„Erst einmal im Leben ankommen“

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Elisa Tartler macht Schluss. Wobei das Ende auch ein Anfang sein soll. „Im Leben ankommen“, will die noch in Berlin lebende Bogensportlerin aus dem unterfränkischen Hetzlos, die mit dem Recurvebogen seit vielen Jahren zu den Besten ihres Fachs gehört. An diesem Wochenende steht die 27-Jährige noch einmal im Rampenlicht: Bei den Deutschen Einzel-Meisterschaften in Wiesbaden, wo die Nationalkader-Athletin für den Schützenverein Bavaria Thulba antritt.

Verkündet haben Sie Ihr Karriere-Ende in Form einer aufwändigen Instagram-Story. Es scheint so, als hätten Sie sich im Vorfeld dazu sehr viele Gedanken gemacht.

Elisa Tartler: Erst einmal hat es gedauert, meine wilde Ansammlung von Fotos auf dem Handy zu sichten und die passenden Motive zu finden. Und dabei kommen natürlich viele Erinnerungen an all die schönen Erlebnisse. Bis alles fertig war, gingen schon ein paar Tage ins Land. Und es gab ja zusätzlich noch eine englische Version.

Wie waren die Reaktionen auf Ihre Instagram-Story?

Weil ich mit dem Auto auf dem Weg in die Heimat war zur Hochzeit meines Cousins, bekam ich fünf Stunden nichts mit. Danach waren es schon deutlich über 50 Kommentare und über 1000 Likes für die zugegeben nicht gerade kurze Story. Jetzt sind es längst über 100 Kommentare, die zum Teil sehr emotional sind. Das alles hat mich krass überbewältigt. Und ich habe Zeit gebraucht, mich einzulassen auf das, was die Leute mir da geschrieben haben. Vorneweg meine Familie, ohne die all die Erfolge nicht möglich gewesen wären. Und meine Mama war und ist eh mein größter Fan.

Jetzt also noch mal Deutsche Meisterschaften zum Abschluss. Mit welcher Erwartungshaltung gehen Sie in Ihren letzten Wettkampf mit Schüssen auf eine in 70 Meter Entfernung stehenden Scheibe?

Natürlich mit Ehrgeiz, schließlich bin ich seit 15 Jahren, als ich in den Landeskader aufgenommen wurde, Leistungssportlerin. Aber ich will das Wochenende auch genießen. Zusammen mit Menschen, die den Bogensport ebenso lieben wie ich. Und klar, eine Medaille zum Abschluss wäre natürlich super. Emotional wird es in jedem Fall. Meine Mutter wird vor Ort sein, auch mein Verlobter Max. Und es gibt noch eine Ehrung für den Gewinn unserer Team-Goldmedaille bei der EM in diesem Jahr.

Wie geht es ab Montag für Sie weiter? Noch leben Sie mit Ihrem Verlobten in Berlin und sind beruflich Kommissarin bei der Bundespolizei .

Einer meiner Brüder , der ein Konzert in Berlin besucht, wird im Lauf der Woche bei mir vorbeischauen. Ab dem 20. September geht es dann in den Urlaub, und zwar mit meinem Partner nach Ägypten in den „Club der Besten“, was mir die Deutsche Sporthilfe ermöglicht. Auch die anderen Team-Europameister mit dem Recurvebogen werden samt Partnern dabei sein. Was dann kommt, steht in den Sternen. Beruflich werde ich die Dienststelle bei der Bundespolizei wechseln. Wohin, da bin ich selbst gespannt.

Was waren die Beweggründe für Ihr Karriere-Ende?

Es gab sicher nicht den einen Grund, der über allem steht. Das war vielmehr ein schleichender Prozess, der sich über mehrere Jahre hinzog und seinen Anfang wohl im Jahr 2021 nahm, als ich die Olympischen Spiele in Japan verpasst habe. Noch viel knapper war es dann bei Olympia in Paris drei Jahre später. Da hatte ich schon Schwierigkeiten, mich zu motivieren. Im Training war der Spaß da, die Wettkämpfe waren aber nicht so einfach. In diesem Jahr hatte ich mir vorgenommen, noch einmal alles zu geben. Um dann zu entscheiden, ob ich weitermache. Aber je mehr Wettkämpfe ich schoss, desto schwieriger wurde es für mich. Und das, obwohl ich in diesem Jahr ja mit der Mannschaft in der Türkei Europameisterin wurde. Auch wenn es sich seltsam anhört: So richtig Spaß hatte ich dennoch nicht. Zwei Wochen später fand der Weltcup ebenfalls in Antalya statt. Spätestens da habe ich gemerkt, dass der Sport nichts mehr in mir auslöst. Der Gedanke, die Karriere zu beenden, ist da endgültig gereift.

Titel und Medaillen pflastern Ihre Karriere. Auf welche Erfolge sind Sie im Rückblick besonders stolz?

Natürlich auf den Gewinn der Europameisterschaft in diesem Jahr mit der Mannschaft in Antalya. Oder die Bronzemedaille im Einzel bei den World Games 2022 in den USA. Oder die dritten Plätze mit dem deutschen Team bei den Weltcups in Südkorea und China, ebenfalls im Jahr 2024. Da fand auch die Heim-Europameisterschaft in Essen statt, als ich mit der Mannschaft Bronze gewann. Das war schon ein krasses Gefühl, wenn auf der Tribüne gefühlte 80 Prozent der Zuschauer das deutsche Team unterstützen. Nicht unterschlagen will ich aber die vielen Titel bei nationalen Meisterschaften, das müssten inklusive der Teamwertung über zehn gewesen sein.

Auf Vereinsebene schießen Sie für die BSG Ebersburg. Ist dort ebenfalls Schluss?

Ja, aber erst im Februar nach Ende der Bundesliga-Runde. Dann will ich vom Bogensport erst einmal Abstand gewinnen. Was dann kommt? Das steht in den Sternen. Vielleicht werde ich mich als Trainerin irgendwann einmal um den Nachwuchs kümmern. Aber erst will ich im Leben ankommen.

Werden Sie ein Sportgerät zur Erinnerung an Ihre Karriere behalten?

Ich werde sogar zwei Bögen als Andenken behalten. Und natürlich kann es sein, dass ich irgendwann mal irgendwo auch schieße. Ich hänge vor allem an dem schwarz-goldenen Bogen, mit dem ich die Europameisterschaft gewonnen habe.

Interview: Jürgen Schmitt