Lebendige Geschichte(n) Das Museum Poppenlauer öffnet am kommenden Sonntag wieder seine Pforten. Und es gibt viele Überraschungen und noch mehr zu entdecken.
Wer noch nie im Heimatmuseum des Marktes Maßbach im Schrimpfschen Schloss in Poppenlauer war, sollte dies tun. Und wer schon mal da war, wird sicher zum Wiederholungstäter, denn so interessant in die Geschichte abtauchen wie hier kann man nur selten. Zu Steinzeit, Rittern, alten Knackern. Dabei sollte man sich nicht abschrecken lassen, von dem nicht gerade seltenen Begriff Heimatmuseum, in denen nur alte Gerätschaften gesammelt und gezeigt werden, heißt es in einer Pressemitteilung.
Hier im Museum stehen nicht die außergewöhnlichen und in einem fast unüberschaubaren Umfang vorhandenen Exponate im Vordergrund, sondern die Geschichten, die sie uns erzählen können. Zeit braucht man schon, bis man die auf vier Etagen und im weit gespannten Bogen regionale Heimat- und Vorgeschichte vom steinzeitlichen Lagerfeuer bis zu Omas Küchenherd durchwandert hat.
Besonderer Rahmen
Man könnte auch selbstständig durchs Museum streifen, jedoch blieben da die Geschichten hinter all den vielen Dingen verborgen. Darum besser mit „Reiseführer“, denn so wird manches, im wahrsten Sinne auch für Kinder, begreifbar und mit den lebhaften Anekdoten dabei auch lebendig.
Man konnte ja schon länger im großen Festsaal des Schlosses feiern, nun aber auch noch in der als Trauungsort zugelassenen Ritterkapelle im Museum die Ehe schließen. Das historische Umfeld bietet hier einen ganz besonderen Rahmen für den Trauungsakt. In Schloss und Museum wird somit auch ein Kreis geschlossen, der dort mit dem Täufling in der Wiege beginnt, dem Klassenzimmer von einst und dem folgenden Lebensweg, frei nach Goethe: „Tages Arbeit, abends Gäste! Saure Wochen, frohe Feste …“ nachvollziehbar gemacht wird.
Diese Ritterkapelle ist bei der Museumsreise auch ein zentraler Ort in der 500-jährigen Geschichte des Schlosses, in dem Glaube und Krieg noch gegenwärtig sind. Da hatte doch tatsächlich einst ein in Poppenlauer einquartierter napoleonischer Soldat in dem heute ausgestellten alten „Kirchenbuch“ geblättert. Und da zu jener Zeit die Kirche an ihrer Glaubhaftigkeit eingebüßt hatte, hat jener berittene Jäger auf Französisch dort hineingeschrieben: „Alle Leute, die hier lesen, werden nichts als Dummheiten finden.“ Jedoch sehen sie dort selbst, da hat ein Weiterer mit zarter Hand daruntergeschrieben: „Der Heiland ist noch.“
Denn die Hoffnung stirbt zuletzt, davon zeugt auch das danebenliegende, fast 400 Jahre alte und somit älteste und auch kleinste Gebetbüchlein (9 mal 4 Zentimeter), das inmitten des Dreißigjährigen Krieges mit allerkleinsten Lettern gedruckt wurde. So klein, dass die Buchstaben für den Leser dort als Augenpulver bezeichnet werden. Aus gleicher Zeit wie das Büchlein ist der in der Vitrine danebenstehende kunstvolle Säbel. Er wurde in der Kirche, gleich neben dem Schloss, im Fußboden ausgegraben. Auch war der Glaubenskonflikt da gegenwärtig. So war Johann von Steinau, genannt Steinrück, aus dem katholischen Poppenhausen in der Rhön dem protestantischen Glauben verbunden. Im Falle seines Todes wollte er darum evangelisch und in Poppenlauer begraben werden. So auch geschehen: „Er kam im Jan. 1621 zu Tode, wurde nach Poppenlauer überführt und dort ev. begraben.“
Doch fand er sicher keine Ruhe, denn die evangelische Kirche, in der man ihn begrub, wurde nun wieder katholisch. Bei Grabungsarbeiten jedoch wurden er und sein Säbel beziehungsweise Rapier geborgen. Dieser steht und findet nun an neutralem Ort im Museum, samt dem Geist seines Herren, Ruhe. Weit mehr wäre hier noch zu bestaunen, doch noch weit geht die Zeitreise, bis man auf Schusters Rappen in den obersten Stock gelangt. Sollten dabei die Schuhe Schwierigkeiten bereiten, kein Problem, im 1. Stock kommt man bei einem Schuster vorbei. Dann oben in der Steinzeit gab’s noch keine Schuhe. Aber umso mehr die dort ausgestellten archäologischen Funde aus dem regionalen Umfeld, die sicher in dieser Form und ihrem Umfang selten so zu finden sind. Sie wären alleine schon für einen Museumsbesuch ausreichend.