Wort zum Sonntag für 24. Mai:
Fällt Ihnen auch auf, dass in den Nachrichten öfter kurze, sachliche Erklärungen zu großen Festen von Religionsgemeinschaften gegeben werden? Da wird dann zum Beispiel auch das Osterfest in einer dem öffentlichen Raum angemessenen Weise und im Sinne der Religionsgemeinschaften erklärt.
Ich fasse das als Beitrag zum gegenseitigen Verständnis und Zusammenhalt in einer pluralen Gesellschaft auf. Dass auch die großen christlichen Feste so erläutert werden, zeigt deutlich, dass die christliche Religion nicht mehr als selbsterklärend in der deutschen Gesellschaft vorausgesetzt wird. So nutze ich diesen kleinen Raum für eine Erläuterung des Pfingstfestes, das an diesem Wochenende gefeiert wird. Dass ich als evangelischer Geistlicher über das Pfingstfest in anderer Art und Weise erzähle als ein Tagesschausprecher, dürfte sich von selbst verstehen.
Man kann das Pfingsten beschreiben als starke, existentielle Erfahrung Gottes. Im biblischen Bericht darüber heißt es: „Es geschah plötzlich ein Brausen vom Himmel wie von einem gewaltigen Sturm und erfüllte das ganze Haus, in dem die Freunde Jesu saßen.“ Hier wird zunächst die Macht dieses Ereignisses betont. Ein sturmähnliches Brausen ist hörbar und spürbar, vermag einen sogar umzuwerfen. Es kann frischen Wind bedeuten, Auftrieb verleihen oder auch die Bodenhaftung verlieren lassen und (nicht nur die Frisur) aufwühlen. Gedeutet wird dieses starke Erlebnis der ersten hundert „Christen“ als „Erfüllung mit dem Heiligen Geist“. Mit diesen Worten hatte es ihnen auch Jesus selbst angekündigt.
Somit ist Pfingsten auch das Fest, an dem an die Realität und Wirkmacht geistiger Kräfte bedacht wird. Pfingsten „feiern“ bedeutet dann in diesem Zusammenhang, dass sich die Gläubigen heute von neuem für das Wirken des Geistes Gottes öffnen: „Du Heilger Geist, bereite ein Pfingstfest nah und fern...“ (Philipp Spitta, 1833).
Und es lässt uns darüber nachdenken, wie sehr wir von geistigen Mächten beeinflussbar sind und bestimmt werden. Dass die unterschiedlichsten Geistesgesinnungen, Geistesströmungen, geistige Größen und Geistesblitze uns umwehen und umbrausen, ist offensichtlich. Und manchmal erleben wir auch, was einst Johann Wolfgang von Goethe im „Zauberlehrling“ formulierte: „Die ich rief, die Geister, werd’ ich nun nicht los.“
Und es liegt in der Natur der Sache, dass wir uns schwer damit tun, die Geister zu unterscheiden. Nicht nur weil sie nicht so einfach voneinander zu unterscheiden sind wie Blumenarten, sondern auch weil es sich um reale Kräfte handelt, von denen wir nicht unabhängig sind.