Michael Schwital

Noch ein paar Tage Kreta vor der heißesten Phase der Saison zusammen mit Gattin Margitta. Natürlich mit Tipps von Nikolaos Zisis, wenn es schon auf die Lieblingsinsel des griechischen Routiniers geht. Kurz ausspannen in der Sonne am Strand. Aber auch auf dem geschichtsträchtigen Eiland des Minotauros im Südosten des Mittelmeers ist Dr. Dr. Andreas Först für seine Schützlinge ständig erreichbar. Der 55-Jährige ist Mannschaftsarzt der Brose Baskets. Zusammen mit seinen Mitstreitern sorgt er maßgeblich dafür, dass Trainer Andrea Trinchieri gesunde, fitte Bamberger Basketballprofis aufs Parkett schicken kann, die volle Leistung abliefern. Und die soll auch in dieser Play-off-Serie bis zur deutschen Meisterschaft führen.
Ständig erreichbar? "Eigentlich schon", erklärt Först, den 1991 "Schorsch" Ullein, der seinerzeit die Bundesliga-Korbjägerinnen der DJK Don Bosco Bamberg trainierte, als ärztlichen Betreuer zum Basketball gebracht hat. Als jugendlicher Fußballer des TSV Hirschaid traf er Lothar Matthäus in der Bayernauswahl, probierte sich in verschiedenen Sportarten aus wie Squash oder Turniertanz.
Der Dienst bei den Brose Baskets, zuvor zudem auch jahrelang als Teamarzt der Eltmanner SG-Volleyballer zu Bundesligazeiten, ist für Först "mein Hobby, mein Sportersatz nach der aktiven Zeit". Vielfältig mag er es auch im Beruf. Seine Doktortitel erwarb er in der Human- und Zahnmedizin. Qualifikationen und Prüfungen bringt er mit als Chirurg, Unfallchirurg, Fußchirurg, Sportmediziner, Orthopäde, Chirotherapeut, Akupunkteur und Osteopath. Försts Wissen nutzt auch der Deutsche Basketball Bund (DBB) bei Lehrgängen und Weiterbildungen. Seine Befähigungen trägt Först nicht vor sich her, gibt nicht den Halbgott in Weiß, für seine Freunde ist er einfach der "Dreser". Schon gar nicht sieht er sich in der alleinigen Verantwortung dafür, dass die Brose-Profis seit längerem von schweren Verletzungen verschont geblieben sind: "In der sportmedizinischen Betreuung bin ich die Schnittstelle. Unser hauptamtlicher Physiotherapeut Heiko Pfister, unser Konditionstrainer Sandro Bencardino, der dafür sorgt, dass alle topfit sind, und ich sprechen uns ab, haben mehrmals am Tag Kontakt. Das funktioniert super." Nicht lange habe es gedauert, bis ihn Trainer Trinchieri "voll akzeptiert" habe. Först: "Wir haben uns schnell zusammengerauft."
Zum engeren Netzwerk "Gesundheit und Fitness" bei den Brose Baskets gehören auch der Internist und Hausarzt Rainer Gerstner, die Physiotherapeuten Thorsten Heyd und Kilian Flierl sowie Dr. Luitgard Jensen, die erste Ansprechpartnerin ist in Sachen Gesundheit der Familien und Freundinnen der Spieler.
Von "Arbeit" spricht in der Organisation der Brose Baskets niemand, wenn es um die Betreuung der Stars und ihrer Angehörigen geht. Erstes Anliegen sei es, den Spielern zu helfen, man sei "Ansprechpartner und Vertrauensperson", erklärt Först.
Und das nicht nur im Behandlungszimmer oder am Spielfeldrand. Ist der junge Hund der Wanamakers etwa angefahren worden, kann es schon sein, dass "Physio" Pfister telefoniert, sich unversehens in der Tierarztpraxis wiederfindet und den Vierbeiner bei der Behandlung festhält. Alltag allerdings sei, so Teammanagerin Ulrike Ringer, den Spielern beispielsweise Post von der Bank zu übersetzen oder bei Behördengängen zur Seite zu stehen. Flüge zu Auswärtsspielen zu buchen, Hotels, die nicht weit entfernt lägen von den Hallen - das ist ein Teil ihres weit gefassten Jobs. Montags haben die Profis oft frei, das Personal, der "Staff", nicht, die Organisation läuft täglich. Für die Spieler ist gesorgt, 24 Stunden am Tag, sieben Tage in der Woche. Das honorieren sie. "Sie sind total geerdet", sagt Ulrike Ringer. "Alle wirken zufrieden und glücklich", seien pflegeleicht wie bisher noch nicht gekannt. Mitunter gehe es in der Mannschaft "sehr lustig zu, alle Spieler haben einen tollen Humor." Allein die Zusammenstellung des Teams lässt schon keine Grüppchenbildung zu, das "Multikulti" funktioniert - mit den entsprechenden Ergebnissen zwischen den Körben. Gut möglich, dass hier die Handschrift des international bestens vernetzten Sportdirektors Daniele Baiesi (39), der nicht die Öffentlichkeit sucht, zu erkennen ist.
Die Brose Baskets haben ganz laut angeklopft an der Tür des europäischen Basketball-Oberhauses. Professionelle und vor allem durch und durch menschliche Strukturen sind weitere Standortvorteile, mit denen Freak City als attraktive Adresse werben kann. Wenn ein Spitzenmann Bamberg verlässt, muss nicht das große, sondern das ganz große Geld locken.