Über 100 Besucher konnte die Reservistenkameradschaft (RK) Wildflecken am Ostersonntag zählen, die die im Truppenübungsplatz Wildflecken gelegenen historischen Friedhöfe von Altglashütten und Reußendorf besuchten.
Ein starker, teils stürmischer Wind zog über den Reußendorfer Friedhof hinweg, doch die Besucher ließen sich nicht abschrecken. Im Gegenteil: Die eindrucksvolle, raue Kulisse verlieh dem Anlass eine besondere Note und verstärkte das Gefühl, dass hier Geschichte lebendig wird.
Am Reußendorfer Friedhof empfing RK-Mitglied Thomas Helfrich, einer der letzten noch in Reußendorf Geborenen, die Gäste. Helfrich, der die Geschichte der Dörfer sehr gut kennt, fungierte als kompetenter Ansprechpartner und erläuterte Details über die abgesiedelten Ortschaften, die Lebensbedingungen der früheren Bewohnerinnen und Bewohner und der Absiedlungsprozesse. Sein umfassendes Ortswissen ermöglichte es den Teilnehmenden, die historischen Zusammenhänge nachzuvollziehen.
„Das Informationsbedürfnis der Besucher war enorm, und die Fragen zahlreich. Ich war voll ausgelastet“, schilderte Helfrich seine Eindrücke.
Die Besucher wollten mehr über Lage und Geografie der längst verschwundenen Orte erfahren, über die umliegenden Berge, über die damaligen Lebensverhältnisse und vor allem über die Gründe und Folgen der Absiedlungen. Familienbezüge und Abstammungsverhältnisse standen ebenfalls im Zentrum des Interesses: Viele Fragen zielten darauf ab, wie einzelne Familien ihren Weg in eine neue Heimat fanden und wie sich Rückverfolgungen von Linien und Verwandtschaften in den historischen Kontext einordnen ließen. Ein besonderer Schwerpunkt lag zudem auf den Grabstätten. Die Besucherinnen und Besucher wollten wissen, wer auf den Friedhöfen bestattet ist, welche Namen sich in der Geschichte der Dörfer finden lassen und welche Lebenswege hinter den einzelnen Personen standen.
Die Arbeiten der Kameraden der RK Wildflecken wurden von den Besuchern ausdrücklich gewürdigt. Im Gästebuch hinterließ ein Besucher den Eintrag „Vielen Dank!“ RK-Vorsitzender David Baer zog eine positive Bilanz: Die Zahl der Teilnehmenden – über 100 Besucher – verdeutlicht das Interesse der Öffentlichkeit an lokaler Geschichte und Erinnerungsarbeit. Denn in Zeiten sozialen Wandels und schneller Informationsströme bleibt die Verbindung zu den historischen Wurzeln der Heimat für viele Menschen von besonderer Bedeutung.
Thomas Helfrich