Marion Krüger-Hundrup Es ist das Zukunftsthema schlechthin in einer immer älter werdenden Gesellschaft wie der Oberfrankens: eine professionelle und an den Bedürfnissen des Einzelnen angepasste Pflege in Alter oder Krankheit. Die Fachleute sind sich einig darin, dass die Herausforderungen an die Pflegekräfte von morgen steigen. Ein Grund, weshalb in Bayern seit Jahresbeginn die generalistische Pflegeausbildung gilt.

Hinter diesem Begriff steckt eine für die Region bedeutende Veränderung. Um die Ausbildung weiterhin den künftigen Fachkräften und Pflegeeinrichtungen in der Fläche zu ermöglichen, haben federführend die Bamberger Akademie für Gesundheitsberufe und der Caritas-Diakonie Schulträgerverband jetzt den "Ausbildungsverbund Pflege Bamberg" gegründet: "einen der größten Ausbildungsverbünde in Bayern mit den angrenzenden Landkreisen Forchheim und Lichtenfels", erklärte Michael Springs, Geschäftsführung Bamberger Akademien, bei der Auftaktpressekonferenz. "Der heutige Startschuss ist ein guter Tag für die Pflege und die pflegerische Situation der Patienten", sagte Springs. Der Verbund biete besondere Chancen, eine attraktive Ausbildung in Theorie und Praxis kennenzulernen.

Dem Verbund gehören 16 Träger mit ihren insgesamt angeschlossenen 73 Einrichtungen an. Ein Kooperationsvertrag regelt die Zusammenarbeit, die "sich bewähren muss", betonte Erna Strempel-Anthofer, Schulleitung Caritas-Diakonie Schulträger gGmbH. Ein aus ihrer Sicht "wunder Punkt" sei, dass die unterschiedlichen Träger keine gemeinsame Leitbildentwicklung vorgenommen hätten und kein gemeinsames Wertesystem zugrunde liegen würde: "Das Menschenbild ist von Träger zu Träger unterschiedlich", so Strempel-Anthofer. Der gemeinsame Nenner sei wohl ein "humanistischer Anspruch" und der Wille, eine qualitativ bestmögliche Ausbildung und Patientenversorgung zu gewährleisten.

Der Verbund, der in der Pressekonferenz des Weiteren von Professor Matthias Drossel, Gesamtschulleitung Bamberger Akademien, und Ralf Romeis, Geschäftsführung Caritas-Diakonie Schulträger, vertreten wurde, hat sich 250 Auszubildende im Jahr zum Ziel gesetzt. Derzeit sind es 175.

Springs nannte Vorteile des Verbundes: Nun müsse nicht jede teilnehmende Einrichtung die theoretischen wie praktischen neuen Ausbildungsinhalte für sich alleine auf die Beine stellen und verantworten, sondern profitiere von der bisherigen langjährigen Erfahrung sowie professionellen Arbeit aller. Aufwendige und nicht notwendige Mehrfachstrukturen könnten vermieden werden. Und wer Pflegefachkraft werden wolle, könne in einer jeden spezialisierten Einrichtung seiner Wahl wohnortnah und trotzdem umfassend in die Ausbildung starten.

Auf Bedürfnisse reagieren

Bisher mussten angehende Pflegekräfte sofort zum Ausbildungsstart entscheiden, ob sie den Weg der Kranken-, Kinderkranken- oder Altenpflegerin einschlagen. Mit der neuen Regelung werde weiterhin eine professionelle Pflegeausbildung garantiert, die mit ihrer neuen Ausrichtung noch gezielter auf die Bedürfnisse der Pflegebedürftigen reagieren könne, erklärte Ralf Romeis. Und: "Egal in welcher der über 70 Einrichtungen ein Azubi in sein Berufsleben startet, er erlernt überall profundes Fachwissen für eine erfolgreiche Karriere in der Pflege."

Am Ende der dreijährigen Ausbildung stehen den künftigen Pflegefachfrauen wie -männern alle Türen in der Branche offen. Davon zeigten sich die Verbundvertreter jedenfalls überzeugt. Außerdem profitiere die Region mehrfach: Auszubildende könnten ihren Einsatzort über alle Einsatzgebiete der Pflege frei wählen. Pflegeeinrichtungen profitierten von einem breiteren Bewerberfeld als bisher, um das sie mit dem starken Argument eines gemeinsamen Ausbildungsverbundes werben könnten. "Am meisten profitieren wohl die pflegebedürftigen Menschen in der Region", so Michael Springs. Sie stünden zweifelsohne im Mittelpunkt aller Bestrebungen.