Wie lange wird es wohl dauern, bis die 40 Sängerinnen der Mädchenkantorei die Eindrücke ihrer Konzertreise nach Kanada verarbeitet haben? Sie waren mit Domkapellmeister Werner Pees knapp zwei Wochen in der weiten Welt unterwegs. Im Gepäck hatten sie ein anspruchsvolles musikalisches Programm für acht Auftritte in den ostkanadischen Provinzen Ontario und Quebec.
In einer Hinsicht waren sich Abflug- und Ankunftsort ähnlich: Atemberaubende Wolkenkratzer dominieren die Skyline von Frankfurt wie von Toronto. Der fast 600 Meter hohe CN-Tower, ein touristisches Highlight, erlaubte es, sogar deren Dächer von oben zu betrachten. Das Auftaktkonzert des Bamberger Chores fand in der St.-Aiden-Church, einer anglikanischen Kirche im vornehmeren Viertel Torontos, statt. By the way, die standing ovations nach dem einstündigen A-cappella-Programm nahmen ein wenig die Aufregung und waren Rückenwind für das Bevorstehende.
Nach einem kurzen Abstecher zu den Niagarafällen ging es weiter nach Peterborough, einem Städtchen von der Größe Bambergs. In den 50er und 60er Jahren des vergangenen Jahrhunderts wanderten etliche Familien aus dem Frankenwald in die Bischofsstadt unweit des Lake Ontario aus und fanden dort ihr Auskommen. Hier kamen die Bambergerinnen in den vollen Genuss der sprichwörtlichen kanadischen Gastfreundschaft, gepaart mit fränkischem Sinn für Praktisches. Entsprechend herzlich war die Aufnahme durch Mitglieder des dortigen Domchores, opulent die Versorgung. Man sang gemeinsam im Sonntagsgottesdienst und feierte miteinander. Auch hier wurde die Leistung der Mädchenkantorei bewundert und mit lang anhaltendem Beifall bedacht. Als die Sängerinnen beim Abschied die Frankenhymne anstimmten, war die Rührung bei den kanadischen Franken nicht zu übersehen.
Auf einem Erholungstag am Ontariosee folgte als nächste Ziel wieder die Großstadt. Im frankophonen Montréal hielten sich Kür und Pflicht, Besichtigungsprogramm und Musik, die Waage. Auf großes Interesse stieß der gemeinsame Workshop mit den Musikklassen der deutschen Alexander-von-Humboldt-Schule, den Franziska Bauer, Assistentin des Domkapellmeisters, leitete. Stolz war die Gruppe, dass sie in der berühmten neugotischen Basilika Notre Dame singen durften, denn ein stimmungsvollerer Konzertort lässt sich in Kanadas Osten wohl nicht finden. In Ottawa, dem Finale der Konzertreise, war die Mädchenkantorei zu Gast beim Girls' Choir der Christ-Church-Cathedral. Dieser Chor war im vergangenen Jahr zu Besuch in Bamberg. Konzert und Gottesdienst im römisch-katholischen Dom sowie das gemeinsame Singen mit dem Gastgeberchor in der anglikanischen Bischofskirche, Sightseeing und Chorbegegnung: Ein solch beachtliches Pensum innerhalb von zwei Tagen ließ sich dank der mittlerweile erworbenen Routine und dem Ehrgeiz, vor fachkundigem Publikum zu glänzen, souverän meistern.
Abschiedstränen und Vorfreude auf daheim charakterisieren am besten die Gefühle am Ende der großen Reise, gepaart mit der Dankbarkeit, ein fernes Land mit überaus liebenswerten und musikbegeisterten Menschen kennengelernt zu haben. Dass die Konzertreise durch das Goethe-Institut und die Deutsche Botschaft und die Bayerische Vertretung in Québec großzügig unterstützt wurde, war eine angenehme Begleiterscheinung. Es wird wohl noch einige Zeit brauchen, bis alle Erlebnisse erzählt, alle Bilder geordnet und die Emotionen wieder auf ein Normalmaß einpegelt sind. wep