stephan herbert fuchs

Nachts um 4 Uhr wollte ein 18-jähriger Mann aus dem Kulmbacher Landkreis angeblich in friedlicher Absicht eine Asylbewerberunterkunft in einer Landkreisgemeinde aufsuchen. Er war praktisch volltrunken, hatte zuvor elf Seidla und allerhand andere alkoholische Getränke konsumiert. Erst klopfte er an ein Fenster, dann beleidigte er die Bewohner mit unflätigen Worten wie "Scheiß Asylanten" und zeigte ihnen ohne irgendeinen Grund den Stinkefinger. Vor dem Jugendrichter gab es dafür jetzt die Quittung. Der Mann muss 30 Stunden unentgeltliche und gemeinnützige Arbeit leisten und sechs Monate lang an einer sozialen Trainingsmaßnahme der Caritas teilnehmen.
Vor Gericht wollte der Angeklagte glaubhaft machen, dass er zuerst von den Asylbewerbern als "Nazischwein" beleidigt worden sein soll. Den Stinkefinger gab er zu, die unflätigen Äußerungen nicht. Allerdings hatte nicht einer seiner drei Kumpels, mit denen er damals unterwegs war, eine Beleidigung seitens der Asylbewerber gehört, wohl aber die lautstarken Beleidigungen des Angeklagten.


Kumpels zogen ihn weg

Die drei Kumpels waren es auch, die den jungen Mann von der Asylbewerberunterkunft wegzogen, ehe er vielleicht noch Schlimmeres angerichtet hätte. Immerhin hatte der Angeklagte die Bewohner der Unterkunft auch schon lautstark aufgefordert, herauszukommen.
Nüchtern sei er nicht gewesen, "eher voll". Angeblich will er in dem Lokal, in dem er am Abend Darts gespielt hatte, eine Zeche von 80 Euro hinterlassen haben. Allein elf Seidla Bier sollen darunter gewesen sein, aber auch andere Dinge wie Jacky-Cola und diverse Drinks. Trotzdem betonte er die friedliche Absicht des nächtlichen Besuchs. "Wir haben uns halt gedacht, wir schauen da mal rein", sagte er. Er habe absolut nichts gegen Ausländer oder Asylbewerber.
Der junge Mann hatte erst im Januar dieses Jahres mit dem Gericht zu tun, damals wegen eines Betruges im Internet, das Verfahren wurde allerdings eingestellt. Einem Beruf geht er nicht nach, er hatte bereits zwei Lehren begonnen, aber keine abgeschlossen.


Absolut indiskutabel

40 Arbeitsstunden forderte Staatsanwältin Dominik Amend. Die alkoholbedingte Enthemmung hielt sie dem jungen Mann zugute, allerdings habe er gleich zwei Beleidigungen verwirklicht und sei erst vor wenigen Monaten vor dem Jugendrichter gestanden. "Ich gehe davon aus, dass sie das im nüchternen Zustand nicht gemacht hätten", sagte die Anklagevertreterin. Mit 30 Stunden blieb Richter Christoph Berner unter dem Antrag. Der Angeklagte muss die Stunden nach näherer Weisung der Geschwister-Gummi-Stiftung binnen vier Monaten ableisten. Dazu kommt die soziale Trainingsmaßnahme bei der Caritas. Elf Seidla, das sei nicht nur weit über jedes Maß hinaus, sondern auch absolut indiskutabel, sagte Jugendrichter Berner. Eine Provokation seitens der Asylbewerber im Vorfeld konnte das Gericht nicht ausschließen, Richter Berner hielt sie allerdings für wenig wahrscheinlich, zumal sie in keiner Vernehmung im Vorfeld je aufgetaucht war.