Alexander Hartmann Wer Friedbert Scharfe kennt, der weiß: sich in den Vordergrund zu drängen, ist nicht sein Ding. Der 67-Jährige, der viel im Hintergrund arbeitet, seit 30 Jahren beim Baustoffhersteller Maxit forscht und entwickelt, rückt jetzt aber ins Rampenlicht. Fernsehteams des Bayerischen Fernsehens und des ZDF rücken in Azendorf an, Redakteure renommierter Zeitungen und Fachzeitschriften bitten Scharfe zum Interview, der dann über eine Erfindung spricht, die den Bau revolutionieren soll, die ein Meilenstein sein könnte im Bestreben, den Ausstoß an Treibhausgasen zu reduzieren, der durch den Energieverlust in Wohn- und Geschäftsgebäuden entsteht.

Warum der Baustoffingenieur ein so gefragter Gesprächspartner ist? Scharfe ist Teil eines interdisziplinären Forschungsteams, das eine völlig neuartige Wärmedämmung für Gebäude entwickelt hat und für den Deutschen Zukunftspreis nominiert worden ist - ein Preis für Technik und Innovation, den alljährlich der Bundespräsident vergibt. Die Erfindung, die Scharfe mit Thorsten Gerdes von der Uni Bayreuth sowie Klaus Hintzer vom Unternehmen Dyneon (3M) auf den Weg gebracht hat, ist eine aufspritzbare Gebäudedämmung, die den Sanierungsstau in Deutschland beenden und das Erreichen der Klimaziele beschleunigen soll.

Der Clou

"maxit ecosphere" heißt der Dämmstoff. Der Clou: Winzige Hohlkugeln aus Glas wirken, eingebettet in ein neuartiges mineralisches Bindemittel, wie thermische Isolatoren. "Diese verzögern den Wärmedurchgang so effizient, dass kaum noch wertvolle Heizenergie verloren geht", sagt der Maxit-Forschungschef, der von einem klaren Pluspunkt in Sachen CO2 -Einsparung und Klimaschutz spricht. Die Verarbeitung des Dämmstoffes, der nicht brennbar sei und sich vollständig recyceln lasse, erfolge mit herkömmlichen Putzmaschinen, doch werde schon an Spritzrobotern geforscht, die künftig einen Teil der Standardarbeiten übernehmen sollen. Nicht, um Personal einzusparen. "Es fehlt bei uns ja nicht an der Bereitschaft, zu sanieren, sondern häufig an den Fachkräften."

Überraschende Nominierung

Die Nominierung für den Zukunftspreis ist ein Ritterschlag, denn nominiert wird nur, wer von einer fachkundigen Institution vorgeschlagen und dann von der Preisjury auserwählt wird. Letztere ist voll des Lobes über den Dämmstoff, mit dem sich die energetische Sanierung von Wohn- und Gewerbegebäuden enorm beschleunigen lasse. "Meines Wissens nach wurde noch nie ein Baustoffunternehmen für so einen Preis vorgeschlagen", sagt Scharfe. Auch für seinen Forschungspartner, den Universitätsprofessor Thorsten Gerdes, war die Nominierung eine "Riesenüberraschung". "Der Preis ist themenoffen, und es gibt so viele spannende Entwicklungen, da ist es für mich noch immer unglaublich, dass die Jury eine Wärmedämmung nominiert hat."

Live im ZDF

Ob nach der Nominierung mit der Preisverleihung die Krönung kommt, wird sich am 25. November zeigen, wenn Bundespräsident Frank-Walter Steinmeier in Berlin den Deutschen Zukunftspreis verleiht. Bei der Veranstaltung, die live im ZDF übertragen wird, rückt Friedbert Scharfe wieder ins Rampenlicht.