Druckartikel: Zeckengefahr: Bayern ist FSME-Risikogebiet - bis auf eine fränkische Stadt

Zeckengefahr: Bayern ist FSME-Risikogebiet - bis auf eine fränkische Stadt


Autor: Ralf Welz

Franken, Samstag, 21. März 2026

Im Frühling steigt die Gefahr von Zeckenstichen. Bayern gilt nahezu flächendeckend als Risikogebiet für die Infektionskrankheit FSME. Einzige Ausnahme ist eine Stadt in Franken.
Ein Schild warnt in einem Wald vor Zecken.


Mit den im Frühling steigenden Außentemperaturen beginnt wieder die Zeckensaison. Vor allem in Bayern ist diesbezüglich Vorsicht geboten. Nahezu der ganze Freistaat ist als Risikogebiet für die durch Zecken übertragbare Frühsommer-Meningoenzephalitis (FSME) eingestuft. Dies geht aus der aktuellen Risiko-Karte des Robert-Koch-Instituts (RKI) hervor. Lediglich die unterfränkische Stadt Schweinfurt bildet eine Ausnahme.

Bei FSME handelt es sich um eine Viruserkrankung, die bei Menschen eine Entzündung des Gehirns, der Hirnhäute oder des Rückenmarks verursachen kann. Bisweilen kann es auch zu Todesfällen kommen. Nach Angaben des Statistischen Bundesamts starben im Jahr 2023 in Deutschland neun Menschen an der dadurch verursachten Entzündung des Gehirns und der Hirnhäute - rund 600 Patienten wurden in Kliniken behandelt. Die bayerische Gesundheitsministerin Judith Gerlach hat die Bevölkerung dazu aufgerufen, sich gegen FSME impfen zu lassen.

Bayern nahezu flächendeckend FSME-Risikogebiet - Schweinfurt ist einzige Ausnahme

Der Johanniter-Regionalverband Oberfranken weist darauf hin, dass bereits ab einer Temperatur von 8 Grad Celsius Zecken aktiv werden und sich auf Wirtssuche begeben. Die Spinnentiere können Krankheitserreger übertragen, neben FSME etwa die Lyme-Borreliose, die Gelenk- und Muskelentzündungen verursacht.

"Auch Oberfranken ist FSME-Risikogebiet, das heißt, in unserer Region besteht ein höheres Risiko, durch einen Zeckenstich mit dem FSME-Virus angesteckt zu werden", erklären die Johanniter. Umso wichtiger seien Tipps zum wirksamen Zeckenschutz. 

In Deutschland gibt es laut dem Robert-Koch-Institut gegenwärtig 185 FSME-Risikogebiete. Genau wie Bayern ist auch Baden-Württemberg nahezu flächendeckend betroffen.

Infektionskrankheit Borreliose durch Zeckenstiche

Zecken sind große Milben, die sich auf der Haut von Tieren und Menschen festsetzen und deren Blut saugen. Die Tierchen leben mehrere Jahre und sind je nach Art und Entwicklungsstadium das ganze Jahr über anzutreffen. Laut dem Robert-Koch-Institut entfalten sie ihre höchste Aktivität vor allem im Frühjahr und Herbst. FSME-Infektionen treten entsprechend der Aktivität der virentragenden Tiere vorwiegend im Frühjahr, Sommer und Herbst auf, bei mildem Wetter vereinzelt auch im Winter.

Das saisonale Aufkommen der Borreliose verhält sich ähnlich. Wie dem Portal Infektionsschutz.de, einem Informationsangebot des Bundesinstituts für Öffentliche Gesundheit, zu entnehmen ist, kann die Borreliose vielgestaltig und unterschiedlich schwer verlaufen. Sie betrifft demnach überwiegend die Haut, aber auch das Nervensystem, die Gelenke und das Herz können betroffen sein. 

Zu Zecken existieren diverse Mythen - diese 5 vermeintlichen Fakten sind falsch. Die Tierchen halten sich bevorzugt in Wäldern, hohem Gras, Gebüsch und feuchtem Laub auf. Entgegen einer verbreiteten Annahme fallen sie nicht von Bäumen, sondern werden abgestreift oder klettern von unten auf ihre Wirte. Anschließend suchen sie nach dünnhäutigen Körperstellen, um sich festzubeißen. Als Schutzmaßnahmen werden vonseiten der Johanniter-Unfall-Hilfe empfohlen, Gebüsch und hohes Gras zu meiden und geschlossene, lange Kleidung zu tragen. Kokosöl soll derweil helfen, sich vor Zeckenstichen zu schützen. Aber erzielt das Öl wirklich die gewünschte Wirkung? 

Behandlung von Zeckenstichen - Entfernung und Risiken

Nach Aufenthalten in der Natur sollte der Körper gründlich auf Zecken abgesucht werden, insbesondere an warmen Körperregionen wie Achselhöhlen, Kniekehlen, Hals und Kopf. "Ein Zeckenstich ist kein Grund zur Panik", heißt es vonseiten der Johanniter. Bei einem Stich sollte das Tier allerdings möglichst schnell entfernt werden.

Die Erreger der Borreliose befinden sich im Magen-Darm-Trakt der Zecke und gelangen erst zwölf bis 24 Stunden nach dem Stich in die Wunde. Die Entfernung erfolgt mit einer Pinzette oder einem speziellen Instrument, indem die Zecke möglichst nahe an der Haut gefasst und gerade herausgezogen wird. Die Wunde muss anschließend desinfiziert werden. Von Versuchen, die Zecke mit Klebstoff, Öl oder anderen Mitteln zu ersticken, wird abgeraten, da dies die Infektionsgefahr erhöht.

Ein Anzeichen für eine Borreliose-Infektion ist ein rötlicher Hof an der Einstichstelle, der sich ausbreitet. Er tritt meist einige Tage nach dem Stich auf, kann aber auch ausbleiben. Grippeähnliche Symptome wie Fieber, Muskel- und Gelenkschmerzen oder geschwollene Lymphknoten können ebenfalls auf eine Infektion hinweisen. Ohne Behandlung kann Lyme-Borreliose zu Nervenlähmungen sowie Gelenk- oder Herzmuskelentzündungen führen.

Bayerns Gesundheitsministerin ruft zu FSME-Impfung auf - Fallzahlen weiter hoch

Anders als bei Borreliose schützt das schnelle Entfernen der Zecke nicht vor FSME. Die Erreger befinden sich in den Speicheldrüsen der Zecke und werden sofort übertragen. Bayerns Gesundheitsministerin Judith Gerlach (CSU) rief die Bevölkerung im Februar dazu auf, sich gegen FSME impfen zu lassen. 

Für einen vollständigen Schutz seien drei Impfungen erforderlich. Ungeimpfte Personen sollten möglichst zeitnah mit der Impfserie beginnen, um für die diesjährige Zeckensaison einen wirksamen Schutz aufzubauen. Die Fallzahlen bewegen sich nach Angaben des bayerischen Gesundheitsministeriums weiterhin auf hohem Niveau: Im vergangenen Jahr wurden in Bayern demzufolge 282 FSME-Erkrankungen gemeldet. Dies entspricht einem Rückgang gegenüber 2024, als 312 Fälle registriert wurden. Dennoch handelt es sich um den zweithöchsten Wert seit Einführung der Meldepflicht.

"Die Impfquoten in Bayern sind insgesamt noch zu niedrig", hielt die Gesundheitsministerin fest. So besitzen nur rund ein Fünftel der Erwachsenen einen aktuellen FSME-Impfschutz." Bei Kindern zeige sich ein etwas besseres Bild: 42 Prozent der bayerischen Einschulungskinder wiesen bei der Einschulungsuntersuchung zum Schuljahr 2023/24 eine abgeschlossene Grundimmunisierung auf.

STIKO empfiehlt Impfung für Risikogebiete - Borreliose-Zahlen deutlich gestiegen

Die Ständige Impfkommission (STIKO) empfiehlt die FSME-Impfung für alle Menschen, die in Risikogebieten mit Zecken in Kontakt kommen können. Da nahezu ganz Bayern als Risikogebiet gilt, wird die Impfung im Freistaat ohne Einschränkung empfohlen - auch für Urlauber. Laut dem bayerischen Gesundheitsministerium wurden im vergangenen Jahr in Bayern 5522 Fälle von Lyme-Borreliose gemeldet - ein deutlicher Anstieg gegenüber 4057 Fällen im Jahr 2024.

"Borreliose ist die häufigste durch Zecken übertragene Krankheit. Eine Impfung gibt es dagegen nicht", so Ministerin Gerlach. "Aber Borreliose lässt sich gut behandeln, wenn sie früh erkannt wird." Bei Beschwerden oder einer ringförmigen Hautrötung nach einem Stich sollte ärztlicher Rat eingeholt werden. Weitere Informationen zum Thema Zecken sind auf der Webseite des bayerischen Gesundheitsministeriums sowie im Internetportal des Landesamts für Gesundheit und Lebensmittelsicherheit verfügbar.

Wie wir künstliche Intelligenz einsetzen