von unserem Mitarbeiter georg Wolf

Aufseß — Die Teichgenossenschaft Oberfranken verleiht seit 15 Jahren die Urkunde "Kulturgut Teich". Mit dieser Auszeichnung werden kulturhistorisch bedeutsame Teiche und Teich-ketten in Oberfranken gewürdigt. In diesem Jahr wurde die Auszeichnung dem Schlossweiher in Aufseß zugesprochen.
Bezirkstagspräsident Günther Denzler und Baron Eckart von Aufseß bekamen die Urkunde für die Auszeichnung unmittelbar am Schlossweiher (genannt auch Eckenweiher) in Aufseß vom 1. Vorsitzenden Peter Thoma überreicht. Auch eine Tafel wurde dazu enthüllt.
Wie Bezirkstagspräsident Günther Denzler rückblickend hervorhob, bewirtschaften die Mitarbeiter der Lehranstalt für Fischerei vom Bezirk Oberfranken den Teich seit mittlerweile 34 Jahren. Seit 1980 hat der Bezirk den Teich und das Grundstück rundum von der Familie von Aufseß gepachtet. Teiche dienten in der Fränkischen Schweiz schon seit jeher als Wassersammler und wurden zusätzlich fischereilich genutzt, so Denzler. Historisch gesehen sei die Fischerei hier in der Region schon seit dem frühen Mittelalter von erheblicher wirtschaftlicher Bedeutung. Die Fischrechte lagen überwiegend im Besitz der Landesherren, Ritter und Mühlenbetreiber.

1385 erstmals erwähnt

Der Eckenweiher wurde 1385 erstmals urkundlich erwähnt und war im Besitz der Familie von Aufseß. Gemeinsam mit der Aufseß ist er über 600 Jahre lang das Hauptfischgewässer der Familie. Der Fischreichtum in den Gewässern der Fränkischen Schweiz machte die Fischereirechte begehrt und teuer. So ist es nicht verwunderlich, dass die Familie über die Jahrhunderte hinweg immer am Eckenweiher festhielt und sogar bestrebt war, das Fischwasser weiter auszudehnen.
Bereits 1895 hatte sich der "Fischereiverein Fränkische Schweiz" gegründet. Um die Fischerei auch in der Praxis zu fördern, errichtete der neu gegründete Verein eine eigene Brutanlage am Reu-Brunnen auf dem von der Familie von und zu Aufseß bereitgestellten Grund.
Die Kriegswirren der beiden Weltkriege forderten ihren Tribut. Der Fischverkauf erbrachte nicht genügend Geld für die Pacht des Eckenweihers samt Bruthaus. Vom Niedergang der Kriegsjahre hat sich der Eckenweiher bis in die 1950er-Jahre nicht erholt. Erst in den 1960er-Jahren erlebten der Eckenweiher und die Fischzucht wieder einen Aufschwung. Baron von Aufseß hat dann Ende der 70er-Jahre aus beruflichen Gründen die Fischzucht nicht mehr betreiben konnten. Der Bezirk Oberfranken gründete an dieser Stelle den Teichwirtschaftlichen Beispielbetrieb Aufseß, der am 1. Mai 1980 eröffnet wurde.
Der Eckenweiher ist heute der größte Naturteich in der Lehranstalt für Fischerei. Da der Weiher heute mit Wasser der Aufseß befüllt wird und nicht mehr wie früher mit Quellwasser, wurde aus dem sommerkalten Forellenteich ein sommerwarmer Karpfenteich. Er beherbergt eine große Vielfalt an heimischen Fischarten, neben den Karpfen unter anderem auch Schleien und Rotaugen oder die stark gefährdete Karausche.