Der Zulieferer Valeo streicht frankenweit über 600 Jobs. Zwei Landkreise erheben nun Vorwürfe gegen das Unternehmen - ein Aspekt wurmt die Verantwortlichen besonders.
Der Automobilzulieferer Valeo hat an mehreren fränkischen Standorten umfassende Änderungen in der Personalstruktur angekündigt. Hintergrund für die Umstrukturierungen sei der Entschluss des Unternehmens, den Forschungs- und Entwicklungsansatz aufgrund der schwierigen Lage der Industrie und des hohen Wettbewerbs im Ausland anzupassen. Allein in Franken werden in diesem Zuge insgesamt über 600 Arbeitsplätze wegfallen.
Besonders hart trifft es dabei den Standort in Bad Neustadt an der Saale (Kreis Rhön-Grabfeld): Die Niederlassung, in der aktuell 183 Mitarbeiter beschäftigt sind, soll noch in diesem Jahr vollständig geschlossen werden. Aber auch an den Standorten in Ebern (Kreis Haßberge), Erlangen und Bad Rodach (Kreis Coburg) sollen in großem Stil Stellen abgebaut werden. Gleich zwei fränkische Landkreise erheben in diesem Zuge jetzt Vorwürfe gegen den Zulieferer.
Stellenabbau an fränkischen Valeo-Standorten - Landratsämter üben Kritik an Autozulieferer
Wie das Landratsamt Haßberge mitteilt, haben die Verantwortlichen der Firma Valeo Eberns Bürgermeister Jürgen Hennemann (SPD) und Landrat Wilhelm Schneider (CSU) am Donnerstag (15. Januar 2026) darüber in Kenntnis gesetzt, dass weitere 134 Arbeitsplätze am Standort Ebern abgebaut werden sollen. Nachdem dort bereits im vergangenen Jahr 280 Arbeitsplätze gestrichen worden waren, sei dies nun "ein weiterer schwerer Schlag für den Industriestandort Ebern". Vor allem das Vorgehen des Automobilzulieferers stoße den Verantwortlichen im Landkreis übel auf.
"Äußerst bedauerlich ist die Tatsache, dass vor dieser Entscheidung keine Kommunikation mit den Verantwortlichen vor Ort im Unternehmen sowie den regionalen Entscheidungsträgern stattfand, um gemeinsam nach Lösungen zur Verbesserung der Situation zu suchen", zeigt sich das Landratsamt verärgert. Zumal die Schließung des Standorts "Auswirkungen auf die gesamte Region" habe. Besonders betroffen ist demnach der nördliche Landkreis, der "als ehemaliges Zonenrandgebiet infrastrukturell stark benachteiligt" sei. Und auch die Abwanderung von jungen Menschen mache dem Landkreis zunehmend zu schaffen.
"Unsere Region, die ohnehin mit einer stark alternden Bevölkerung kämpft, steht vor einer dramatischen Herausforderung", erklärt das Landratsamt Haßberge. "Die Abwanderung junger Menschen führt zu einer weiteren Überalterung und einem zunehmenden Leerstand, der sich nicht nur auf die Ortskerne beschränkt", heißt es weiter. Als "ländlich geprägtes Gebiet mit begrenzten finanziellen Ressourcen und besonderem Handlungsbedarf" sei man "kaum in der Lage, dieser negativen Entwicklung wirksam entgegenzutreten". Landrat Wilhelm Schneider werde deshalb auch weiterhin in Gesprächen mit dem Betriebsrat, der IG Metall in Bamberg, dem Bürgermeister und der Staatsregierung stehen. "Es geht um unsere Region, unsere Menschen, ihre Lebensgrundlage und ihre Chancen", so Schneider.
Landratsamt Rhön-Grabfeld veröffentlicht Statement zu Stellenabbau bei Valeo - "ein schwerer Schlag"
Auch das Landratsamt Rhön-Grabfeld hat sich, nachdem bekannt geworden war, dass der Valeo-Standort in Bad Neustadt Mitte 2026 vollständig schließen wird, in einem Statement an die Öffentlichkeit gewandt. "Nach dem bereits erfolgten Abbau von rund 300 Arbeitsplätzen vor zwei Jahren verlieren nun die verbliebenen 190 Mitarbeiter bei Valeo ihren Arbeitsplatz in Bad Neustadt", teilt das Landratsamt mit. Aller Voraussicht nach werden demnach anschließend nur 40 von ihnen am Standort Erlangen unterkommen.
"Das ist ein schwerer Schlag für den Industriestandort Rhön-Grabfeld und für die äußerst engagierten Beschäftigten am hiesigen Standort", heißt es vonseiten des Landratsamts. "Mehr als bedauerlich ist, dass im Vorfeld dieser Entscheidung nicht mit den Verantwortlichen im Unternehmen vor Ort sowie den regionalen Verantwortlichen kommuniziert wurde, um gemeinsam nach guten Lösungen für die Fortführung des Betriebs von Valeo in Bad Neustadt zu suchen", lautet auch hier die Kritik.
Wie bei den letzten Wahlen bestellt so geliefert. Kommunalpolitiker sollten sich übrigens von der Vorstellung freimachen, dass Wirtschaftsunternehmen eine Verantwortung für eine Region hätten.
Ein Wirtschaftsunternehmen ist ausschließlich dem eigenen Überleben verpflichtet - und muss unprofitable Unternehmensbereiche aufgeben. Wer nach weniger Individualmobilität und anderen Antriebsformen ruft, muss sich im Klaren sein, dass das nicht ohne herbe Verluste für Menschen und Regionen abgeht. Dafür erhält man, zumindest theoretisch, ja auch einen Profit auf anderer Ebene. Es gab schon immer Wandel oder kennen Sie heute noch Tuchweber, Färber, Hufschmiede, Stellmacher, Glasbläser, Töpfer, oder sehen sie noch irgendwo Glühlampenfabriken, Röhrenfernseherhersteller, Wählscheibentelefonfertiger?
Ein Teil der industriellen Abwanderung ist natürlich auch dem Faktor Lohnniveau geschuldet - wer sich einen informativen Nachmittag gönnen möchte soll einfach mal Firmennamen von Pleiteunternehmen und Massenentlassungen eingeben und als zweite Suchparameter: Streik, Gewerkschaft, IGM, VerDi.
Auffallend oft wurden die Arbeitsplätze schlicht mittelfristig weggetrillert.
Da haben Sie sicher ein paar gute Punkte, werfen aber mit dem Beispiel des Wählscheiben-Telefons eine elementare Frage auf. Denn, zwei der drei Hersteller von Wählscheiben-Telefonen gibt es noch: Siemens und Agfeo; SEL ist in Alcatel aufgegangen und heute Nokia. Über Siemens brauchen wir in der Region nicht sprechen, da lesen sicher Leute mit die näher dran sind. Agfeo ist dem Telekommunikationssektor treu geblieben und längst auf IP basierter Telefonie.
Ausgehend von diesem Beispiel frage ich mich also mit Blick auf Unternehmen wie Valeo: Liegt es nicht auch an der Industrie, Transformationsprozesse anzunehmen und im Sinne eines Fortbestandes der Unternehmen durch Innovation und Adaption auf der Höhe der Zeit zu bleiben?
Die deutsche Automobilindustrie und ihre Zulieferer sind leider nicht mehr wettbewerbsfähig, weil sie die Zukunft, welche ausschließlich vom elektrischen und autonomen Fahren beherrscht wird komplett verschlafen hat. Tesla und asiatische Hersteller planen die nächsten kommenden Modelle bereits ohne Bedienelemente wie Lenkrad und Pedale, und somit machen die letzten Menschen gerade den Führerschein, denn den braucht man zukünftig schlicht und einfach nicht mehr... Die von dillettantischer Politik verursachten explodierenden Energiepreise und ausufernde Bürokratie hierzulande besorgt den Rest.
Viele Landräte tun so, als müssten Firmen sie vorher fragen. Dabei entscheiden Unternehmen selbst, was sie tun. Wer Verantwortung für eine Region trägt, sollte früh und aktiv den Kontakt suchen – nicht erst, wenn alles entschieden ist. Ich erinnere außerdem daran, dass die Bundesministerin für Arbeit und Soziales, Bärbel Bas, erst im Dezember auf dem Juso Kongress zu einem „Kampf gegen Arbeitgeber“ aufgerufen hat – nun hat sie erste Teilerfolge.