Der für den 13. September geplante verkaufsoffene Sonntag in Hirschaid fällt flach. Was die Gewerkschaft Verdi jubeln lässt, löst bei den Gewerbetreibenden in Hirschaid natürlich wenig Begeisterung aus. "Wir konnten mit unserer Aufsichtsbeschwerde einen weiteren rechtswidrigen verkaufsoffenen Sonntag verhindern", stellt Paul Lehmann, Verdi-Gewerkschaftssekretär für den Handel in Oberfranken, erfreut fest. "Der Gewerbeverband hat sich für einen verkaufsoffenen Sonntag eingesetzt, weil das dem Einzelhandel helfen und das Geschäft ankurbeln würde", begründet Sebastian Werthmann, Vorsitzender des örtlichen Gewerbeverbands, das Engagement für einen verkaufsoffenen Sonntag.

Zwei Märkte fallen aus

Das Interesse der Händler ist nachvollziehbar. Beide Einkaufssonntage, die sonst im Hirschaider Jahreskalender stehen, fallen heuer aus. Denn die Anlässe, Frühjahrsmarkt und Herbstmarkt, mussten corona-bedingt - wie alle Großveranstaltungen bis Ende Oktober - abgesagt werden. Damit war allen Beteiligten aber auch klar, dass es schwierig würde, eine anlasslose Sonntagsöffnung als Ersatz genehmigt zu bekommen. Denn das ist nach dem Ladenschlussgesetz nicht erlaubt.

Der Hirschaider Gemeinderat hatte Ende Juni trotzdem dem, verbunden mit einer Unterschriftensammlung, vorgetragenen Wunsch der Gewerbetreibenden stattgegeben. Als "Signal der Unterstützung" wurde eine für den 13. September geltende Verordnung mehrheitlich beschlossen (die aber noch nicht im Amtsblatt veröffentlich wurde - und damit noch nicht in Kraft ist). Daraufhin reichte Verdi eine Aufsichtsbeschwerde beim Landratsamt ein, das wiederum den Fall zur Prüfung an die Regierung von Oberfranken weiterleitete (wir berichteten am 8. August).

Anlass bleibt Voraussetzung

Nun hat die Regierung dem Landratsamt mitgeteilt, dass es auch in diesem Jahr keine anlasslose Sonntagsöffnung geben kann. "Wir haben deshalb den Markt Hirschaid gebeten, die beschlossene Verordnung nicht zu veröffentlichen", teilt Pressereferent Frank Förtsch mit.

Bei den Hirschaider Händlern nimmt man die Entscheidung enttäuscht, aber auch gelassen zu Kenntnis. Gerd Porzky sieht die Geschäfte vor allem durch die harte Phase des Lockdowns schwer gebeutelt. "Die Marktsonntage hätten schon ein bisschen was von den Verlusten auffangen können", meint der Optiker. Das habe hinter den Überlegungen für einen Ersatz-Sonntag gestanden. Als Gemeinderat sei ihm aber auch klar gewesen, dass das kaum Chancen hatte.

Der zweite verkaufsoffene Sonntag soll stattfinden - oder zumindest verschoben werden, meint Verbandsvorsitzender Werthmann. Der zweite Termin wäre eigentlich zum Herbstmarkt am 18. Oktober. Doch den hat die Gemeinde abgesagt, nachdem die Staatsregierung das Verbot von Großveranstaltungen bis Ende Oktober ausweitete.

Ob das Verbot dann tatsächlich ausläuft, oder ob es erneut verlängert werden wird, ist angesichts der aktuellen Corona-Entwicklung noch vollkommen unklar. Viele Kommunen beschäftigt diese Frage vor allem mit Blick auf die Weihnachtsmärkte.

Blick auf den Weihnachtsmarkt

Wenn es denn möglich sein wird, Weihnachtsmärkte zu veranstalte, hätte Gerd Porzky da schon eine Idee: Am letzten Novemberwochenende, gleichzeitig erster Advent, könnten die Hirschaider Händler, gerne auch zusammen mit den Bambergern und anderen, am Samstag eine Lange Einkaufsnacht durchführen. Am Sonntag (29. November) könnten die Geschäfte dann anlässlich des Weihnachtsmarktes von 12 bis 17 Uhr öffnen.

Die Idee steht im Raum. "Hauptsache, wir kriegen einen verkaufsoffenen Sonntag, damit sich unsere Unternehmen wieder hochrappeln können", sagt Porzky. "Das muss ja nicht Hirschaid im Alleingang machen. Das könnte man auch bayernweit machen." Porzky will sich diesbezüglich an seine FW-Parteifreunde in der Staatsregierung, die Minister Thorsten Glauber und Hubert Aiwanger, wenden - und ist schon gespannt auf die Reaktion. "Wir wollen ja nur öffnen", meint er.