Wegen der Pandemie feierte Vera Schlegel in Schlüsselfeld ihren 90. Geburtstag im engsten Familienkreis.

Die Wiege der Jubilarin stand einst in Tiefenbrunn in der Ukraine. In dem Dorf verbrachte sie mit drei Geschwistern ihre Kindheit. In den Wirren des Zweiten Weltkriegs wurde die Familie auseinandergerissen und Vera wurde zusammen mit ihrer Mutter über Weißrussland bis nach Polen gebracht. Bis 1945 lebten sie in Polen und wurden auch eingebürgert. Als die russische Armee in Polen einmarschierte, mussten sie nach Kasachstan. Als „Deutschstämmige“ durften sie bis 1956 ihren Wohnort nicht verlassen und mussten sich regelmäßig bei den Behörden melden.

Vera Schlegel arbeitete zunächst als Putzfrau, besuchte dann in die Abendschule und bekam Arbeit als Sekretärin. Später erlernte sie den Beruf der Näherin, den sie bis zur Rente ausübte.

Nach Deutschland ausgereist

Im März 1989 reiste sie mit ihrem Mann und zwei ihrer drei Kinder sowie deren Familien nach Deutschland aus. Ein Sohn kam ein halbes Jahr später nach. Durch ihren Bruder , der seit dem Krieg in Bamberg lebte, kam die Familie nach Aschbach. Dort wurden sie von Adalbert und Emma Seeger, wie auch von den Nachbarn herzlich aufgenommen. Aschbach und später Schlüsselfeld sei ihrer Familie zur zweiten Heimat geworden, sagt die Tochter der Jubilarin. Ihre Mutter sei geistig noch sehr fit und vielseitig interessiert. Sie löse gerne Sudoku und Kreuzworträtsel. Außerdem verfolge sie täglich die Nachrichten, erfreue sich an deutschen Schlagern und Sportübertragungen wie Fußball, Biathlon und Skispringen. Zum runden Geburtstag gratulierten sieben Enkel- und zwölf Urenkelkinder. Geburtstagswünsche erreichten die Jubilarin vom Ministerpräsidenten Söder, von Landrat Hans Kalb und Bürgermeister Johannes Krapp. see