Die letzten Trauben von den Hängen des Schlosses Saaleck in einem geschmückten Ladewagen zum Marktplatz zu transportieren ist alter Brauch beim Bio-Weingut von Ulrike und Thomas Lange. Die Aktion bedeutet das Ende der Lese und soll die Freude über das gelungene Ergebnis zum Ausdruck bringen , wenn dem so ist. "Wir begannen heuer früher mit der Weinlese und hatten eine kürzere Lesezeit, denn die Ernte fiel geringer aus", definiert Ulrike Lange den Wermutstropfen, der in den Rebensaft fiel.
Späte Nachtfröste im April und Anfang Mai kosteten das Winzer-Ehepaar rund 40 Prozent des üblichen Ertrags. In den warmen Tagen vor den Frostnächten waren die Reben gut gediehen. Doch der kalte Wind wütete in der jungen Entwicklung und vernichtete - je nach Lage - einen Teil der Pflanzen. Dennoch traten die vier Angestellten und rund ein Dutzend Lesekräfte zur Ernte an. Einen Vorteil im verregneten September sieht die Winzerin in der Handernte. "Faulende Früchte können wir herausschneiden. Mit einem Voll-Erntegerät ist dies nicht möglich. Als Bio-Weingut sind wir aber bestrebt, nur gesunde Trauben zu verarbeiten. Denn Fäule beeinträchtigt den Geschmack und die Qualität des Weines", informiert sie. "Mit der Qualität sind wir im allgemeinen zufrieden", fügt sie hinzu. An den Oechsle-Graden gemessen, erzielten die Sorten Silvaner, Riesling, Cabernet blanc sowie der Weiß- und der Grauburgunder, bei den Rotweinen der Spätburgunder, die besten Werte. Die größten Ausfälle durch Frost und Fäule verzeichnen heuer der Müller-Thurgau und der Bacchus beim Weingut Lange.
Dem Grauburgunder ist sogar eine Holzfass-Gärung vorbehalten im neuen Holzfasskeller im Betriebsgebäude am Schloss Saaleck. Hier findet übrigens am 25. November ab 19 Uhr eine Weinprobe mit mehreren Menü-Gängen statt. Karten dafür gibt es allerdings nur im Vorverkauf in der Vinothek im Rathaus.
Von dem in Franken heiß geliebten Federweißer hält das Ehepaar nur wenig, "weil es besser ist, einen guten Wein zu haben. Er soll jetzt gären und reifen und dann dem Genießer schmecken", so Ulrike Lange.