60 Kilometer zum 60. Geburtstag

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Hubert Karl (vorne, Zweiter von links, blaue Jacke) feierte seinen 60. Geburstag mit einem 60-Kilometer-Lauf, rechts der Japaner Osuma Joshikoshi. Foto: Günther Geiling
Hubert Karl (vorne, Zweiter von links, blaue Jacke) feierte seinen 60. Geburstag mit einem 60-Kilometer-Lauf, rechts der Japaner Osuma Joshikoshi.  Foto: Günther Geiling

Der Zeiler Ultraläufer Hubert Karl hatte sich für seinen Ehrentag ein besonders Programm ausgedacht.

Während andere Menschen sich an ihrem 60. Geburtstag zurücklehnen und gemütlich im Kreise der Familie feiern, war dies bei Hubert Karl aus Zeil am Wochenende ganz anders. Der bekannte Marathon- und Ultra-Läufer wünschte sich zu seinem Geburtstag mit seinen Freunden einen 60-Kilometer-Lauf auf seiner Lieblingsstrecke im Landkreis Haßberge, und 30 Sportlerinnen und Sportler begleiteten ihn. Natürlich wurde das Wiegenfest nach dem Zieleinlauf noch ausgiebig gefeiert.
Hubert Karl lebt seit 35 Jahren das Laufen wie kaum ein Zweiter. Er begann als Hobbyläufer, spielte in Ziegelanger und Steinbach Fußball, und die Konditionsarbeit haben ihm schon nach der ersten Einheit gefallen. So war es kein Wunder, dass er sich schon nach einem halben Jahr an den ersten Marathon wagte. Inzwischen hat er über 700 Wettkämpfe mit Laufstrecken von fünf bis 457 Kilometern hinter sich gebracht. Darunter waren 55 Marathonläufe, 130 Ultra-Marathonläufe, sechs Japandurchquerungen. "Die schönsten Läufe sind für mich nach wie vor die schönen Strecken durch die Haßberge und den Steigerwald. Wenn ich an das Ausland denke, dann ist es der Kepler-Track mit 60 Kilometern durch Neuseeland mit so vielen tollen Trails abseits vom Rummel und durch die Natur. Mein Lieblingswettkampf ist aber nach wie vor der Spartathlon in Griechenland mit 246 Kilometern von Athen nach Sparta." Bei dem hat er schon 20 Mal das Ziel erreicht und hält damit den Rekord. Eine unglaubliche Leistung war der Friedenslauf im Jahre 1996 von Hiroshima nach Nagasaki mit 457 Kilometern. Bei der Frage nach dem Training korrigiert Hubert Karl die Meinung, dass er jeden Tag größere Strecken laufe. "Ich bin eigentlich weiter der Hobbyläufer und bereite mich zielbedingt auf größere Läufe dann entsprechend vor. Vor allem die letzten vier Wochen vor einem größeren Lauf trainiere ich mit Blick auf diesen Lauf."
Natürlich hat Hubert Karl für diese körperliche Fitness ein Rezept. "Das Wichtigste ist eine gesunde Ernährung. Ich halte nichts von Nahrungsergänzung, sondern viel von ganz natürlichen Lebensmitteln. Dabei ist mir meine Frau eine große Stütze, die vegetarisch lebt. Ich tue das nicht, aber wir haben drei Gärten und ernähren uns auch im Winter von Rosen- und Winterkohl. Auch davon bekommen wir unsere Power." Diese Power wollte er auch an seinem 60. Geburtstag zeigen, und 30 Sportler gingen mit ihm auf seine "Lieblingsstrecke" vom Setzbach über Bischofsheim, Steinbach, Eltmann und Limbach bis hinein auf den "Schlangenweg" im Böhlgrund. Die Temperaturen waren nicht das Problem, aber die Bodenverhältnisse. "Der teilweise Tiefschnee sorgte dafür, dass die 65 Kilometer damit eigentlich zu einem 75-Kilometer-Lauf wurden", meinte Hubert Karl scherzhaft. Acht Läuferinnen und Läufer absolvierten trotzdem die ganze Strecke, während andere nur einige Etappen auf sich nahmen, die aber auch bis zu 21 Kilometer lang waren.
Unter den Ultraläufern war sein japanischer Freund, der 69-jährige Joshikoshi, einer der weltbesten Ultraläufer, den Karl beim Spartathlon in Griechenland kennen gelernt hat und mit dem er in den letzten Jahren öfter zusammengetroffen ist. Er war mit weiteren drei Freunden zum Geburtstag nach Zeil gekommen. Auch aus ganz Deutschland kamen die Gratulanten. "Einfach gesund bleiben und mit dieser Gesundheit auch die Leistungsfähigkeit weiter pflegen." Das ist der Wunsch von Hubert Karl für das nächste Jahrzehnt. Aufhören mit dem Laufen komme für ihn nicht infrage: "Meine Aufgabe sehe ich weiter darin, meine Freunde und Mitmenschen auf dem Weg zu einem bewussteren Umgang mit dem kostbaren Gut der Bewegung zu begleiten."