Zum letzten Mal werden am Dienstag die gelben Fahrzeuge der Post - jetzt DHL - am Zustellstützpunkt an der Ecke Marktplatz/Kirchplatz in Stadtsteinach starten und von dort aus Briefe und Pakete zustellen. Nach Beendigung ihrer Tour werden die Zusteller die Autos dann zum neuen Stützpunkt an der Hofer Straße in Kulmbach bringen. Das hat Erwin Nier von der Pressestelle der DHL-Group in München auf Nachfrage bestätigt.

Damit geht in Stadtsteinach eine 168-jährige Post-Geschichte zu Ende. 1851 war die erste Postexpedition am Sitz des königlichen Landgerichts errichtet worden, wie Stadtarchivar und Kreisheimatpfleger Siegfried Sesselmann in den Archiven ausgegraben hat. Erster Vorstand der Expedition war demnach Gemeindevorsteher Michael Schirmer - er arbeitete für 100 Gulden Honorar plus 159 Gulden Fahrtkosten.

Fehlbetrag in der Kasse

Um dieses "Amt" zu bekommen, musste er allerdings zunächst 500 Gulden als "Einstand" bezahlen. Er behielt den Posten bis zu einer Visitation am 9. August 1867, bei der in der Kasse ein Fehlbetrag von 2048 Gulden und 20 Viertelkreuzern festgestellt wurde. Schirmer wurde daraufhin sofort des Dienstes enthoben und verhaftet.

Seine Nachfolge trat der Bezirksamtoberschreiber Lorenz Schaupert an, der jedoch schon ein halbes Jahr später an das Oberpost- und Bahnamt nach Bamberg wechselte.

Mit dem nächsten Nachfolger Georg Lorber wechselte das Postlokal dann in dessen Haus (heute Marktplatz 10). In seiner Amtszeit wurde 1872 eine Telegrafenanstalt eingerichtet. Nach Lorbers Tod 1879 ging die Leitung der Stadtsteinacher Post an Personen von teils weit her über, an Isidor Diener aus Mühlhausen in Thüringen und an Johann Schlegel aus Ebrach.

1896 berichtete das Kulmbacher Tagblatt von einem nächtlichen Einbruch und einem "frechen Diebstahl" in der Stadtsteinacher "Postanstalt", bei der "der Inhalt des Schalters, bestehend in Briefmarken im Werthe von 50 Mk. und 29 Pfg., sowie Baargeld im Betrag von 10 Mk. entwendet" wurden; und von einem weiteren Einbruch in die Apotheke, in der Gold- und Silbersachen abhanden kamen. Man verdächtigte zwei durchfahrende Artisten, die allerdings nie gefasst wurden.

1894 wurde von einem weiteren "Postraub" berichtet, bei dem am helllichten Tag "mehrere tausend Mark" binnen zwei Minuten geraubt wurden. Vier junge Männer nahmen die Täter noch am gleichen Tag fest.

1902 wechselte das Postlokal dann in die Hauptstraße 2, 1904 wieder in das Anwesen Marktplatz 10. Die erste Mobilisierung der Post folgte 1914: Ein von einem Pferd gezogener Packwagen verkehrte zwischen Stadtsteinach und Wartenfels - zur Erleichterung für die Zusteller, die bis dahin die Post zu Fuß bis Grafendobrach und ins Oberland bis nach Gösmes zu liefern hatten.

Kraftpost statt Pferdekutschen

Zehn Jahre später wurde auf der Linie Kulmbach-Stadtsteinach-Kronach der motorisierte Kraftpostbetrieb aufgenommen. Gleichzeitig wurde der Poststall aufgelöst, der in der heutigen Knollenstraße 1 und 3 untergebracht war und an dem ab 1877 zweimal am Tag der gelbe Pferde-Omnibus Station gemacht hatte.

1921 erwarb die Oberpostdirektion Bamberg schließlich das Haus Marktplatz 16/17 (damals "Zum Weißen Roß", heute prangt an der Fassade die Schrift der Faschingsgesellschaft Stadtsteinach) und richtete dort das Postamt ein. "Nach neuzeitlichem Stil" folgte 1935 ein Umbau. 1960 kaufte die Post auch das angrenzende Haus Staffel 1, ließ es abbrechen und an dessen Stelle das Postamt Marktplatz 16/17 erweitern, in der sich bis heute der Zustellstützpunkt Stadtsteinach befand. 1990 verkaufte die Post im Zuge der damaligen Privatisierung das gesamte Anwesen, das deren neuer Besitzer ab 1991 generalsanieren ließ. Während dieser Zeit befand sich die Post in einem Ausweichpostamt in einem Holzbau an der Knollenstraße 10 c.

Mit Postmeister Georg Teicher waren 1935 sieben Personen angestellt. Teicher wurde 1945 auf Anordnung der Militärregierung suspendiert. Für ihn setzte man den Nürnberger Julius Niebler ein, im folgten 1954 Walter Kolbeck und 1955 Josef Odenbach.

1958 wurde der Landzustelldienst dann direkt ab Stadtsteinach motorisiert; den VW-Bus nutze man fortan auch zur Paketzustellung. 1964 übernahm der heute 94-jährige Marktleugaster Alois Günther das Postamt, 1989 folgte Oskar Döring und 1995 wiederum der Pressecker Ludwig Babel. In Babels Dienstzeit begann die Privatisierung des bis dahin staatlichen Postwesens, die 1998 mit der Auflösung des Postministeriums abschloss.

Im März 2003 wurde von der geplanten Schließung der Stadtsteinacher Postschalter berichtet. Der Vollzug kam im Oktober; es blieben die Schließfächer und der Zustellstützpunkt. Sigrid und Herbert Friedlein übernahmen die Postagentur bis zur Schließung ihres Schreibwarengeschäfts im Herbst 2018.

Seither befindet sich die Agentur - ohne Bankdienstleistungen - im Rewe-Markt am Ende der Stadt. Mit dem Abzug der Zustellfahrzeuge wird sich für Postkunden im Grund nichts ändern, außer dass die Sendungen wegen der längeren Anfahrt aus Kulmbach wohl etwas später in den Briefkästen landen werden.