Carolin Herrmann

Mordsmäßig produktiv ist das schöne Frankenland. Es wird gemordet an laufender Druckmaschine, literarisch selbstverständlich. Büchertische in den Buchhandlungen verblüffen mittlerweile mit einer Vielzahl von fränkischen Autoren. Coburg wird regionalkrimonologisch inhaltlich auch regelmäßig bedacht. Jetzt ist wieder eine neue Variante dazu gekommen, reizvoll insofern, als es diesmal der Blick von außen aufs Fränkische ist. A Reigeschlaafter, der Rheinländer Thomas Pregl, hat sich in die "Frankenhölle" begeben, in die Welt der (manipulierten) Spielhöllen im Fränkischen, aber nicht nur hier.
Wie der bei Bamberg Lebende, an der Coburger Rückertschule Unterrichtende die fränkischen Dinge in ihrer bundesweiten Verbrechensverstrickung sieht, war am Donnerstag in der Buchhandlung Riemann zu erfahren. Und ausdrücklich: Nur weil der schnoddrige Rheinländer ein dermaßen leidenschaftliches Bekenntnis zu unserm oberfrängischen Bier und gudn Essn und generellem Breisleisdungsverhäldnis abgegeben hat, weswegen er überhaupt hier in die Gegend geraten sei und wo er dann auch die große Liebe gefunden habe, akzebdiern mir seine Art. (Dass er bei jeder Lesung a Fässla Bier von einer unserer grandiosen kleinen Brauereien spendiert, is durchaus hilfreich. Geb ich zu.)


Er erklärt die Frang-Ard

In diesem weiteren "Franken Krimi", der im Milieu der Spielautomatenwirtschaft spielt, einem Wahnsinnsgeschäft, steckt viel Information und wohl auch Realitätsnähe. Schließlich war Thomas Pregl Jahrzehnte als investigativer Journalist unterwegs, bevor er sich wieder auf seine Lehrerausbildung besann.
Und aus allem zusammen erklärt er dann auch "das Fränkische". Was wir überwiegend wohlwollend entgegennehmen, wenn auch etwas befremdet von der distanzierten Weise - er is hald selbst ka Frange. Die ist aber bestimmt nicht schlecht, um den weitverbreiteten Breußn die Frankenart zu erklären.
Also guud: Wir lernen den in Bamberg lebenden Karl Besser kennen, der den Coburger Chef der Sonnelach AG, dem zweitgrößten Automatenproduzenten Europas, als PR-Manager dient. Besser wird dann aber tot im Sadomaso-Studio von Mai Li in Bamberg gefunden, nackt am Andreaskreuz hängend. Jetzt kommt die sexy Polizeirätin Petra Stangl, die nach Bamberg zwangsversetzt wurde und a Krätz is, und muss zusammen mit dem frankenbüffligen, karrieremäßig versackten Kommissar Norbert Denzlein ermitteln.
Im Garten der Villa von Johannes Sennlach am Coburger Festungsberg schnappt die Security einen Rumschnüffler, der bei der Befragung in der Sauna drauf geht. Dann geht es auch noch um Chrystal Meth, Korruption und Berliner Lobbyismus. Es gibt noch mehr Tote.
Thomas Pregl hat viel hineingepackt in seinen zweiten, aber erstmals im renommierten Emons-Verlag veröffentlichten Krimi. Letztes Jahr herausgekommen, steht er jetzt schon an dritter Stelle, was die Verkaufs-Hitliste vom Frankenbüchertisch in der Buchhandlung Riemann angeht.

Thomas Pregl: Frankenhölle. Franken Krimi. Emons Verlag Köln, 336 Seiten, 10,90 Euro.