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Eichenprozessionsspinner: An diesen Orten in Franken droht Gefahr


Autor: Moritz Kircher

Franken, Mittwoch, 24. Juni 2026

Vielerorts in Franken breitet sich der Eichenprozessionsspinner aus, der bei Menschen zur akuten Gesundheitsgefahr werden kann. Hier gibt es den Überblick über besonders betroffene Orte.
Bei den deutlich erkennbaren Haaren des Eichenprozessionsspinners handelt es sich nicht um die gefährlichen Brennhaare. Diese sind so winzig, dass sie mit bloßem Auge nicht zu sehen sind. (Archivbild)


So stark wie selten verbreitet sich aktuell der Eichenprozessionsspinner in Franken. Die bis zu vier Zentimeter langen Raupen können bei Menschen ernsthafte gesundheitliche Probleme verursachen. Grund sind die so gut wie unsichtbaren Brennhaare der Tierchen, die auch dann noch gefährlich sind, wenn die Raupen längst weg sind.

Erhöhte Gefahr bei Besuch des Nürnberger Reichswaldes

Der Reichswald ist ein beliebtes Erholungsgebiet für die Nürnberger. Wer allerdings in der aktuellen Hitzewelle dort etwas Abkühlung sucht, dem droht eine andere Gesundheitsgefahr. Die Bayerischen Staatsforsten warnen vor einem verstärkten Befall der Eichen im Wald mit dem Eichenprozessionsspinner. Besonders betroffen seien Eichen in lichten Waldbeständen sowie an Waldrändern.

Der Eichenprozessionsspinner hat sich im Reichswald offenbar so weit ausgebreitet, dass er gar nicht mehr bekämpft werden kann. "Aufgrund des fast flächendeckenden Auftretens sind großflächige Gegenmaßnahmen nicht wirksam umsetzbar", heißt es in einer Mitteilung der Staatsforsten.

Das Betreten des Reichswaldes ist nicht verboten. Jedoch raten die Staatsforsten den Waldbesuchern: 

  • Halten Sie Abstand zu Eichen und insbesondere zu sichtbaren Gespinstnestern
  • Berühren Sie weder Raupen noch Nester
  • Bleiben Sie möglichst auf befestigten Wegen
  • Vermeiden Sie Aufenthalte in erkennbar stark befallenen Bereichen
  • Nach dem Waldbesuch gegebenenfalls Kleidung wechseln und gründlich reinigen

Starker Befall entlang fränkischer Autobahnen

Zahlreiche Städte in Franken kämpfen derzeit mit einem massiven Befall von Baumbestand mit dem Eichenprozessionsspinner. Auch entlang fränkischer Autobahnen gibt es große Probleme mit der kleinen Raupe. Der Eichenprozessionsspinner tritt nach Angaben der Autobahn GmbH dieses Jahr besonders früh und besonders stark auf. Deshalb nehmen Fachleute jetzt entlang der fränkischen Autobahnen den Kampf gegen die Raupe auf, deren Brennhaare bei Menschen zur ernsthaften Gesundheitsgefahr werden können. 

Eine Fachfirma mit Spezialgerät wird in den nächsten Wochen entlang der übrigen betroffenen Autobahnen, Parkplätzen sowie Tank- und Rastanlagen den Kampf gegen die Nester und Gespinste durchführen. Auch Grundstücksbesitzer sollten jetzt handeln. An den Autobahnen wird auf den Einsatz von Spritzmitteln zum Schutz anderer Insektengruppen verzichtet. Der Kampf gegen den Eichenprozessionsspinner entlang der fränkischen Autobahnen wird vermutlich bis Ende Juli dauern.

Schwerpunkt der Maßnahmen seien die Autobahnabschnitte an der A73, zwischen den Anschlussstellen Möhrendorf und Breitengüßbach, an der A70 zwischen Hallstadt und dem Autobahndreieck Bayreuth/Kulmbach, an der A93 bei Weiden sowie auf der A9 zwischen den Anschlussstellen Pegnitz und Bad Berneck. An Park- und Rastplätzen wird der Eichenprozessionsspinner nach Angaben der Autobahn GmbH vordringlich bekämpft. 

Eichenprozessionsspinner in Coburg: So müssen Grundstücksbesitzer jetzt handeln

In Coburg ist der Eichenprozessionsspinner mittlerweile flächendeckend zum Problem geworden, wie die Stadt in einer Pressemitteilung erklärt. Verantwortlich dafür seien unter anderem die milden Winter und die anhaltenden Trockenperioden, die den Raupen günstige Entwicklungsbedingungen bieten. Die Stadtverwaltung rät dringend dazu, befallene Bäume und Gespinste nicht zu berühren und betroffene Bereiche großzügig zu meiden.

Auf städtischen Flächen würden die Raupen derzeit entfernt. Dafür komme ein speziell ausgerüsteter Sauger zum Einsatz, mit dem die Tiere und ihre Nester abgesaugt werden, heißt es. Die Stadt Coburg weist darauf hin: Für die Bekämpfung auf Privatgrundstücken sind die jeweiligen Eigentümer verantwortlich, sofern von den Raupen eine Gefahr für die Allgemeinheit ausgehen kann.

Wer im öffentlichen Raum ein Gespinst oder einen befallenen Baum entdeckt, kann dies dem Grünflächenamt per E-Mail an gruenflaechenamt@coburg.de melden. 

Stadt Schwabach warnt Eltern - Gefahr auch von verlassenen Nestern

Viele Meldungen von vermehrtem Aufkommen des Eichenprozessionsspinners in Schwabach erreichen in diesen Tagen das Ordnungsamt.

Bei einem Befall von Bäumen auf öffentlichen Flächen sauge das Baubetriebsamt mittels eines speziellen Saugers die betroffenen Bäume ab. Allerdings müsse die Stadt Prioritäten setzen. Areale in der Nähe von Spielplätzen, Schulen und Kindergärten würden vorrangig gereinigt.

Private Baumbesitzer werden vom Ordnungsamt zur Beseitigung des Befalls aufgefordert, wenn der Befall in den öffentlichen Verkehrsraum hineinragt. Zur Beseitigung können Fachbetriebe herangezogen werden.

Würzburg leidet verstärkt unter dem Eichenprozessionsspinner

Auch in Würzburg wird der Eichenprozessionsspinner allmählich zur Plage. In Waldbeständen und in den Grünanlagen der Stadt nehmen die Populationen laut einer Mitteilung zu. Die Baumpfleger des Würzburger Gartenamtes sind laut Stadt bemüht, insbesondere an sensiblen Standorten wie Spielplätzen, Sportstätten und Liegewiesen in den Parkanlagen, die Raupen und Gespinste aus den Eichenbäumen zu entfernen.

Dennoch rät man im Rathaus zu Vorsicht: "Achten Sie auf spielende Kinder in der Nähe von Eichen, so wie auf Hunde, die ebenfalls von den schädlichen Wirkungen der Raupen betroffen werden. Halten Sie sich nicht unter Eichen auf!", heißt es weiter.

Hinweise von Eichenprozessionsspinnern im Stadtgebiet können an das Sachgebiet Stadtbäume des Gartenamtes gemeldet werden, per Mail an stadtbaeume@stadt.wuerzburg.de

Nürnberg kommt bei der Bekämpfung kaum hinterher

Der Servicebetrieb Öffentlicher Raum Nürnberg (Sör) verzeichnet außergewöhnlich viele Meldungen zu Sichtungen des Eichenprozessionsspinners. Um Gesundheitsgefahren für die Bevölkerung zu minimieren, laufen die Bekämpfungsmaßnahmen nach Angaben der Stadt überall auf Hochtouren. 

Die beauftragten Firmen arbeiteten an ihrer Kapazitätsgrenze, informiert die Stadt Nürnberg in einer Pressemitteilung. Aufgrund der hohen Zahl an Meldungen müssen Bürgerinnen und Bürger aktuell mit Wartezeiten, bis eine Bekämpfung durchgeführt werden kann. Vorrang hätten Bildungseinrichtungen, Kinder- und Jugendeinrichtungen sowie öffentliche Anlagen, Wege und Plätze mit hoher  Besucherfrequenz. 

Verdachtsfälle können dem  Sör-Servicetelefon unter 0911/2317637 oder per Mail an soer@stadt.nuernberg.de gemeldet werden. Für die Bekämpfung des Eichenprozessionsspinners auf privaten Flächen seien die jeweiligen Eigentümerinnen und Eigentümer verantwortlich. 

Warum der Eichenprozessionsspinner eine Gefahr für Menschen ist

Der Eichenprozessionsspinner befällt - wie der Name schon sagt - ausschließlich Eichen. Die winzigen Brennhaare der Tiere können schwere allergische Reaktionen, Hautreizungen und Atembeschwerden auslösen. Mit bloßem Auge sind die Brennhaare aber nicht zu erkennen.

Ein weiteres Problem: Man muss nicht einmal direkt mit den bis zu vier Zentimeter langen Raupen in Kontakt kommen, um gesundheitliche Probleme zu bekommen. Die Haare des Eichenprozessionsspinners können laut dem Landesamt für Gesundheit und Lebensmittelsicherheit mit dem Wind weit durch die Luft getragen werden.

Auch die verlassenen Gespinste der Raupen stellen eine Gefahr dar. Die darin eingewobenen Brennhaare können nach Angaben von Experten mehrere Jahre überdauern. Sie bleiben über die Zeit für Menschen gefährlich. Der Eichenprozessionsspinner befällt bevorzugt freistehende, sonnige Eichen. Ende April oder Anfang Mai schlüpfen die Raupen aus den Eiern und ernähren sich ausschließlich von den Blättern der Bäume. Nach mehreren Häutungen bilden sie ihre charakteristischen Gespinste. Ab der dritten Häutung entstehen die gesundheitsschädlichen Brennhaare.