In der stationären Pflege seien die Eigenbeiträge der Pflegebedürftigen bereits jetzt so hoch, dass sie in den meisten Fällen nicht mehr ohne Rückgriff auf die Sozialhilfe geleistet werden könnten. Die derzeit geplanten Kürzungen seien deshalb kontraproduktiv. Der Gegenvorschlag des DGB sei eine Bürgervollversicherung in der Pflege, in die alle Erwerbstätigen einzahlten und alle pflegerischen Leistungen von der Kasse übernommen werden.
Bei der Rente sieht Eckardt eine Panikmache, denn die Rentenbeiträge seien seit Jahren in Deutschland stabil, und auch der zu erwartende zukünftige Beitragsanstieg sei überschaubar. Denn Deutschland habe schon jetzt ein im internationalen Vergleich sehr niedriges Rentenniveau und hohes Renteneintrittsalter. Deshalb seien weitere Kürzungen für den DGB nicht akzeptabel und ein stärkerer Bundeszuschuss für die versicherungsfremden Leistungen sowie die Einbeziehung aller Erwerbstätigen einschließlich der Abgeordneten wäre ein richtiger Schritt. Denn die Digitalisierung und die künstliche Intelligenz würden die Sozialversicherungen in den nächsten Jahren vor große Herausforderungen stellen, da Maschinen keine Beiträge zur Sozialversicherung zahlen.
In der Diskussion erklärte Heinz Köhler, wenn die SPD in der Koalition nicht soziale Gerechtigkeit durchsetzen könne, verliere sie ihre Glaubwürdigkeit und an politischer Zustimmung. Mario Ziener merkte an, dass die Kürzungen von Sozialleistungen in der aktuellen wirtschaftlichen Schwächephase völlig kontraproduktiv seien, weil dadurch die Kaufkraft im Inland weiter sinke. Oliver Skall meinte, dass die Menschen nur dann bereit wären, Einschnitte in Kauf zu nehmen, wenn die Lasten gerecht verteilt würden.
Gravierende Engpässe
Ralf Völkl kritisierte die Weigerung von CDU/CSU, die großen Vermögen für die Finanzierung des Staates heranzuziehen. Dies sorge für immer gravierendere Engpässe bei der Finanzierung des Staates und der Sozialsysteme.
SPD-Kreisvorsitzender Ralf Pohl dankte für den Vortrag und für die Diskussion. Er betonte, dass der SPD-Kreisverband weiterhin den Meinungsaustausch und die gemeinsame Politik mit den Gewerkschaften anstrebe.