Eine sachliche Diskussion um die Zukunft des Steigerwalds bleibt oft außen vor. Oder sie rückt in den Hintergrund, wenn Anfeindungen, Anschuldigungen unsachlicher Streit oder plakative Aktionen in den Vordergrund drängen. Derlei hat es in der Vergangenheit von beiden Seiten gegeben, von Nationalparkgegnern wie -befürwortern. Wobei die Gegner, wie etwa der Verein "Unser Steigerwald", vor Ort meist die lautstärkere Gruppe bildeten. Zu den jüngsten vorweihnachtlichen Baumfällungen waren es selbst ernannte Umweltaktivisten, die sich unschön hervortaten (siehe Artikel rechts).

Dass "Worte statt Taten" die bessere Lösung sind - auch wenn sie nicht immer zu Lösungen führen -, zeigt die Diskussion, die beispielsweise der Bund Naturschutz (BN) mit den Bayerischen Staatsforsten führt. In einer Erklärung des BN führt dessen Waldexperte Ralf Straußberger Argumente gegen die aktuellen Abholzungen und für einen Stopp der wirtschaftlichen Nutzung großer Staatswaldflächen im nördlichen Steigerwald an. Der Leiter des Forstbetriebs Ebrach, Ulrich Mergner, versucht diese Punkt für Punkt zu widerlegen.

Im Folgenden stellen wir die Positionen wörtlich oder sinngemäß gegenüber. Um heraus zu bekommen, wer in welchen Punkten richtig liegt und welcher der beste Weg ist, ist der inzwischen mehrfach gemachte Vorschlag eines Runden Tisches vielleicht keine schlechte Idee - mit einer neutralen Bewertung der Erfahrungen und Studien, die den sich widersprechenden Argumenten zu Grunde gelegt werden.

Walderhalt

"Massive Einschläge sind schädlich für Walderhalt, Klimaschutz und Biodiversität", lautet die Kritik des BN. Zum Thema Walderhalt meint Straußberger: "Gerade die Buchen vertragen derartige Freistellungen nicht: stark exponierte, sonnenbeschienene Kronenteile sterben ab, die Rinde am Stamm ,verbrennt' regelrecht und die Vitalität schwindet. Dabei sind Buchenwälder wahre ,Klimaanlagen', ihr von Natur aus geschlossenes Kronendach hält sie kühl und feucht. Buchen haben viele Anpassungsstrategien an Trockenheit - vorausgesetzt sie haben Raum und Zeit für eine ungelenkte Entwicklung."

Dass "große Löcher in das Kronendach geschlagen werden", bestreitet Mergner. Straußberger übersehe offenbar, "dass ein Unter- und Zwischenstand für Schatten sorgt. Lediglich dort, wo lichtbedürftige Mischbaumarten als künftiger Klimawald gepflanzt werden, wird in vorsichtiger Weise etwas mehr Licht gegeben. Andernfalls würden instabile Buchenreinbestände nachwachsen."

Grundwasser ist für den Wald von wesentlicher Bedeutung. Und andersherum gilt es auch für die Bedeutung des Waldes für das Grundwasser. Auch in diesem Punkt widersprechen sich die Aussagen.

"Studien zeigen, dass Laubbäume und hier vor allem Buchen einen positiven Einfluss auf die Grundwasserneubildung haben, wovon auch andere Baumarten profitieren. Der Nordsteigerwald mit seinen vielen Mischbaumarten ist besonders geeignet, solche Anpassungsvorgänge in einem Nationalpark zu erforschen und daraus für den Waldbau zu lernen", schreibt Straußberger. und ergänzt: "In nutzungsfreien Wäldern sind die Böden zudem effektivere Wasserspeicher, da sie nicht durch schwere Maschinen verdichtet sind."

"Unbewiesen ist, dass nutzungsfreie Wälder mehr Wasser speichern als genutzte Wälder", hält Mergner dagegen. "Offensichtlich wird nicht wahrgenommen, dass die Holzrückefahrzeuge auf den Rückgassen fahren. Eine flächige Verdichtung - wie früher der Fall - findet schon lange nicht mehr statt."

Klimaschutz

Der Einfluss des Klimawandels auf den Wald ist inzwischen unübersehbar. Dabei geht es nicht nur um die Frage, wie anpassungsfähig der Wald ist, sondern auch darum, wie er seinen Beitrag zum Klimaschutz am besten leisten kann.

"Alte, biomassereiche Naturwälder sind nachweislich widerstandsfähiger und anpassungsfähiger in der Klimakrise. Sie speichern in den zahlreichen dicken Bäumen und in den Böden mehr Kohlenstoff als Wirtschaftswälder. Sie sind deshalb als natürliche CO2 -Senken wichtig für den Klimaschutz und leisten gleichzeitig einen wichtigen Beitrag für den Erhalt der Biodiversität", argumentiert der BN Waldexperte Straußberger.

Dass ungenutzte Wälder widerstandsfähiger in der Klimakrise sind, bestreitet Mergner. "Die Absterbevorgänge in den ungenutzten Naturwaldreservaten des Steigerwalds zeigen deutlich, dass in erster Linie die geologische Grundlage entscheidend für die Trockenschäden an den Buchen ist."

Artenvielfalt

Der Ebracher Forstbetriebsleiter hat auch einen anderen Blick auf die Artenvielfalt als der BN-Experte und viele andere Befürworter eines Nationalparks. Es stimme nicht, dass im Steigerwald die Artenvielfalt bei Nichtnutzung zunehme. "Leider ist das Gegenteil der Fall: Die Baumartenvielfalt geht dramatisch zurück. Das betrifft vor allem die Baumart Eiche, die weniger Schatten verträgt und von der Buchennaturverjüngung gnadenlos überwachsen wird. Wer mit waldökologischem Verständnis durch den Steigerwald geht, sieht das allenthalben. Wenn aber die Mischbaumarten ausfallen, nimmt auch die Artenvielfalt ab."

Straußberger hat schon zuvor argumentiert, dass ein Nationalpark vor allem der Sicherung der natürlichen Entwicklung dient. Anhand einiger Tiergruppen werde deutlich, "dass die Artenvielfalt in unbewirtschafteten Naturwaldreservaten im Vergleich zu gut gepflegten Wirtschaftswäldern deutlich höher ist."