Die Stadt Bamberg und die Israelitische Kultusgemeinde Bamberg veranstalteten auch dieses Jahr wieder am Abend des 9. November eine Gedenkfeier an die Reichspogromnacht am Synagogenplatz.

Oberbürgermeister Andreas Starke ( SPD ) erinnerte an die schrecklichen Ereignisse und mahnte: „Das Geschehen vom 9. November 1938 kann und darf nicht in Vergessenheit geraden. In jener Nacht stand hier die Bamberger jüdische Synagoge in Flammen. Wir kennen das leider auch zu aktuellen Ereignissen, dieses Ignorieren, diesen Mangel an Zivilcourage, obwohl andere Hilfe und Unterstützung brauchen.“

Der Oberbürgermeister erinnerte daran, dass Bamberg auf mehr als 1000 Jahre jüdisch-christliches Zusammenleben blicke und zur Heimat einer der ältesten jüdischen Gemeinden Deutschlands geworden sei. Dann verwies er auf die Initiative „#WeRemember“, durch die die Synagoge mit Hilfe von 3-D-Brillen erfahrbar gemacht wurde. „Wir wollen es nicht hinnehmen, dass jüdische Synagogen für immer und ewig von der Polizei geschützt werden müssen. Wir wollen auch nicht übersehen, dass es einen neuen Antisemitismus gibt. Er zeigt sich aktuell unter anderem in den Verschwörungsmythen zur Corona-Pandemie“, so Starke. Große Verantwortung komme deshalb den Schulen zu, folgerte Starke. Er schloss: „Wir wollen streiten, gemeinsam, gegen jede Form von Antisemitismus .“

Martin Arieh Rudolph, der Erste Vorsitzende der Israelitischen Kultusgemeinde Bamberg erinnerte an die Wiedergründung der jüdischen Gemeinde 1951 und den Bau des Gemeindezentrums 2005. Dann kritisierte er die zunehmende Ablehnung der Juden und anderer Minderheiten und beklagte mangelnde Sensibilität. Sie habe sich gezeigt bei der Verlegung von Stolpersteinen für die Sintifamilie Seeger. Die Veranstaltung war von der Vereinigung der Verfolgten des Naziregimes/Bund der Antifaschisten Bamberg unter ihrem Vorsitzenden Günter Pierdzig veranstaltet worden. Wie dieser beklagte auch Rudolph die Abwesenheit der Stadtspitze und der Fraktionsvertreter.

Schüler des Franz-Ludwig-Gymnasiums berichteten über das erschütternde Leben eines ehemaligen Bamberger jüdischen Schülers. Die schulischen Vertreter des Eichendorff-Gymnasiums verlasen die Namen ehemaliger jüdischer Mitschüler. Schülerinnen der Maria-Ward-Realschule verlasen die Namen der letzten aus Bamberg deportierten jüdischen Mitbürger.