Der FC Nordhalben setzt nach der Trennung von Stefan Gehring auf Claudio de Jesus Sabino
Über das Eins-gegen-eins kann Claudio de Jesus Sabino ins Schwärmen geraten. „Wir haben da mehr Gefühl, wir sind leichter am Ball“, sagt der 46-Jährige mit weichem Akzent. Das sei „etwas Südamerikanisches“. „Wir haben am Eins-gegen-eins mehr Spaß, die Deutschen hadern da mehr.“
Ein bisschen von dieser Leichtigkeit könnte der obere Frankenwald gut gebrauchen. De Jesus Sabino weiß aber, worauf er sich einlässt. Nach der Trennung von Stefan Gehring übernimmt er einen Verein, der in der vergangenen Saison viel mit Verletzungen und mangelnder Konstanz zu kämpfen hatte. Auf drei Siege des FC Nordhalben in der Fußball-Kreisklasse 4 direkt nach der Winterpause folgten nur noch vier Punkte aus zehn Spielen. Aus einem ordentlichen Start ins Jahr 2026 wurde so eine zähe Rückrunde.
Entsprechend vorsichtig formuliert der neue Spielertrainer seine Ziele. „Für mich ist das alles neu“, sagt er über seinen ersten Job als Coach. „Im Moment möchte ich nur die Liga halten. Ich will da jetzt nicht mehr versprechen, bevor ich mir ein besseres Bild gemacht habe.“ Große Ansagen sind seine Sache nicht – lieber schaut er sich die Mannschaft erst einmal in Ruhe an. Erfahrung bringt er trotzdem reichlich mit. De Jesus Sabino stammt aus São João da Boa Vista im Bundesstaat São Paulo und spielte schon früh höherklassig Fußball. Zu Hause lief er für die Sociedade Esportiva Sanjoanense auf, mit 18 ging er nach Portugal, später noch einmal zurück nach Brasilien. 2005 kam er nach Deutschland – ohne großen Plan, wie er selbst erzählt. „Ich bin einfach ohne Grund nach Deutschland gekommen“, sagt er. Es sei die Hoffnung gewesen, „dass ich was bekomme, was zum Schaffen, am besten mit Fußball“. Geblieben ist er schließlich bis heute. Seit fast 21 Jahren lebt de Jesus Sabino in Deutschland, vorletztes Jahr bekam er den deutschen Pass. Er wohnt in Langenbach, hat Frau und Kind. Sein siebenjähriger Sohn spielt auch schon Fußball. So ist aus dem Versuch von damals ein festes Leben in Oberfranken geworden.
Momentan schaut er natürlich die WM-Spiele, meistens allein. „Ist halt spät. Für die Familie ja eh, und ich muss früh arbeiten. Mit der Zeit ist das ein wenig blöd dieses Mal.“ Während er erzählt, lacht er. Überhaupt: Seine gute Laune lässt der Brasilianer sich nur selten nehmen.
Kein ganz Unbekannter
Während die großen Nationen um den Titel spielen, fängt für de Jesus Sabino im Frankenwald etwas Neues an. Fremd ist ihm Nordhalben aber nicht. Im Sommer 2016 wechselte er vom ATSV Münchberg zum SV Wolfers-/Neuengrün. In den Spielzeiten 2016/17 und 2017/18 stand er jeweils einmal für die damalige SG Nordhalben auf dem Platz – der Spielgemeinschaft der Wölfe-Zweiten mit dem FCN. Nach der Corona-Unterbrechung war de Jesus Sabino länger nicht mehr aktiv. Im vergangenen Winter wurde er beim SV Wolfers-/Neuengrün reaktiviert und half in der Kreisliga Kronach mit, den Klassenerhalt zu sichern. Jetzt kommt beim FC Nordhalben der nächste Schritt: erstmals Verantwortung als Spielertrainer.
Dass ihn viele in Nordhalben schon kennen, dürfte ihm helfen. Mehrere Spieler haben früher mit ihm zusammengespielt, der Verein nennt ihn in seiner Mitteilung die „absolute Wunschlösung“. Er selbst bleibt gelassen. Als er Familie und Freunden in Brasilien von der neuen Aufgabe erzählte, sei er gefragt worden, ob er sich das zutraue. Seine Antwort: „Trau ich mir zu.“
Den großen Redner gibt de Jesus Sabino nicht. Er ist ein erfahrener Fußballer mit klarer Haltung – und einer, der ein Stück Brasilien behalten hat. Die Hitze macht ihm wenig aus, die mag er nach eigener Aussage lieber als die Kälte. Wird es doch mal zu viel, geht es mit der Familie ins Freibad. Auf dem Platz hat er beim FCN dagegen nur ein Ziel: drinbleiben.