Bei einer Stadtführung mit anschließender Bierprobe erfuhren 20 Teilnehmenr von Jürgen Birk allerlei Wissenswertes über die historische Bedeutung, die Herstellung und Sorten des Gerstensaftes.

Auch, wenn so manche alten Fachwerkgebäude längst zu Wohnhäusern umgestaltet wurden, werden bei den Erzählungen von Jürgen Birk Bilder von dampfenden Kesseln und großen Gärtanks lebendig. Der Kulturwissenschaftler hatte im Rahmen einer Veranstaltung der Volkshochschule Lichtenfels zu einer Exkursion auf den Spuren des Bieres durch Burgkunstadt eingeladen.

Die Frauen und Männer verschiedensten Alters erfuhren beispielsweise von der Verleihung des Braurechtes und des Bierverkaufs in Burgkunstadt und den Dörfern der Umgebung im Jahr 1400. Dieses Privileg diente den Bürgern als Ausgleich für die Pflicht, die Verteidigungsanlagen in Ordnung zu halten. Den Dörfern des Amtes Burgkunstadt war das Malzen und Brauen – ausgenommen den Haustrunk – verboten. Dies führte zu Auseinandersetzungen, die in den „Bierkriegen“ endeten: 1668 wurde genau festgelegt, welche Ortschaften Burgkunstadter Bier beziehen mussten. „Erfuhr der Burgkunstadter Vogt von einer Zuwiderhandlung, läutete er Sturm, und ein bewaffneter Haufen zog los, um den Bierzwang durchzusetzen“, erklärte Jürgen Birk. Ein Grund für die Teilnahme an einer solchen Fehde: Vor Ort durften die „Biersoldaten“ so viel „illegales Bier “ wie möglich durch eigenen Konsum „vernichten“. Der Rest wurde dann konfisziert und nach Burgkunstadt gebracht. Die Fehden legten sich erst bei, als diese zu blutig wurden.

Die Sache mit der Bierquote

An verschiedenen Stationen, wie etwa dem ehemaligen „Kommunbrauhaus“, pausierten die Teilnehmer und ließen den historischen Platz im heutigen Brauhausweg auf sich wirken. An diesem Ort sotteten um 1800 zunächst 48 Vollbürger mit Grundbesitz in der Oberstadt ihr Bier und brachten es zum Vergären und Reifen in die eigenen Lagerkeller. Damit die einzelnen Wirte nicht zu viel Bier brauten, legte der Rat der Stadt jedes Jahr für jeden Brauer eine Art Bierquote fest – aber auch um diese Ausschankzeiten und Brauhausnutzung gab es oft Zwist. Im Laufe der Zeit errichteten einzelne Brauer eigene Brauhäuser und das Kommunbrauhaus verlor nach und nach an Bedeutung. 1967 wurde der Braubetrieb dort eingestellt.

Auch die Brauerei Kerling am Kronacher Tor und die Brauerei Günther brauten beide zunächst im Kommunbrauhaus. Während erstere mit dessen Schließung den eigenen Betrieb ebenfalls beendet, ist die Brauerei Günther bis heute erfolgreich: 1990 konnte sie ihr Absatzgebiet bis ins südliche Thüringen erweitern. Aufgrund der gesteigerten Nachfrage verlagerte die Brauerei 2005 ihre Produktion in ein neues Sudhaus im städtischen Gewerbegebiet.

Teil der Route waren ebenfalls das Brauhaus Mühlbach und die Brauerei Hellmuth: Die „Fraa“ braute in Letzterer zwischen 1920 und 1930 bis zu 28 Mal im Jahr. Franz Helmuth baute in den 60er Jahren zudem das erste vollautomatische Brauhaus in der Stadt. Nach 44 Jahren Brautätigkeit wurde es jedoch 2007 stillgelegt.

Doch natürlich mussten neben so vielen kognitiven und optischen Eindrücken auch die Geschmacksnerven angesprochen werden: Mit einer feinen Bierprobe im „Rösla – Die Marktplatzkneipe“ Burgkunstadt endete die Veranstaltung der Volkshochschule Lichtenfels.