Einen seltenen Blick hinter die Kulissen eines besonderen Baudenkmals erhielten knapp 60 Teilnehmende beim Neubürgerstammtisch im ehemaligen Schlachthof. Da das Gebäude nicht regulär zugänglich ist, waren Haftungsausschluss und festes Schuhwerk Voraussetzung.
Die Architekten Matthias Knab und Tobias Seith von der planwerkstatt-nes gbr führten durch das Erdgeschoss mit Kühl-, Technik- und ehemaligen Schlachträumen, auf die Besuchergalerien und bis ins Dachgeschoss direkt hinter die markante Uhr. Dabei wurde deutlich, weshalb der 1923 bis 1925 nach Plänen des Stuttgarter Architekten Josef Hennings errichtete Bau im Volksmund „Ochsenkathedrale“ heißt: Die zentrale Halle wirkt mit 17 Metern Höhe fast sakral. Der Komplex misst rund 87,5 Meter Länge, 51 Meter Breite und fast 30 Meter Höhe.
Matthias Knab erläuterte, dass nur das Erdgeschoss dem Schlachtbetrieb diente. Geschlachtet wurden Schweine und Rinder. Die oberen Ebenen mit Galerien waren vor allem architektonische Inszenierung – und Bühne: Früher konnten Kurgäste von dort gegen Eintritt dem Betrieb zusehen. Eindrucksvoll war auch die Kühltechnik der Firma Linde mit Schwungrädern und Kompressoren.Nach der Stilllegung im Dezember 2002 steht das denkmalgeschützte Gebäude im Fokus neuer Nutzungsideen.Nun soll die Sanierung beginnen: Noch im Sommer ist das Gerüst geplant, in diesem Jahr soll das Hauptdach erneuert werden, danach folgen Fassade und weitere Baumaßnahmen. Vorgesehen sind rund 15 Millionen Euro. Langfristig soll ein Erlebnis- und Mobilitätszentrum entstehen – mit Tiefgarage, Gastronomie, Café, gehobener Küche, Biergarten, Eventflächen und einer Ausstellung in den ehemaligen Kühlräumen mit Geschichte, Bildern und Zeitzeugenstimmen.
Der nächste Neubürgerstammtisch findet am 16. Juli, um 19 Uhr am Turniergebäude statt. Horst Waldner, 1. Vorsitzender des Reitervereins Bad Kissingen, erzählt vom Turniergebäude und vom Reiterverein. Anmeldung bitte per E-Mail an Anita.Schmitt@ascordis.de.
Anita Schmitt,
Neubürgerstammtisch
Bad Kissingen