Michael Memmel

Da staunte Heinrich Uske nicht schlecht, als er von seinem Sohn am Montagnachmittag zum lange ersehnten Impftermin gefahren wurde: Vor dem Impfzentrum in der Brose-Arena hatte sich bei niedrigen Temperaturen eine stattliche Schlange gebildet. "Mindestens 70 Leute sind da gestanden", schätzt der 80-Jährige, der sich trotzdem erstmal einreihte und wartete. Nach einer Viertelstunde sei dann ein Mann rausgekommen und hätte den direkt vor der Tür Stehenden gesagt, dass sie in ungefähr 30 Minuten drankommen würden. Im Bereich, wo der in Gundelsheim wohnende Senior stand, sei mit der doppelten Zeit zu rechnen. Für Uske war die Sache damit erledigt: Er ließ sich von seinem Sohn wieder nach Hause fahren: "So lange kann ich nicht in der Kälte stehen und warten, ich bin schwerstbehindert. Am Ende hole ich mir noch eine Erkältung . Nein, da bin ich lieber wieder heimgegangen."

Auch 91-Jährige muss warten

Diese Schilderungen bestätigt eine Frau, die sich per Mail an die FT-Redaktion gewandt hat: "Ich stehe mit meiner 91-jährigen Mutter seit über 30 Minuten vor dem Impfzentrum in eisiger Kälte. Sie sitzt im Rollstuhl und hat einen Termin. Solange wir da stehen sind nur zwei Personen zur Erstimpfung reingelassen worden."

Auf Nachfrage erklärt eine Sprecherin der Sozialstiftung, die für den Betrieb des Impfzentrums zuständig ist, dass so lange Wartezeiten die absoluten Ausnahmen seien. Die Termine sind so getaktet, dass 25 Personen auf 30 Minuten einbestellt und gut in dieser Zeit geimpft werden können. Am Montag habe sich jedoch tatsächlich eine längere Schlange gebildet. Hier sei es zu Verzögerungen bei den Erstimpfungen gekommen, die auf Grund von Aufklärungsgesprächen und vieler Formalien ohnehin länger dauern. Das habe sich dann auch auf die Personen ausgewirkt, die zu den kurzen Terminen für die zweite Impfung vor Ort waren. Der bei der Sozialstiftung für das Impfzentrum verantwortliche Tobias Pfaffendorf habe das Problem erkannt und will nun Erst- und Zweitimpfungen entflechten, so dass es künftig nicht mehr zu solchen Wartezeiten kommt, denn: "Es tut uns jeder leid, der länger in der Kälte steht."

In diesem Zusammenhang bittet die Sprecherin darum, zum vereinbarten Zeitpunkt zu erscheinen und nicht wesentlich früher - ein Vorziehen von Terminen sei nämlich nicht möglich. Außerdem sinnvoll: die richtigen Papiere bereits ausgefüllt mitbringen und Kleidung anziehen, bei der sich der Oberarm rasch freimachen lässt.