Deutschland hat ein Geburtenproblem. Im vergangenen Jahr kamen so wenige Kinder zur Welt wie seit 1946 nicht. Dass Familienministerin Prien ausgerechnet Einschnitte beim Elterngeld plant, ist eine Frechheit. Und noch dazu ist es eine familienpolitische Kapitulation.
Natürlich ist es an der Zeit, das Elterngeld nach fast 20 Jahren zu reformieren. Dass der monatliche Höchstbetrag um 100 Euro angehoben wird, ist bitter nötig. Und es ist im Sinne der Gleichberechtigung, wenn der Elterngeld-Bezug stärker daran geknüpft wird, dass sich beide Partner die Betreuung gerechter aufteilen – also, dass Mutter und Vater mindestens drei Monate berufliche Auszeit nehmen. Das Elterngeld ist keineswegs eine bezahlte Auszeit für Mütter und Väter. Es ist ein Instrument der Gleichstellung. Am Ende aber ist diese Reform für Eltern nichts als ein Minusgeschäft: Weil ihnen künftig deutlich weniger Geld bleiben wird, wenn das Elterngeld nur noch zwölf statt bisher 14 Monate gezahlt wird. Dabei hat die Bundesregierung jungen Menschen im Koalitionsvertrag versprochen, ihre Familienplanung zu verbessern.
Dass in einer Zeit, in der über fehlende Fachkräfte, die Rentenlücke und schrumpfende Bevölkerung geklagt wird, ausgerechnet bei den Familien gespart wird, die die Zukunft des Landes sichern sollen, ist bitter.