Wie wird eigentlich grüne Energie in Ebermannstadt produziert und genutzt? Und wie verträgt sie sich mit dem Gewässer- und Artenschutz? Antworten auf diese und weitere Fragen gaben am Dienstagabend Vertreter der Stadtwerke, des Wasserwirtschaftsamts Kronach sowie des Landratsamts im Rahmen der momentan stattfindenden Klimawoche des Landkreises Forchheim.
Bei einer Führung durch das Wasserkraftwerk Rothenbühl, das sich unmittelbar neben dem "Ebser-Mare" befindet und das die Wiesent als natürliche Ressource nutzt, konnten sich interessierte Besucher über den Aufbau und die Funktionsweise der Anlage informieren.


Strom für 110 Haushalte

Die Anlage besteht bereits seit 1953 und wurde bis 2013 mit derselben Maschinerie betrieben. Danach erfolgte eine grundlegende Sanierung. 500 000 kWh produziert das Werk im Jahr unter Ausnutzung nahezu der gesamten Flussbreite - und versorgt damit 110 Haushalte mit Strom sowie durch eine Wärmeüberleitung das benachbarte Freibad. Nach der offiziellen Begrüßung und einer kurzen Einführung durch Dominik Bigge, Klimaschutzmanager des Landratsamts Forchheim demonstrierte Jörg Prell von den Stadtwerken Ebermannstadt zunächst eindrucksvoll die Funktion des zwei Meter Gefälle bedingenden Staudamms und der Rechenanlage.
Letztere lässt sich entweder automatisch, per Zeituhr oder bei Bedarf auch manuell steuern. In der Turbinenkammer des Wasserkraftwerks, die anschließend besichtigt werden konnte, geht es lautstark zu. Der Generator bildet den Mittelpunkt des überschaubaren Raums; er wird von der sich unterhalb befindenden Turbine angetrieben.
An einer Wandseite informieren ständig mehrere in Schaltkästen integrierte Anzeigen über die vorliegenden Temperatur- und Druckverhältnisse innerhalb der Anlage. Allerdings werde, so Prell, das Kraftwerk von den Mitarbeitern der sich nicht vor Ort befindenden Schaltwarte betrieben und überwacht. Nach dem kurzen Rundgang erläuterte Annegret Bieler vom Wasserwirtschaftsamt Kronach noch eine wesentliche Baumaßnahme, die 2008 und 2009 zur Wahrung des Arten- und Gewässerschutzes innerhalb der Wiesent ergriffen wurde: die Anlage eines sogenannten Fischpasses. Da das Fließgewässer aufgrund des Kraftwerks unterbunden wird, musste anderweitig eine Durchlässigkeit für Weißfische, Nase, Schneider und Co. geschaffen werden. Dies geschieht nach Bieler in Form einer naturnahen Lösung, die sich hinter dem Kraftwerk und dem Freibad durch die Wiese schlängelt.
Mehrere Voraussetzungen, die ein Fischpass zu erfüllen habe, waren bei der Begehung erkennbar: Die Fließgeschwindigkeit des Wassers ist in dem angelegten Abschnitt entsprechend abgebremst, der Wasserkörper gebündelt und mindestens 30 Zentimeter tief. Zudem existieren überbreite Bereiche. Alle diese Maßnahmen, so Bieler, dienten dem Zweck, für die Flussbewohner entsprechende Ruhebereiche zu schaffen und ihnen ein sicheres Umschiffen des Hindernisses Wasserkraftwerk zu ermöglichen.
Die Vielzahl von Fragen, die die Besucher während beider Besichtigungstouren stellten, deuten auf ein tiefgehendes Interesse an Aspekten der Energiegewinnung durch Wasserkraft sowie des Arten- und Gewässerschutzes hin.