Trocken-Hotspot in Franken: Bauern mit "ernüchternder" Erntebilanz
Autor: Agentur dpa, Manuel Dietz
Franken, Donnerstag, 20. August 2026
Unterfranken ist eine der trockensten Regionen in Bayern. Die Folgen machen sich nun auch zunehmend in der Landwirtschaft bemerkbar.
Extreme Hitze und Trockenheit machen der Natur und Landwirtschaft in weiten Teilen Deutschlands zunehmend zu schaffen. Nach Angaben des Deutschen Wetterdienstes (DWD) haben heuer vor allem im Süden mehrere längere niederschlagsarme und sehr warme bis heiße Phasen zu einer "gravierenden Bodentrockenheit" geführt. Besonders wenig Niederschlag fiel demnach von der Pfalz und Rheinhessen bis nach Unterfranken, wo verbreitet weniger als 150 Liter pro Quadratmeter zusammenkamen. Damit ist Unterfranken eine der trockensten Regionen in Bayern.
Nach Angaben des Bayerischen Bauernverbands (BBV) macht sich das nun auch in der Landwirtschaft deutlich bemerkbar. Wie der BBV-Bezirksverband Unterfranken mitteilt, haben extreme Hitze, lang anhaltende Trockenheit und ein erhebliches Niederschlagsdefizit das Erntejahr 2026 nämlich maßgeblich geprägt. Dieser "massive Trockenstress" habe nun mitunter verheerende Auswirkungen auf die diesjährige Ernte der unterfränkischen Bauern. Die Bilanz falle deshalb "ernüchternd" aus.
Update vom 20.08.2026: Unterfränkische Bauern leiden unter Folgen der Trockenheit - "deutliche Ertragseinbußen"
"Die Ernte zeigt erneut, wie stark der Erfolg eines Erntejahres von der Witterung und der Bodenqualität abhängt", heißt es vonseiten des BBV-Bezirksverbands Unterfranken. "Nach einem guten Start sorgten anhaltende Trockenheit und extreme Hitze ab dem Frühjahr für erheblichen Stress in den Beständen", berichtet der Verband. Besonders auf leichten und flachgründigen Böden sei es deshalb zu "deutlichen Ertragseinbußen" gekommen. Zudem habe die Getreideernte aufgrund der frühen Abreife rund drei Wochen früher als üblich begonnen. Positiv sei jedoch, dass die Qualitäten vieler Kulturen trotz der schwierigen Bedingungen insgesamt gut seien.
Deutliche Ertragseinbußen sind nach Angaben des BBV Unterfranken vor allem bei Winterweizen, Winterraps und Sommergetreide zu verzeichnen. Auch bei Silomais, Zuckerrüben, Sojabohnen, Kartoffeln und Grünland seien "die Folgen der Trockenheit deutlich spürbar". Besonders beim Silomais werden "regional erhebliche Ertragsverluste" erwartet, weil neben der geringen Pflanzenmasse auch die Kolben weniger Körner enthalten und nicht gefüllt werden.
"Die Ernte 2026 macht deutlich, dass unsere heimische Lebensmittelversorgung keine Selbstverständlichkeit ist", betont BBV-Bezirkspräsident Stefan Köhler. "Unsere bäuerlichen Familienbetriebe brauchen verlässliche politische Rahmenbedingungen und wirtschaftliche Perspektiven, damit sie auch künftig hochwertige Lebensmittel regional erzeugen können", erklärt er. Neben den Witterungsextremen belasten demnach auch niedrige Erzeugerpreise, steigende Betriebsmittelkosten und anhaltende geopolitische Unsicherheiten die Betriebe. Der BBV Unterfranken fordert deshalb weniger Bürokratie, wirtschaftliche Entlastungen und verlässliche Rahmenbedingungen für Investitionen.
"Wirtschaftlich prekäre Zeit": Präsident des Deutschen Bauernverbands mit Forderung an Bundesregierung
Auch die deutschlandweite Erntebilanz falle in diesem Jahr durchwachsen aus. "Die diesjährige Ernte ist von enormen regionalen Unterschieden geprägt, mit einem starken Nord-Süd-Gefälle", bewertet der Präsident des Deutschen Bauernverbands, Joachim Rukwied, die diesjährige Ernte. "Insbesondere in Süd- und Westdeutschland haben fehlende Niederschläge zu schwachen Erträgen bis hin zu Missernten bei einzelnen Kulturen geführt", so Rukwied. Demnach haben "ein zu trockenes Frühjahr und dann Hitze und anhaltende Trockenheit viele Bestände erheblich geschädigt". Der Standort habe "in diesem Jahr über den Ertrag entschieden wie selten zuvor".
Zudem falle das insgesamt schwache Ernteergebnis in eine ohnehin bereits "wirtschaftlich prekäre Zeit". Die deutlich niedrigeren Erträge in Verbindung mit den niedrigen Erzeugerpreisen einerseits und die hohen Kosten für Betriebsmittel wie Diesel oder Pflanzenschutz- und Düngemittel andererseits belasten die Liquidität vieler Betriebe enorm. Nicht wenige brauchen demnach Sonder- oder Zwischenfinanzierungen zur Sicherung der Liquidität und zum Fortbestand des Betriebes.