzau. Landrat Johann Kalb ( CSU ) sah in dem von mächtigen Bäumen gesäumten Areal ein „Luxusangebot“, als das nun vollendete Gemeinschaftswerk offiziell seiner Bestimmung übergeben wurde.

Hirschaid verfügt wohl als bislang einzige Gemeinde im Landkreis über einen derart universell möblierten Spielplatz. Er darf gerne als Musterbeispiel dienen und sollte zum Anschauungsobjekt werden für Kommunalpolitiker und Landschaftsplaner , die allen Kindern ihrer Gemeinden ein freies Spielerlebnis bieten möchten, auch denen mit bewegungsmotorischen oder geistigen Defiziten. Hier lernen Kinder , Spielgeräte fantasievoll zu nutzen. Gleichzeitig entwickeln sie dabei kognitive und soziale Kompetenzen. Bitter nötig in einer Zeit der Vereinsamung und Degeneration an Spielkonsolen und digitalen Endgeräten aller Sorten.

In für ihn typischer Offenheit gestand Bürgermeister Klaus Homann ( CSU ), dass dieses Projekt zuvörderst der Aufmerksamkeit seiner Mitbürgerin Katrin Müller zu verdanken ist. Die hatte auf Facebook die Auslobung eines wertvollen inklusiven Spielplatzes entdeckt und zur Beteiligung gedrängt. Im VereinNetzwerk e. V. fand sich der freigemeinnützige Träger, dem es schließlich gelang, aus zahlreichen Bewerbungen den Standort Hirschaid durchzusetzen. Und das lohnte sich, winkte doch ein finanzieller Beitrag in Höhe von 80 000 Euro zu Gesamtkosten von rund 100 000 Euro: ein gelungenes Kooperationsprojekt „Stück zum Glück“ zwischen Rewe , Procter & Gamble sowie der „Aktion Mensch“.

Gelungenes Gemeinschaftsprojekt

Beim Kauf bestimmter Konsumgüter des amerikanischen Riesenkonzerns in den deutschen Rewe-Märkten wurde dieser Betrag centweise zusammengetragen und am Familienstützpunkt Hirschaid in Form eines Glanzstücks an Spielplatzplanung, hochwertiger, recycelbarer Materialien in ausgewählten Kompan-Spielplatzgeräten in die Regnitzau gesetzt. Der gemeindliche Bauhof leistete dabei gute Arbeit; Spielplatzpate Horst Wende sowie Regnitzauer Marktgemeinderäte dienten mit Rat und Tat. Und der Verein Netzwerk übernahm die Geschäftsführung. Allen Beteiligten riefen die kleinen und großen Gäste ein lautes „Daaaaaanke“ zu.

Wie einst Jesus im Gelobten Land stellten Pfarrer Eckhard Mattke und Pastoralreferent Rudolf Brunner die Kinder – „... solchen gehört das Himmelreich ...“ – in den Mittelpunkt ihrer Betrachtung. Mit dem „Vater unser“ empfahlen die am Ferienbeginn zahlreich versammelten Hirschaider ihren Nachwuchs in die schützenden Hände des Allmächtigen.

Beim Wurstschnappen zum Schluss der Feierstunde fiel dann aber doch noch ein Defizit auf: Es mangelt dem schon seit Jahren mit Seilbahn , Rutsche und Großgrill ausgestatteten Spielgelände nahe dem Kindergarten St. Johannis eine Art Hygiene-Tempel ... Was dafür fehlt? So um die 50 000 Euro.